
„Links die Felswand, rechts 100 Meter Abgrund. Dazwischen gerade genug Platz für unser Mercedes G-Modell.“ So lautete der Kommentar in einem YouTube-Video über die Ligurische Grenzkammstraße, das ich eines Abends meinen drei Freunden zeigte.
Vorausgegangen war eine ebenso einfache wie folgenschwere Frage: Was sollte man unbedingt noch unternehmen, bevor der Weg irgendwann ins Altersheim führt?
Mit 20 wäre die Antwort vermutlich gewesen: einfach losfahren. Heute sieht das anders aus. Man hat ein gutes Auto, vernünftiges Equipment, ein Dachzelt, einen Kompressor – und genug Erfahrung, um zu wissen, was alles schiefgehen kann. Also plant man. Recherchiert Strecken, prüft Ausrüstung, schreibt Excel-Listen.
Irgendwann allerdings muss die Liste enden – und das beginnen, was sich nicht planen lässt.
Jürgen, bevor du deine Lebensversicherung nicht erhöht hast, fährst du mir da nicht mit.
– spontane Reaktion von Lissi, seiner Ehefrau.
Jürgen, stolzer Besitzer eines hochglanzpolierten VW Amarok, war trotzdem sofort Feuer und Flamme. Vielleicht spielte auch die alltägliche Unterforderung seines allradgetriebenen Pick-ups mit grobstolligen Geländereifen eine Rolle. Endlich bot sich die Gelegenheit, den Amarok einmal artgerecht zu bewegen.
Vier Wochen später saßen wir zusammen, erstellten tatsächlich eine Ausrüstungsliste in Excel und suchten aus 79 offiziellen Offroad-Strecken unsere Favoriten heraus. Nur der Termin fehlte noch.
Da Rentner bekanntlich nie Zeit haben, dauerte es etwas länger, bis wir einen fanden. Aus familiären Gründen musste Martin schließlich absagen. Da waren’s nur noch drei. Im Nachhinein vielleicht gar nicht schlecht – zu viert wäre es im Amarok ohnehin mehr als kuschelig geworden.
Inhaltsverzeichnis
- Raus aus der Komfortzone – Zwischen Packliste und Platzmangel
- Anreise – Willkommen in der Realität
- Leicht? Kommt drauf an, womit man fährt
- „Leicht“ ist wirklich relativ
- Willkommen im Club
- Die große Freiheit?
- Drei Männer, drei Favoriten
- Fast 3.000 Meter – und eine ziemlich schlechte Idee
- 7 Erkenntnisse unserer Tour
- Fazit
- Was sich bewährt hat
- Unsere Lieblings-Offroad-Strecken (Top 5)
Raus aus der Komfortzone – Zwischen Packliste und Platzmangel
Organisierte Tour oder auf eigene Faust? Vier-Sterne-Hotel oder Dachzelt? Für uns war schnell klar: Wenn schon raus aus der Komfortzone, dann richtig. Also entschieden wir uns für Dachzelt, Zelt und möglichst viele Nächte irgendwo draußen.

Unsere Camping-Erfahrung war überschaubar. Sehr überschaubar. Genau genommen beschränkte sie sich auf unsere One-Night-Bikepacking Tour mit E-SUVs sowie bei mir auf zwei Übernachtungen im Dachzelt.
Dafür war unsere Packliste beeindruckend: Reifenreparatur-Set, Werkzeug, Bergeseil, Kompressor, Campingausrüstung, Essen, Wasser, Kleidung – zunächst stand darauf alles, was wir eventuell brauchen könnten. Und noch einiges mehr.

Irgendwann wurde klar: Wenn wir wirklich alles mitnehmen, brauchen wir neben dem Amarok noch ein Begleitfahrzeug fürs Gepäck. Also strichen wir wieder.
Jürgen kümmerte sich derweil um die wirklich wichtigen Dinge.
Ich muss jetzt noch mein Auto aussaugen, dann können wir morgen fahren.



