
Eine neue Marke – aber kein unbeschriebenes Blatt: TWINNER ist die jüngste Schöpfung des Schweizer Herstellers Thömus, der mit der Marke Stromer bereits einige smarte S-Pedelecs auf die Straße gebracht hat. Und gerade in der Schweiz hat dieses Konzept Rückenwind: Die Gesetzeslage für S-Pedelecs ist dort deutlich entspannter als in Deutschland. Man soll mit ihnen bewusst auch Fahrradwege nutzen – anders als in vielen deutschen Städten, wo strengere Regeln gelten.
Mit dem T1 Pro will TWINNER zeigen, wie urbane Mobilität von morgen aussehen kann. Das Bike setzt auf ein futuristisches Design, das fast in einem Tron-Blockbuster mitspielen könnte, und kombiniert diesen Look mit Hightech aus der Premiumklasse. Rahmen, Gabel, Cockpit und Laufräder bestehen aus Carbon. Doch trotz der edlen Materialien bringt das Bike satte 40 kg auf die Waage, selbst für ein S-Pedelec keine leichte Nummer.
Damit man mit dem schweren Bike trotzdem gut vom Fleck kommt, dafür soll der bislang stärkste Nabenmotor im S-Pedelec-Segment sorgen. Kombiniert mit einem riesigen Akku mit 1.638 Wh. Das lassen sich die Schweizer fürstlich bezahlen: Das TWINNER T1 Pro startet bei 12.750 CHF. Unser voll ausgestattetes Test-Bike liegt bei 14.750 CHF. Wem das von vornherein zu viel ist, dem bietet TWINNER noch ein Leasingmodell ab 222 CHF pro Monat inklusive Versicherung an. Wir haben gecheckt, ob sich das S-Pedelec lohnt oder ob man für das Geld doch lieber einen Dacia kauft!
Back to the Future – Das neue TWINNER T1 Pro S-Pedelec im Detail
Zu Beginn stellt sich die Frage, in welcher der vier verfügbaren Farben das neue Zweirad erstrahlen soll. Zur Auswahl stehen Black Satin, White Satin, Petrol und Ice Blue. Wir haben uns für die dunkelblaue Petrol-Variante entschieden – ein gelungener Kompromiss aus Understatement und Statement. Denn die Formensprache des TWINNER ist für uns bereits ein Statement an sich. Das zeigt auch das markante „T“, das in einem sechseckigen Rahmen auf dem Steuerrohr prangt und das übrigens dauerhaft leuchtet.
Ober- und Unterrohr verschmelzen beim TWINNER zu einem massiven Mittelrohr, das im Bereich des Tretlagers noch einmal deutlich anwächst, um das 9-Gang-Pinion-Getriebe zu beherbergen. Das wurde übrigens mit einem Gates-Riemenantrieb kombiniert, der im Vergleich zur klassischen Kette deutlich weniger Wartung verlangt. Richtung Heck läuft die Struktur wieder schmaler zu.


Das TWINNER T1 kommt mit einen fest installierten Gepäckträger, an dem zwei Rails zur Befestigung der bei unserem Test-Bike mitgelieferten Tasche angebracht sind. Ein essenzielles Detail, wenn man das TWINNER als Ersatz für ein Kraftfahrzeug nutzt – denn irgendwo müssen Einkäufe, Laptop oder Alltagsgepäck schließlich hin. Zusätzlich ist die Beleuchtung im Heck formschön in den Gepäckträger integriert und sitzt auf einer guten Höhe, sodass man nicht von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen wird. An der Front sorgt die bewährte Supernova M99 PRO 2 für kraftvolle Ausleuchtung – inklusive Fernlicht.
Marty-McFly-Style – Welche Komponenten bringt das TWINNER T1 Pro mit an den Start?

Bei der Grundausstattung des TWINNER bekommt man neben dem 9-Gang-Pinion-Getriebe und dem Gates-Riemen natürlich auch einen Motor. Oder eher eine Zeitmaschine? Denn das Herzstück des Bikes ist ein Transverse-Flux-Motor mit 70 Nm Drehmoment von GKN mit 1.600 W Peak-Power. Starke Werte auf dem Papier, und wir sind gespannt, was dieser kleine Fluxkompensator tatsächlich auf die Straße bringt. Für die nötige Energie im DeLorean – ähh TWINNER – sorgt der entnehmbare 1.638-Wh-Akku, glänzend rot lackiert. Herausnehmen lässt er sich, indem man den Lenker komplett zur Seite dreht – dann öffnet sich im Steuerrohr eine Klappe, hinter der der Akku sitzt. Fancy!
