Premium, Performance, Porto? – Das Porto-Lastenrad ist das Specialized-Bike der etwas anderen Art. Die US-Bikemarke ist bekannt für ihre sportlichen und prestigeträchtigen Mountainbikes sowie Rennräder. Mit dem Longtail-Lastenfahrrad bricht Specialized zu neuen Ufern auf. Wir hatten das Porto gegen 11 weitere Cargo-Bikes im Vergleich.

Specialized Porto | Specialized 2.2 Cargo/710 Wh
42,58 kg in Größe One Size | 6.690 € | Hersteller-Website

Das Ziel von Specialized war es, den neuen Everybody’s Darling der Lastenrad-Szene zu konstruieren. Dafür hat man die gesammelte langjährige Erfahrung aus der Entwicklung von sportlichen Bikes und den eigenen Turbo-E-Bikes in das Design des ersten eigenen Lastenfahrrads einfließen lassen. Herausgekommen ist das Porto: ein Longtail-Lastenrad mit einem variablen Transportkonzept und einem gut bestückten Zubehör-Katalog – speziell auf das eigene Lastenrad zugeschnitten. Als Everybody’s Darling soll es ein breites Spektrum an Einsatzgebieten abdecken, von alltäglichen Pendelfahrten über den Kindertransport bis hin zum Trekking-Ausflug.

Dafür rollt es auf gemischt großen Laufrädern, 24” vorne und 20” hinten, wird angetrieben vom Specialized eigenen Motorsystem mit Specialized 2.2-Cargo-Motor und Specialized U2-Batterie mit 710 Wh Akkukapazität. Der stilsichere und hochwertig verarbeitete Alurahmen verkraftet ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von 200 kg. Je nach verbautem Transportzubehör wiegt das Porto zwischen 39,9 und knapp 44 kg, damit bleibt im besten Fall ein Zuladungsgewicht von 160 kg übrig. Der Startpreis für das Porto liegt bei 6.500 €. In der von uns getesteten Ausstattung mit großer Transportplattform auf dem Heck verlangt der Bikeriese aus den USA 6.690 €, womit es etwas über dem Durchschnittspreis von 6.536 € in unserem Vergleichstest liegt. Ob sich die Investition für euch lohnt, verrät unser Test.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Cargo-Bike – Die 12 heißesten Bikes im großen Vergleichstest.

Everybody’s Darling – Warum ist das Specialized Turbo Porto-Lastenfahrrad so beliebt

Man wird nicht zu Everbody’s Darling, wenn man nicht mit jedem gut klarkommt. Demzufolge hat das Porto auch für alle Fahrer-Typen was zu bieten, besonders wenn es um Transportmöglichkeiten geht. Specialized verpasst dem Porto sechs Optionen, um das eigene Kleinod zu transportieren: einen Frontgepäckträger mit MIK-Interface und 20 kg Zuladung, Anschraubpunkte an der Starrgabel für Gabelgepäckträger, eine kleine Rahmentasche mit Reißverschluss hinter dem Sattelrohr sowie Anschraubpunkte für einen Fahrrad-Anhänger und den obligatorischen Flaschenhalter. Doch das Hauptaugenmerk liegt – wie bei allen Longtail-Lastenrädern – auf dem großen Heckgepäckträger. Er verfügt über drei MIK-HD-Profile zum werkzeuglosen Anstecken von Kindersitzen, Körben und, und, und.

Port(o)emonnaie: Die kleine Rahmentasche mit Reißverschluss passt zum Porto wie die Gucci-Bag nach St. Tropez.
Der Specialized 2.2-Motor liefert mit 90 Nm nominal das zweitgrößte Drehmoment im Lastenrad-Vergleichstest. Er schiebt das Porto über jede Steigung, ist dabei aber auch sehr natürlich im Anfahrverhalten.
Mit der großen Cargo-Base-Plattform auf dem Heck erinnert das Porto-Lastenrad an einen Flugzeugträger. Die maximale Zuladung der Plattform liegt bei 60 kg, leider zu wenig für einen Kampfjet.