Natürlich gehörte auch der richtige Reifendruck zur Vorbereitung. Für mehr Grip auf Schotter den Luftdruck reduzieren, danach für die Asphaltetappen wieder erhöhen – für Jürgen als Auto-Freak selbstverständlich. Ebenfalls selbstverständlich: der dazugehörige Vortrag über Aufstandsfläche, Traktion, Dämpfung und Walkverhalten. Mehrfach täglich, versteht sich.
Mein Sohn Robin betrachtete meine Vorbereitungen etwas kritischer:
Hör auf, dich vorzubereiten, und schau dir keine weiteren Videos über die Gebirgsstraßen an.
KEY FACTS – OFFROAD-STRECKEN IN DEN WESTALPEN
Eines der letzten großen 4×4-Reviere Europas:
Entlang der französisch-italienischen Grenze führen historische Militärstraßen aus dem 19. und 20. Jahrhundert durch eine spektakuläre hochalpine Landschaft. Zu den bekanntesten Klassikern zählen die Assietta-Kammstraße, die Ligurische Grenzkammstraße (LGKS), der Col du Parpaillon und der Monte Jafferau.
79 offizielle Offroad-Strecken:
Das Streckennetz umfasst zahlreiche ehemalige Militärpisten und Schotterwege – viele davon auf über 2.000 Metern Höhe und mit spektakulären Ausblicken.
Unsere Tour:
11 Routen in 7 Tagen | 346 Kilometer auf Schotter und unbefestigten Wegen | Streckenlängen zwischen 17 und mehr als 40 Kilometern | Schwierigkeitsgrade: leicht, mittel und schwer
Die Herausforderung:
Je nach Route erfordern ausgesetzte Passagen fahrtechnisches Geschick, Konzentration und ein geländetaugliches 4×4-Fahrzeug mit ausreichender Bodenfreiheit. Bei entsprechender Witterung und Ausrüstung sind viele Pisten in den Sommermonaten befahrbar.
Anreise – Willkommen in der Realität
Eigentlich waren wir bestens vorbereitet (sorry, Robin). Das Dachzelt war montiert, die Ausrüstung verstaut und Beaufort als Startpunkt festgelegt. Sogar die Abfahrtszeit stand fest: sechs Uhr morgens. Dann meldete Jürgen am Vorabend einen kleinen Änderungswunsch an:
„Zuerst gemütlich frühstücken, dann bin ich bereit für den Tag.“
So viel zum Thema minutiöse Planung. Spätestens in der Schweiz löste sich unser Zeitplan zwischen den Autobahnstaus endgültig in Luft auf. Der für den Nachmittag geplante erste Offroad-Ausflug war damit erledigt.
Noch keinen Meter Schotter gefahren – und schon mussten wir improvisieren.
Immerhin waren wir überzeugt, beim Übernachten flexibel zu sein. Mit Dachzelt und Campingausrüstung findet sich schließlich überall ein schönes Plätzchen. Dachten wir. Rund um Chamonix stand Wohnmobil an Wohnmobil am Straßenrand. Was auf der Karte großzügig aussah, entpuppte sich vor Ort als Steilhang. Wild campen? Keine Chance. Am Ende landeten wir ausgerechnet dort, wo wir eigentlich nicht hinwollten: auf einem Campingplatz.
Und selbst der war voll. Wir blieben hartnäckig, lächelten freundlich – und ergatterten doch noch einen Platz. Jürgen klappte das Dachzelt auf, Manfred baute sein Bikepacking-Zelt auf und ich kümmerte mich ums Abendessen: Spaghetti mit Tomatensoße. Dazu Weißwein, der deutlich wärmer war, als es ihm gutgetan hätte.
Aber daran gewöhnt man sich.
Leicht? Kommt drauf an, womit man fährt
Am nächsten Morgen stärkten wir uns in Beaufort mit Kaffee, Baguette und dem Rohmilchkäse, der stolz den Namen des Orts trägt. Unter solchen kleinen Genüssen gelingt vieles easy und so suchten wir den Einstieg in unsere erste Strecke: La Planay, 17 Kilometer, Schwierigkeitsgrad „leicht“.
Klang vernünftig.
Die erste Erkenntnis kam trotzdem ziemlich schnell: „Leicht“ ist relativ. Vor allem dann, wenn man mit einem VW Amarok auf Wegen unterwegs ist, die offenbar aus einer Zeit stammen, in der Autos deutlich schmaler waren. Wo früher vermutlich zwei Fiat 500 aneinander vorbeigepasst hätten, füllten wir die Piste stellenweise ziemlich vollständig aus.
Dafür machte die Landschaft sofort klar, warum man überhaupt hierherkommt. Weite Panoramen, Berge, Schotter – und plötzlich war die ganze Vorbereitung ziemlich weit weg. So weit sogar, dass wir die Abzweigung zu unserer nächsten geplanten Route, dem Cormet d’Arêches, schlicht verpassten.
Normalerweise ärgerlich. Für unsere Geschichte eigentlich perfekt.
Also ging es statt über den Cormet d’Arêches über den Col de l’Iseran Richtung Susa. Der erste Plan war dahin. Die Reise konnte beginnen.

