Es ist 3 Uhr morgens. Du taumelst aus dem Club, der Geschmack von schlechtem Gin Tonic auf der Zunge. Klar, jeder hat seine wilde Phase. Doch irgendwann stellt sich die Frage: Was macht eine Feier wirklich aus?
Was, wenn es nicht darum geht, die Realität mit ordentlich Umdrehungen auszublenden, sondern sie intensiver zu spüren, genauso wie sie ist? Rausgehen. Atmen. Moos riechen, Kiefernnadeln spüren, sich selbst wahrnehmen. Klingt einfach – ist es aber nicht. Denn weniger tun und leiser werden, ist manchmal verdammt schwierig.
Was hemmungslos tanzen mit Waldbaden zu tun hat
Schon mal vom „Shinrin Yoku“ gehört? Waldbaden, ursprünglich ein Gesundheitskonzept aus Japan in den 80ern, ist in Schweden längst Teil des Alltags. Hier erlaubt dir das „allemansrätt“ (Jedermannsrecht), dich frei in der Natur zu bewegen. Die Idee: eintauchen, entschleunigen, loslassen.
Die Crux am Waldbaden: Warum brauchen wir jemanden, der uns zeigt, wie man nichts tut? Oder besser gesagt: Wie man sein vielbeschworenes intellektuelles Vakuum füllt – mit wahrnehmen, fühlen, sich treiben lassen?
Wahrscheinlich, weil wir uns schämen, Bäume zu umarmen oder Moos zu streicheln. Dass Waldbaden guttut, ist empirisch bewiesen. Dennoch fällt es uns schwer, es allein zu erleben. In der Gruppe geht es bedeutend leichter. Vielleicht ist genau das der erste Schritt: Scham überwinden, bis es egal ist, was andere denken. Das Gleiche kennt man vom Dancefloor – am schönsten tanzt es sich, wenn man so tanzt, als ob niemand zuschaut.
Oft geht es im Leben nur darum, Leistung zu bringen, Erwartungen zu erfüllen oder einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Aber wozu eigentlich?
Story oder echt?
Hast du dich auf den blendend schönen Social-Media-Accounts schon mal gefragt, wer da eigentlich diese tollen Fotos schießt? Und wie viele Aufnahmen in den Müll geschmissen wurden, bis man dieses eine Foto sieht? Und welche Perspektive es zeichnet? Beim Volvo Event war es spannend zu sehen, wie unterschiedlich Influencer und Redakteure das gleiche Erlebnis für sich nutzten. Sunset-Dinner, Kajak, Kränze flechten: Jeder schnitzte seine Story daraus. Doch sind unsere Posts im Einklang mit dem, was wir wirklich fühlen? Oder machen wir Dinge, weil sie auf Instagram gut aussehen? Fakt ist: Das Leben ist leichter, wenn Kommunikation und Gefühl übereinstimmen. Alles andere bleibt Fassade. Problematisch wird es nur, wenn „happy times“ kommuniziert werden, wo eigentlich gar keine sind. Oder wenn man etwas predigt, man selbst aber meilenweit davon entfernt ist. Ist das Echte nicht die bessere Story als die Schöne?
Die Jagd nach guten Bildern kann aber auch Spaß machen – und manchmal ist sie sogar der Grund, warum wir Momente überhaupt erleben. Ohne den Wunsch nach diesem einen Foto wären wir vielleicht nicht um fünf Uhr zum Sonnenaufgang aufgestanden, wären nicht „noch“ weiter gegangen oder hätten manche Entdeckungen gar nicht gemacht. Sunset Shooting im Fischerdorf? Komm, lass nochmal losziehen und schauen, was wir noch so finden. Eine Mission macht das Leben besser: vor allem, wenn man die Beute danach noch essen kann – wie etwa die Austern beim Kajak fahren!
Zurück zum Event: Meeresrauschen liegt in der Luft, die Abendsonne taucht alles in goldenes Licht, ein Tisch voller Blumen und Drinks wartet – das perfekte Warm-up für das traditionelle Blumenkranzflechten eines Midsommar-Festes. Der historische Volvo 240 glänzte bereits mit seinem Blumenkleid, jetzt fehlte nur noch unser Kranz. Ein Moment, der sich nicht nur für Fotos lohnt, sondern wie ein kleines Ritual anfühlt – sinnlich, verspielt, voller Leichtigkeit.
Zwischen Zero Drinks und Espresso Martini – Was feiern wir wirklich?
Was uns gleich auffiel: die Vielfalt alkoholfreier Drinks in Schweden. Besonders beim Abend am Meer, als wir vor dem Blumenkranzflechten mit Gin Tonic Zero Alkohol angestoßen haben. Nicht, weil die Schweden langweilig sind, sondern weil sie verstanden haben, dass Genuss und Geselligkeit auch anders gehen. Alkoholfreie Alternativen boomen – und erweitern schlicht die Palette, wie man feiern und erleben will. Deshalb testen wir sie auch gerade fleißig für das DOWNTOWN Magazin. Mal wissen sie in unseren Augen voll und ganz zu überzeugen, manchmal leider gar nicht. Und das ist auch okay. Ausprobieren, Neues erfahren ist entscheidend. Am Ende geht es nicht um Dogmen, sondern darum, jeden Moment so zu leben, wie es sich richtig anfühlt. Alles andere sind leere Performances.
Apropos Neues erfahren und nicht an Dogmen festhalten: Am späteren Abend stand dann Espresso Martini hoch im Kurs – mit Alkohol, aber entkoffeiniertem Espresso. Ein echter Game Changer, wenn man noch schlafen will. Und ehe man sich versieht, ist man wieder bei 3 Uhr morgens und einem brummenden Schädel. Nur taumelt man diesmal nicht aus dem Club, sondern aus einem idyllischen Bett mit Midsommar-Meerblick. Das Airport-Shuttle wartet. Jede Party endet irgendwann – die Frage ist nur, ob man danach leer ist oder voller neuer Geschichten. Echt feiern heißt: keine Perfektion, keine Filter, sondern für sich selbst herausfinden, was sich gut anfühlt – und das zu machen.
Danke Volvo – für einen Midsommar, der genauso viele Fragen gestellt wie beantwortet hat. Für tolle Erinnerungen. Für überraschende Wendungen. Für eine Story, die ganz anders verlief, als wir es uns ausgemalt hatten. Am Ende zählt nur, was du siehst und daraus machst. Denn die beste Feier ist immer die, die du selbst am meisten feierst!
Words: Robin Schmitt Photos: Volvo/Daniela Loof
