Ein Küchenbrett aus Eiche – Älter als drei Küchen und noch lange nicht fertig
von Jonny Grapentin
Heutzutage wirkt ein Eichenholzbrett fast wie ein Anachronismus. Ein massives Statement gegen die Kurzlebigkeit. Seit Jahren liegt es dort, ungerührt von Trends. Die Wohnungen, Küchen und Arbeitsplatten haben in dieser Zeit dreimal gewechselt. Das Eichenbrett hat jeden Wechsel klaglos mitgemacht. Vermutlich überlebt es uns.
Ein gutes Küchenbrett wirkt nur auf unaufmerksame Zeitgenossen passiv. Tatsächlich kommuniziert es. Mit seiner ruhigen Präsenz und der warmen Textur der Eiche sendet es eine ständige Aufforderung aus: „Mach was. Erschaffe etwas.” Wenn es ruft, meint es nicht nur den Apfel. Es meint den Moment des Innehaltens, das bewusste Zubereiten, das Handwerk des Alltags. Sogar der etwas in die Tage gekommene Kuchen findet auf seiner Oberfläche neue Würde. In kleine Quadrate zerteilt, wird er auf dem massiven Holz plötzlich wieder eine süße Delikatesse.
Dieses Brett ist kein Dekostück. Es ist schwer, kantig und hat Charakter. In einem Haushalt mit Kindern sind das unverzichtbare Attribute. Wo andere Oberflächen bei einem Rempler Macken bekämen oder klirrend zu Boden gingen, bleibt die Eiche gelassen. Sie fängt die Energie der Jugend ab, ohne mit der Wimper zu zucken. Dass es hochkant nur zur Hälfte in die Spüle passt, ist kein Makel, sondern Ausdruck seiner Stärken. Es fordert seinen Platz ein. Es gehört dorthin, wo das Leben passiert.
Doch das Schönste sind die Spuren. Ein neues Brett ist makellos, aber noch stumm. Nach 13 Jahren erzählt es Geschichten. Die sanften Rillen und Vertiefungen sind Zeugnis tausender Mahlzeiten, dutzender Feste, alltäglicher Frühstücke. Die Handschrift unserer Familie. Dafür braucht es kein Schleifpapier. Das Brett wartet schließlich nicht auf Anerkennung. Es wartet auf Arbeit.
Koshi – Ein Stückchen Magie im Alltag
von Felicia Nastal
Kann ein Gegenstand wirklich magisch sein? Jenseits von Sagen und Videospielen verbirgt sich in einem kleinen Bambuszylinder aus den Pyrenäen eine Kraft, die unseren Puls senkt und die Welt für einen Moment stillstehen lässt. Eine Hommage an das Koshi-Klangspiel und ein leises Plädoyer für die Magie im Unscheinbaren.
Der Wunsch nach magischen Dingen ist tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt. Im mittelalterlichen Nibelungenlied schützt der Tarnmantel Siegfried vor feindlichen Übergriffen und verleiht ihm die Kraft von zwölf Männern; magische Ringe locken die Held:innen in Märchen und Fantasyerzählungen wahlweise in den Untergang oder ins ewige Glück. Doch was, wenn ich sage, dass ich ein solches magisches Ding gefunden habe – und zwar in Wirklichkeit? Vor über einem Dutzend Jahren ist es mir in die Hände gefallen, als ich auf der Suche nach etwas war, das mir und dem neuen Leben, das wir gerade erwarteten, ein Anker der Ruhe sein sollte.
Es ist ein Klangspiel namens Koshi. Ein niedlicher Name einerseits, der Bilder von Mangafiguren, Tamagotchis und fernöstlicher Kultur weckt. Sein wahrer Ursprung aber liegt in den Pyrenäen. Dies wissend, hört man nun vielleicht das Rascheln und Flüstern mystischer Nebelwälder wie dem Selva de Irati mit seinen dicken Teppichen aus Farnen und Moos. Aus diesem urwüchsigen Geflecht – so stelle ich es mir zumindest vor – erheben sich die Klänge des wunderbaren Instruments und tragen sich fort in die Welt. Sie schweben über Babywiegen, füllen die schläfrige Stille sommerlicher Nachmittage und verfangen sich im Netz der Hängematte. Sie spenden Trost und sorgen für Momente des Glücks – so kitschig das auch klingt.