„Leicht“ ist wirklich relativ
In den folgenden Tagen arbeiteten wir uns immer weiter ins Offroad-Revier rund um Susa und Bardonecchia vor. Dabei stellten wir fest, dass die offiziellen Schwierigkeitsangaben durchaus Interpretationsspielraum lassen.
Bei einer als „leicht“ eingestuften Abfahrt über eine steile, stark ausgewaschene Piste waren wir uns beispielsweise ziemlich sicher, falsch abgebogen zu sein. Landkarte, Navi und GPX-Daten behaupteten das Gegenteil. Also weiter. Mit jeder Strecke wuchs das Vertrauen in den Amarok – und in Jürgens Fahrkünste. Gleichzeitig lernten wir, dass „Passt schon“ auf einer schmalen Gebirgspiste eine etwas andere Bedeutung hat als auf einem Supermarktparkplatz.

Willkommen im Club
Je länger wir unterwegs waren, desto klarer wurde: Ein staubiger 4×4 mit Dachzelt ist die Eintrittskarte in einen ziemlich informellen Club. Man grüßt sich, tauscht Streckentipps und Übernachtungsplätze aus und trifft dieselben Leute ein paar Tage später irgendwo wieder.
So lernten wir etwa Rien aus den Niederlanden kennen, dessen Range Rover Classic aus dem Jahr 1992 längst nicht mehr ganz original war. Den ursprünglichen V8 hatte er gegen einen selbst eingebauten 2,8-Liter-Diesel getauscht.
Oder Pierre, der seinen Dacia Duster für Reisen durch die Westalpen, Korsika und den Peloponnes zum ernsthaften Offroader umgebaut hatte – und ihn nach der Saison wieder zum normalen Pendlerauto zurückrüsten wollte.
Manche der besten Informationen über die nächste Strecke kamen nicht aus unseren Karten oder Apps, sondern von jemandem, der uns gerade aus der Gegenrichtung entgegenkam.
Staub verbindet.




Die große Freiheit?
Ein Hotel war für uns nur Plan C. Eigentlich wollten wir draußen schlafen – irgendwo zwischen Bergen, auf Schotter und unter Sternenhimmel. Wenn die Sehnsucht nach einer Dusche irgendwann größer wurde als die nach Abenteuer, durfte es ausnahmsweise auch ein Campingplatz sein.
Ganz so romantisch war das allerdings nicht. Wildcampen ist in Frankreich und Italien vielerorts eingeschränkt oder verboten, und der perfekte Platz war erstaunlich häufig entweder schräg, besetzt oder schlicht nicht erlaubt.
Hygiene wurde deshalb irgendwann ebenfalls zur Frage der persönlichen Interpretation.
Ich nahm ein Vollbad im eiskalten Gebirgsbach, Manfred perfektionierte die Katzenwäsche und Jürgen entschied sich eines Morgens für eine dritte Variante: liegen bleiben. „An meine Haut lass ich nur Wasser und CD.“ An diesem Morgen verzichtete er auf beides.







Drei Männer, drei Favoriten
Später, auf der Rückfahrt von der ligurischen Küste in die schwäbische Heimat stellte sich natürlich die Frage: Welche Strecke warist eigentlich die beste?
Jürgen musste nicht lange überlegen:
„Fahrtechnisch und landschaftlich war die Ligurische Grenzkammstraße für mich die interessanteste. Rechts der Fels, links der Abgrund – und dazwischen oft nur wenig Platz. Mein Blick hing fast ständig am rechten Vorderrad. Im Kopf immer dieselbe Frage: Ist der Reifen noch auf der Piste?“
Manfred setzte vor allem auf Panorama:
„Für mich waren die Ligurische Grenzkammstraße und der Col de Sommeiller die schönsten Strecken.“
Und ich würde noch den Monte Jafferau ergänzen – allein schon wegen der fast 900 Meter langen, stockdunklen und ziemlich gespenstischen Galleria dei Saraceni.
Drei Männer, drei Favoriten. So eindeutig war die Sache also nicht.