Specialized bietet auch noch anschraubbares Zubehör, wie eine große Cargo-Plattform mit 73 cm Länge und 46 cm Breite (190 € inklusive Spanngurte), an – Platz genug für entweder zwei Sprudelkisten, eine große Party-Pizza oder sehr sperrige Gegenstände, die an Bord von den meisten Lastenrädern im Test keinen Platz gefunden hätten. Wer hingegen schnell zwischen dem Kindertransport und z. B. einer Eurobox mit 40 cm Breite und 60 cm Länge hin- und herwechseln will, greift zur Porto Safety Rail (220 €), eine aufschraubbare Sicherheitsschiene zwischen der sowohl Kinder als auch Körbe sicher und schnell auf dem Heck Platz finden. Für mehr Fahrkomfort der Kleinen gibt es optional noch Trittbretter und Sitzkissen. Angst davor, dass die Kinder mit frei baumelnden Füßen in die Speichen des Hinterrads geraten, braucht man keine zu haben, denn das Hinterrad wird sicher verdeckt von einer schicken Kunststoffverkleidung. Oder man deckt das Hinterrad einfach durch die Porto Side Bags, Gepäckträgertaschen mit 44 l Volumen und 25 kg Tragekapazität (130 € pro Tasche), ab. Egal wie man es macht, mehr als 60 kg dürfen nicht auf den Heckgepäckträger geladen oder angesteckt werden. In unserer Testkonfiguration mit Cargo-Base-Plattform wiegt das Porto 42,58 kg und erlaubt eine Zuladung von 157 kg, womit es eine vergleichbare Zuladung wie das Moustache Lundi und Riese & Müller Multitinker hat. Unter den Longtails erlaubt nur das Decathlon-Lastenrad nochmals mehr mit 170 kg Zuladung.

Um weitere Sicherheitsbedenken aller Art aus dem Weg zu räumen, verpasst Specialized dem Porto einen serienmäßigen Rückspiegel (den einzigen im Vergleichstest). Am Gepäckträger ist ein Radar für den sich nähernden Verkehr verbaut (wie auch am Cannondale Wonderwagen). Vor Dieben soll ein serienmäßiges ABUS-Ringschloss am Vorderrad und eine elektronische Wegfahrsperre schützen. Beide Schutzmechanismen sind eng verbunden mit dem Motorsystem, denn der Schlüssel für das Ringschloss entsperrt auch den Akku, und die elektronische Wegfahrsperre wird per Specialized Mission Control-App für das Motorsystem aktiviert.

Statt einer Kette setzt das Porto auf einen GATES-Carbon-Riemen samt stufenloser Enviolo-HD-Nabenschaltung. Diese Antriebskombo ist besonders wartungsarm, besitzt aber nur eine geringe Gang-Bandbreite.
Der massive MIK-Frontgepäckträger würde sicher auch Mick Jagger von den Rolling Stones samt Gitarre von Keith Richards transportieren können. Specialized hat die Gewichtsfreigabe jedoch auf 20 kg an der Front begrenzt.

Beim Motor greift das Team von Specialized zum bewährten 2.2-Motor aus der eigenen Entwicklung. Wie sich der Motor gegen 12 aktuelle Motoren von Bosch, Shimano und Co. schlägt, erfahrt ihr im Motorenvergleichstest unseres Schwestermagazins E-MOUNTAINBIKE. Er liefert 90 Nm Drehmoment, nominal ist er damit der zweitkräftigste Motor im Test. Wie er mit einem voll beladenen Porto fertig wird, verraten wir euch im Fahreindruck.

Der 710-Wh-Akku ist im Unterrohr integriert und wird nach unten entnommen. Das führt zu einer schöneren Silhouette und einer gelungenen Motorsystemintegration, jedoch ist die Entnahme des Akkus etwas umständlicher als bei den anderen Cargo-Bikes mit einfach aufgesetzten Akku-Packs. Der Ladeport zum internen Aufladen sitzt im Unterrohr direkt über dem Motor. Eine Dual-Akku-Option oder einen Range Extender gibt es für das Porto nicht.