Angesteuert wird die Maschine über zwei Remotes und das integrierte Display, das direkt in den Vorbau gewandert ist und optisch mit dem Bike verschmilzt. Das Display zeigt die wichtigsten Fahrdaten an und verrät, in welchem der drei Unterstützungsmodi man gerade unterwegs ist. Über die linke Remote kann man die Unterstützungsstufen wechseln, zwischen Abblendlicht und Fernlicht umschalten und auch die Hupe betätigen. Die Integration ist genauso futuristisch wie beim Display und sorgt für eine angenehm cleane Optik.
Damit Marty McFly auf seinem TWINNER zuverlässig zum Stehen kommt, nutzt es ein ABS-System, das mit der TRP CR2.3 kombiniert ist – einer kräftigen Vierkolbenbremse mit 203-mm-Scheiben an Front und Heck. Zusätzlich gewinnt das Bike beim Bremsen Energie zurück, denn die Rekuperation speist die Energie der Bremsvorgänge in den Akku ein. Die automatische Rekuperation lässt sich im Menü über das Display des TWINNER Smart Hub ein- oder ausschalten. Ist sie aktiv, gewinnt der Motor bereits beim leichten Antippen des Bremshebels Energie zurück. Erst wenn man stärker zupackt, übernimmt das mechanische Bremssystem. Dieses Zusammenspiel ist effizient, spart Energie und schont die Bremsbeläge. Gleichzeitig ist der Übergang von der Rekuperationsbremse zur mechanischen Verzögerung alles andere als trivial – selbst in der Automobilbranche gilt diese Abstimmung nicht gerade als Spaziergang. Ob TWINNER das souverän gemeistert hat, wird unser Praxistest zeigen.
Die 29”-Carbon-Laufräder hat TWINNER selbst entwickelt, und auf unserem Test-Bike stecken Schwalbe Johnny-Watts-Reifen in 2,6”, die für den nötigen Komfort sorgen sollen.
Im Sitzrohr steckt eine KS eTEN-Sattelstütze mit 100 mm Hub, deren Hebel direkt unter der Sattelnase sitzt. Das klingt schon in der Theorie unpraktisch, denn man muss die Hand vom Lenker nehmen, um entspannt mit dem Fuß auf den Boden zu kommen. Wie sich das bei einem 40-kg-Bike anfühlt, lest ihr im Fahreindruck.
Connectivity am neuen TWINNER T1 Pro – Eine Rückfahrkamera am S-Pedelec? Why not!
Bei TWINNER kann man sein T1 Pro über die hauseigene App steuern und eine Reihe umfassender Funktionen abrufen. Im S-Pedelec steckt eine fest verbaute SIM-Karte, über die man das Bike per App tracken und auch sperren kann. Die Sperre lässt sich anschließend auch über einen Code direkt am Display wieder aufheben.
Zusätzlich kann man sich wie bei uns das Care + Pendler Kit dazu buchen. Diese setzen sich wie folgt zusammen:
CAREFREE SMART PACKAGE – 1.250 CHF
- Das digitale Paket umfasst fünf Jahre SIM-Karten-Nutzung und Konnektivität, eine Smartphone-App, Fernzugriff, Tracking und Diebstahlschutz. Außerdem sind Over-the-Air-Updates sowie eine auf vier Jahre verlängerte Garantie enthalten.
PENDLER PACKAGE – 750 CHF
- Dieses Paket richtet sich an Alltags- und Ganzjahresfahrende. Enthalten sind beheizbare Griffe, eine Rückkamera, Carbon-Schutzbleche sowie der TWINNER-Rucksack, der sich flexibel auch als Seitentasche nutzen lässt.


Das neue TWINNER T1 Pro S-Pedelec auf der Straße
Paff, boom, peng! So fühlt sich der Moment an, in dem man zum ersten Mal auf dem futuristisch anmutenden TWINNER T1 Pro Platz nimmt. Die Sitzposition ist ein gelungener Kompromiss aus sportlich gestreckt und angenehm aufrecht. So kann man Pendelstrecken entspannt und schnell angreifen.