Das Koshi erzählt uns mit feinem Glasperlenspiel, dass alles in Ordnung gehen wird. Zart und doch von tiefer Wirkmacht sind die Töne, wie von Elfenhand gezaubert, auch wenn es nur der Wind ist, der das Glaspendel von Klangstab zu Klangstab bewegt. Fast hypnotisch entfaltet dieses unscheinbare Objekt aus feinem Bambusholz seine Wirkung: ein Aufhorchen, ein tiefes Fühlen – Puls und Atmung verlangsamen sich im Gleichklang mit den Tönen, und Ruhe kehrt ein im überreizten System. Es ist erstaunlich, wie viel Geborgenheit in so wenig Material stecken kann.
Das Koshi-Klangspiel hat einen festen Platz in meinem Leben gefunden, weil es mich daran erinnert, dass Magie keine Spezialeffekte braucht. Eines Tages wird es woanders hängen. Sein Zauber wird Generationen überdauern.
Fiskars Spaltaxt – Kein Erbstück, aber fast
von Manfred Schmitt
Es gibt Dinge, die nimmt man einfach gerne in die Hand. Okay, Eine Spaltaxt klingt erst mal nicht danach. Und trotzdem ist es bei mir so. Ich mache gerne Brennholz. Die Bewegung an der frischen Luft tut mir gut, stählt meine Muskeln, und das Ergebnis sorgt an langen Winterabenden für wohlige Wärme. Nach vielen Jahren mit geerbten Äxten habe ich mit der Spaltaxt des finnischen Herstellers Fiskars endlich das richtige Werkzeug für mich gefunden.
Der Unterschied zwischen einer klassischen Axt und einer Spaltaxt ist entscheidend: Während herkömmliche Äxte eher zum Fällen oder Entasten gedacht sind, besitzt die Spaltaxt eine breitere, keilförmige Klinge sowie einen längeren Schaft. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass das Holz nicht nur getroffen, sondern effektiv auseinandergetrieben wird. Ideal für das Spalten von Brennholz.
Für mich bedeutet Holzspalten mehr als nur Arbeit. Es ist ein Kreislauf: Alte Bäume aus der eigenen Obstbaumwiese oder dem Garten, die gefällt werden müssen, finden so eine neue Bestimmung. Aus scheinbar nutzlosen Stämmen entstehen ordentlich geschichtete Holzstapel. Sichtbar, greifbar, selbst erarbeitet. Diese Form von Produktivität hat etwas zutiefst Befriedigendes.
Und dann der Moment im Winter: Das eigene Holz knistert im Kaminofen, verbreitet Wärme und eine fast archaische Gemütlichkeit. Man weiß genau, woher es kommt und wie viel Arbeit darin steckt.
Wie in der Küche gilt auch hier: Das richtige Werkzeug macht den Unterschied. Während meine früheren Äxte klassisch aufgebaut waren, mit massivem Stahlkopf und Holzstiel, setzt Fiskars auf eine moderne Kombination aus Stahl und Kunststoff. Der Stiel ist fest mit dem Axtkopf verbunden. Seitdem ich mir die Spaltaxt vor über 10 Jahren angeschafft habe, gehören lockere oder gar gebrochene Axtstiele der Vergangenheit an.
Hinzu kommt das Handling: Die Spaltaxt liegt hervorragend in der Hand und ist deutlich leichter als vergleichbare konventionelle Modelle. Das ermöglicht längeres, ermüdungsfreies Arbeiten – ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn der Holzstapel wächst.
Am Ende bleibt für mich die Erkenntnis: Gute Werkzeuge sind mehr als nur Mittel zum Zweck. Sie verändern, wie wir arbeiten, erhöhen die Freude an der Arbeit und steigern das Ergebnis.
Words: Jonny Grapentin, Felicia Nastal, Manfred Schmitt Photos: TIm Eckermann, Manfred Schmitt