Specialized Porto

6.690 €

Ausstattung

Motor Specialized 2.2 Cargo 90 Nm
Akku Specialized U2-710 710 Wh
Display MasterMind TCD
Fork Alu-Starrgabel mit Tubus Duo Side Rack Mounts
Sattelstütze Double-Extension-Stütze
Bremsen TEKTRO Dorado 203/203 mm
Schaltung Enviolo Heavy Duty 380 %
Lenker Specialized Alu 680 mm
Laufradsatz Specialized Alu 24"/20"
Reifen Pathfinder Sport Reflect 2,8"

Technische Daten

Größe One Size
Gewicht 42,58 kg
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 200 kg
Max. Zuladung (Fahrer) 157 kg
Anhänger-Freigabe ja
Ständeraufnahme ja

Besonderheiten

höhenverstellbarer Lenker
ABUS-Ringschloss
Lezyne-/Spanninga-Licht

Tuning-Tipp: Eine gefederte Sattelstütze für mehr Sitzkomfort

Das Specialized Turbo Porto-Lastenfahrrad im Test

Das Specialized Turbo Porto-Lastenfahrrad ist mit 206 cm Gesamtlänge zwar nicht das kürzeste Longtail im Vergleichstest (der Titel geht an das Riese & Müller Multitinker), es ist aber auch nicht außergewöhnlich lang. Außerdem lässt es sich hochkant abstellen, so passt es im Zweifel auch in ein Treppenhaus, statt Platz in einer schmalen Garage einzunehmen. Zur Sicherheit sollte man das Vorderrad mit einem Gurt zusätzlich verzurren, da es etwas labiler auf dem Heck steht als z. B. ein Moustache Lundi.

Das Specialized Turbo Porto-Lastenrad liegt stabil in der Kurve und lässt sich auch von viel Gepäck nicht so leicht aus der Ruhe bringen.
Mit dem Specialized Turbo Porto-Lastenrad wählt man lieber gut geteerte Abschnitte statt der grob gepflasterten Altstadt von Paris. Das starre Fahrwerk bietet nur wenig Dämpfung, worunter der Sitzkomfort leidet.

Zum Beladen kann das Porto sicher auf den Zweibeinständer aufgebockt werden. Das Auf- und Abbocken erfordert jedoch deutlich mehr Kraft als bei vielen anderen Lastenrädern im Vergleichstest. Das Aufsatteln ist ebenfalls einen Tick umständlicher als bei den ergonomischeren Mitgliedern seiner Zunft. Das abgesenkte Oberrohr (das zur stimmigen Linienführung des Rahmens beiträgt) erzeugt einen Durchstieg von 54 cm Höhe, daher muss man das Bein etwas stärker anheben als z. B. beim Riese & Müller Multitinker. Der Sattel lässt sich über zwei Schnellspanner werkzeuglos an die eigene Sitzhöhe anpassen und auch der Lenker ist in der Höhe per Schnellspanner verstellbar. Mit einem 5er Inbus lässt sich auch der winkelverstellbare Vorbau justieren, weshalb Fahrer von 1,55 m bis 1,95 m Körpergröße gut Platz finden – das one-size-fits-all-Größenkonzept geht auf. Der Sattel ist jedoch nicht per Lenkerfernbedienung absenkbar, weshalb kleine Fahrer bei einem Ampelstopp vom Sattel absteigen müssen, um die Füße an den Boden zu bekommen.

Chapeau, Porto: Das Specialized Turbo Porto-Lastenrad ist gespickt mit vielen cleveren Details, dabei wirkt es optisch wie aus einem Guss.

Bevor man in die Pedale tritt, lässt sich dank stufenloser Enviolo Heavy Duty-Nabenschaltung ein leichter Anfahrtsgang direkt im Stand einlegen. Die ersten Meter sind mit einem voll beladenen Porto-Lastenrad etwas kippelig, bis man die richtige Balance gefunden hat. Hat man die knapp 40 kg Lebendgewicht erstmal in Bewegung versetzt, rollt es jedoch sehr fahrstabil und spurtreu dahin. Durch das kleine Hinterrad, den niedrig angeordneten Heckgepäckträger und den tiefen Schwerpunkt bleibt das Porto von einer hohen Zuladung weitestgehend unbeeindruckt. Das erzeugt bei Lastenrad-Anfängern ein hohes Sicherheitsempfinden. Die 2,8” breiten Pathfinder-Reifen sorgen mit einem leichten Stollenprofil auf der Lauffläche nicht nur für guten Grip in der Stadt, sondern auch auf losem Schotter von Waldwegen. Zusammen mit der kraftvollen TEKTRO Dorado-Bremse kommt man schnell zum Stehen. Die breiten Reifen müssen auch als Federelemente herhalten, denn das Porto besitzt weder eine Federgabel noch eine gefederte Sattelstütze. Auf unbefestigten Waldwegen zum Grillplatz wird man samt Kind und Kegel von Bodenwellen – und in der Stadt von Bordsteinkanten und Schlaglöchern – ordentlich durchgeschüttelt. Den hohen Fahrkomfort eines vollgefederten Riese & Müller Packster2 kann das Porto nicht bieten.