Sobald man losrollt, kommt unweigerlich das Gefühl auf, auf einem kleinen E-Motorrad zu sitzen. Das TWINNER wirkt martialisch, modern und sehr technisch. Display, App und Features machen diesen Eindruck sofort greifbar. Besonders gelungen sind die beheizbaren Griffe, die sich per App sogar vorheizen lassen, sodass man an kalten Wintertagen nicht mit Eiszapfen an den Fingern startet. Bei unseren spätsommerlichen Testfahrten in Brixen haben wir dieses Feature weniger genutzt, aber allein die Aussicht auf warme Hände im winterlichen Pendelalltag sorgt für Vorfreude. Die Griffe brauchen etwas, bis sie vollständig warm sind, daher lassen sich in der App Zeitpläne einstellen – praktisch, wenn man morgens mit vorgewärmtem Cockpit losfahren möchte. Und auch im Sommer kann es ein Segen sein, wenn man spätabends auskühlt und trotzdem mit warmen Händen nach Hause fährt.
Was uns dafür weniger gut gefällt, ist die Sattelstütze. Die benutzten wir kaum, denn das 40 kg schwere S-Pedelec zu händeln, ist per se schon etwas fordernder als ein normales E-Bike. Will man an der Ampel kurz tiefer sitzen, um den Fuß angenehm auf den Boden zu bringen oder auf schnellen Abfahrten mehr Kontrolle haben, muss man eine Hand vom Lenker nehmen, was man bei 45 km/h lieber vermeiden möchte. Unser Tipp: Eine Dropper Post mit elektronischer Ansteuerung, etwa die RockShox Reverb AXS. Dafür ist das Pinion Getriebe ein Segen an der Ampel, denn man kann mit der Einheit einfach im Stehen schalten und so in einem leichten Gang losfahren, auch wenn man beim Ranrollen an die Ampel das Runterschalten vergessen hat.
Tuning-Tipp: Elektrische Dropper Post verbauen
Unsere ersten Meter führen über einen leicht abschüssigen Schotterweg, wo sich leider sofort die größte Komfort-Schwäche zeigt: Carbon-Rahmen, Carbon-Gabel und Carbon-Laufräder machen das TWINNER zu einem steifen Moped. Die einzigen Bauteile, die wirklich Komfort generieren sollen, sind die Reifen, doch diese erfüllen diesen Job nur bedingt. Auf grobem Schotter haben sie guten Grip, aber das Rütteln bleibt. Bordsteinkanten und Schlaglöcher sollte man deshalb auch nicht mit Fullspeed nehmen. Auf Asphalt fühlt sich das S-Pedelec deutlich wohler und fährt sich sicher und stabil. Auf Schotter funktioniert das zwar ebenfalls, aber eben mit spürbaren Hummeln im Hintern – wortwörtlich.
Sobald man auf eine Gerade einbiegt und den Motor arbeiten lässt, zeigt das TWINNER seine Muckis. Die Motorleistung ist enorm und gleichzeitig angenehm leise. Der Fluxkompensator – ähh der Motor – entfaltet seine Power im Eco- und Tour-Modus harmonisch, im Boost-Modus nochmal deutlich sprtziger, aber nicht ungestüm. Selbst steile Anstiege meistert das Bike ohne Anstrengung, gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten. Gibt man etwas mehr Input, zieht das TWINNER mit beeindruckendem Nachdruck davon. Die drei Unterstützungsstufen eigenen sich auch je nach Verkehrsituation: ein sanfter gut kontrollierbarer Start, um sich im Baustellen-Slalom nicht zu verlieren, ein harmonischer Tour-Modus, mit dem man gemütlich in der 30er-Zone cruisen kann, und pure Beschleunigung im Boost-Modus, wenn man mal kurz den Renault Twingo alt aussehen lassen will.
Trotz der gut 40 kg bleibt das Bike erstaunlich sicher manövrierbar, selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die Geometrie ist gelungen und verhindert, dass sich das hohe Gewicht sperrig oder träge anfühlt. Stattdessen vermittelt das TWINNER eine fast schon souveräne Ruhe – sehr angenehm im Stadtverkehr. Auch die Konnektivität über die App – also das Orten und Sperren des Bikes – funktioniert zuverlässig und macht den Alltag bequemer.
Stopp! Bremsen kann das TWINNER – durch das Zusammenspiel aus klassischer Scheibenbremse, ABS und Rekuperation. Das ABS arbeitet zuverlässig und verhindert auf rutschigem Untergrund das Blockieren der Räder, könnte auf steilen Abfahrten aber etwas früher und kräftiger eingreifen. Dann wird der effektive Bremsweg kürzer, was bei 45 km/h durchaus relevant ist. Die automatische Rekuperation ist grundsätzlich eine sehr sinnvolle Funktion, sowohl energetisch als auch für die Hand-Entlastung. Allerdings ist der Übergang zwischen Rekuperation und Reibbremse – das sogenannte Brake-Blending – nicht immer perfekt. Wenn man erst leicht bremst und die Reku anfängt zu arbeiten, dann aber plötzlich stark verzögern muss, braucht die Reibbremse viel Kraft, um einzusetzen. Dieser Effekt tritt nicht ständig auf, aber oft genug, um ihn kritisch zu erwähnen. Die manuelle Rekuperation ist bei langen Abfahrten sehr angenehm, weil sie gleichmäßig abbremst und die Hände schont. Die Intensität muss aber zur Steigung passen, sonst wird man zu langsam oder zu schnell. Während der Fahrt kann man zwischen drei Reku-Stufen wechseln. Nachteil: Will man wieder Motorleistung aktivieren, muss man drei Sekunden lang die +-Taste halten – eine unnötig umständliche Bedienung.
Wer Lust hat, kann bergab auch mit Reku fahren und zwischendurch selbst in die Pedale treten, um das TWINNER wieder auf Geschwindigkeit zu bringen und gleichzeitig den Akku stärker aufzuladen.
Was den Verbrauch angeht: Bei einer 17-km-Testfahrt mit 360 hm haben wir im Boost-Modus bei durchschnittlich 33,4 km/h und eingeschalteter Griffheizung 21 Prozent der Akku-Kapazität verbraucht – bei 9 °C Außentemperatur. Der spezifische Verbrauch liegt damit deutlich unter vergleichbaren Fullpower-E-Bikes mit 800-Wh-Akkus, was sich in einer hochgerechneten Reichweite von rund 80 Kilometern bei voller Unterstützung niederschlägt – bemerkenswert.
Für wen ist das TWINNER T1 Pro S-Pedelec?
Das TWINNER T1 Pro richtet sich primär an Schweizer*innen, denn der Hersteller vertreibt sein S-Pedelec derzeit ausschließlich in der Schweiz. Eine internationale Expansion ist laut Unternehmen möglicherweise für 2027 geplant – Stay tuned.
Die Zielgruppe sind Pendler und Technikliebhaber, die ihr Auto wirklich ersetzen wollen und das S-Pedelec überwiegend auf Asphalt bewegen. Für Enthusiasten, die Wert auf durchdachte technische Lösungen und moderne Antriebstechnik legen, bietet das TWINNER interessante Details abseits des Mainstreams.
Wichtig: Je nach gesetzlicher Regelung des jeweiligen Landes sollte man sich vorher genau informieren, wie die rechtliche Lage für S-Pedelecs aussieht. Lässt man diese Punkte außer Acht, ist das TWINNER ein spaßiger Pendelpartner.
Fazit zum TWINNER T1 Pro
Dr. Emmett Brown hat den Fluxkompensator und das Zeitreisen entwickelt und TWINNER mit dem Transflux-Motor das geräuschlose Gleiten über die Straße perfektioniert. Das futuristische S-Pedelec verändert den Blick auf die Mobilität der Zukunft – einfach zu pflegen dank Riemenantrieb und Pinion-Getriebe. Mit Features wie Griffheizung, ABS und Energierückgewinnung beim Bremsen ist das S-Pedelec nicht nur optisch schon in der Zukunft angekommen. Den fehlenden Komfort auf unebenen Straßen und Schotterwegen sollte man aber im Hinterkopf behalten. Wer in der Schweiz wohnt und keinen Bock mehr auf ein Auto hat, ist hier genau richtig.
Tops
- mächtige Motor-Power
- futuristisches Design
- Griffheizung
- Konnektivität
Flops
- kein Federungskomfort
- bisher nur in der Schweiz verfügbar
Mehr Infos unter TWINNER.ch
Words: Robin Ulbrich Photos: Lars Engmann