Das Specialized Turbo Porto-Lastenfahrrad will Everybody’s Darling sein und lässt sich durch unterschiedliches Transportzubehör auf alle Cargo-Aufgaben zurechtschneiden.

Helm Dashel Ocaean Edition | Brille Oakley Sutro Lite Sweep | Jacke Canada Goose Freestyle Crew Vest | Shirt Balenciaga Back Hoodie | Hose Adidas Firebird | Schuhe Reebok Classic CLUB C 85 Leather | Uhr Rolex Oyster

Verläuft die Transportroute über Weinberge mit steilen Anstiegen, hat das Porto dank einer niedrigen Übersetzung und dem kraftvollen Motor keine Probleme damit, Steigungen zu bewältigen. Für die Talfahrt fehlt es jedoch an einem schweren Gang, weshalb man es ab 25 km/h meist nur noch rollen lässt, statt mitzustrampeln. Dabei sollten die Hände besser am Lenker bleiben, denn bei hohem Tempo und hoher Beladung kommt beim Porto-Lastenrad Lenkerflattern auf. Für den Rückweg zur späten Abendstunde ist das Porto mit einer Lichtanlage versehen, bei der Routenfindung kann es jedoch nicht mithelfen, denn es besitzt keinerlei Navigationsfunktionen. Immerhin hat man dank nach hinten gerichtetem Radar den anrollenden Verkehr frühzeitig im Blick, denn der Rückspiegel ist durch seine tief hängende Platzierung eher etwas gewöhnungsbedürftig. Zuhause angekommen, kann man sich das Reinigen und Schmieren der Kette nach dem Trip sparen, denn das Porto setzt auf einen wartungsarmen Riemenantrieb.

Für wen ist das Specialized Turbo Porto das richtige Lastenrad?

Das Specialized Turbo Porto-Lastenrad ist tatsächlich ein Alleskönner. Bei Alltagscommutern glänzt es mit Features wie Rückspiegel, Radar und Diebstahlschutz, Trekking-Biker freuen sich über die hohe Fahrstabilität und den kraftvollen Motor und für alle Transporter bietet Specialized das passende Gepäcktransport-Zubehör an – Everybody’s Darling eben. Besonders die Cargo-Base-Plattform auf dem Heck sorgt für alle Transporter mit sperrigem Gepäck für Freude. Wer auf der Suche nach einem Lastenrad mit variablem Akku-Konzept, hohem Fahrkomfort oder einer integrierten Navigationslösung ist, wird hier jedoch nicht glücklich.

Fazit zum Specialized Turbo Porto-Lastenfahrrad

Wären da nicht der etwas umständliche Fahrradständer, das unflexible Akku-Konzept oder der eingeschränkte Fahrkomfort, dann hätte das Specialized Turbo Porto das Zeug zu einer Spitzenplatzierung. Es macht durch seine hohe Fahrsicherheit, viele clevere Alltagsfeatures und ein durchdachtes Größen- sowie Transportkonzept sonst fast alles richtig, was man von einem vielseitigen Lastenrad erwarten kann. Das Design stimmt und die hochwertige Verarbeitung und Komponentenwahl rechtfertigen den etwas hohen Preis.

Tops

  • hohes Sicherheitsempfinden
  • durchdachtes Transportkonzept
  • serienmäßiger Diebstahlschutz
  • schicke Optik mit gelungener Motorsystemintegration

Flops

  • unergonomischer Zweibeinständer, der viel Kraft beim Aufbocken erfordert
  • wenig Fahrkomfort
  • unflexibles Akku-Konzept

Mehr Informationen findet ihr unter specialized.com


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Cargo-Bike – Die 12 heißesten Bikes im großen Vergleichstest

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Words: Rudolf Fischer Photos: Antonia Feder, Robin Schmitt