Fast 3.000 Meter – und eine ziemlich schlechte Idee
Der Col de Sommeiller stand weit oben auf meiner Wunschliste. Und wenn wir schon bis auf fast 3.000 Meter hinauffahren würden, warum dann nicht gleich dort oben im Dachzelt übernachten? Ich fand die Idee großartig. Jürgen und Manfred reagierten eher verhalten.
Schon die Auffahrt machte klar, dass wir uns langsam aus der Komfortzone bewegten. Je höher wir kamen, desto schroffer wurde die Landschaft. Grober Schotter, enge Kehren, kahle Felsen – irgendwann bezeichnete Manfred die Szenerie nur noch als Mondlandschaft.

Oben blies uns ein unablässiger heftiger Wind entgegen. Wir mussten nicht lange diskutieren. Mein Plan für eine Nacht auf knapp 3.000 Metern erledigte sich praktisch von selbst. Abenteuer ja. Aber man muss schließlich nicht jede schlechte Idee bis zum Ende durchziehen.

7 Erkenntnisse unserer Tour
- Planung vs. Realität Ein guter Plan ist wichtig. Noch wichtiger ist die Bereitschaft, ihn spontan über den Haufen zu werfen.
- Wildcampen ist gar nicht so einfach Vor allem dann nicht, wenn jeder schöne Platz entweder schräg, verboten oder bereits von fünf Wohnmobilen besetzt ist.
- Warmer Weißwein ist eigentlich ganz lecker Zumindest dann, wenn die Alternative darin besteht, gar keinen zu trinken.
- Ein Pick-up ist größer, als man denkt Besonders auf Wegen, die offenbar für Fahrzeuge aus einer anderen Epoche gebaut wurden.
- Ein Dachzelt macht noch keinen Camper Aber es hilft ungemein, überzeugend so auszusehen.
- Offroader grüßen sich Ein staubiges Auto mit Dachzelt ersetzt offenbar jede Clubmitgliedschaft.
- Rentner haben nie Zeit Aber für eine Woche Westalpen findet sich am Ende doch noch irgendwo eine Lücke.


Fazit
Vielleicht sind wir heute nicht mehr ganz so spontan wie mit 20. Dafür planen wir mehr, nehmen besseres Equipment mit und wissen ziemlich genau, was alles schiefgehen könnte. Geholfen hat uns das nur bedingt. Wir haben uns verfahren, improvisiert, im Dachzelt gefroren und warmen Weißwein getrunken. Und genau deshalb war es vermutlich ein Abenteuer.
Der VW Amarok war am Ende jedenfalls nicht mehr hochglanzpoliert.
Was sich bewährt hat
Weniger ist mehr – aber das Richtige muss mit
Ein Reifenreparatur-Set, Bergungs- oder Abschleppseil, Kompressor und das wichtigste Werkzeug für kleinere Reparaturen gehören bei einer Offroad-Tour ebenso ins Gepäck wie die übliche Campingausstattung. Bei der persönlichen Ausrüstung haben sich feste Schuhe, Regenjacke und – auch im Hochsommer – warme Kleidung nach dem Zwiebelprinzip bewährt. Besonders praktisch waren außerdem ein 20-Liter-Wasserkanister zum Kochen, Zähneputzen und Spülen, ein 10-Liter-Eimer für schmutziges Geschirr, Wasser oder andere Transporte, ausreichend Essen und Getränke für ein bis zwei Tage sowie Müllbeutel.
Optional, aber äußerst angenehm: eine 12-Volt-Kühlbox für kalte Getränke.
Was wir beim nächsten Mal anders machen würden: deutlich weniger Kleidung einpacken – wir hatten alle drei zu viel dabei. Ich hatte außerdem zwei Bücher eingepackt und bis zum Ende der Reise nicht eine Zeile gelesen. Und noch ein Tipp aus der Kategorie „Improvisation ist King“: Toilettenpapier ist vielseitiger als Papiertaschentücher.





Unsere
Lieblings-Offroad-Strecken (Top 5)
Top 5 und 4: Colle delle Finestre und Colle dell´Assietta
Von Susa aus fuhren wir zunächst über den Colle delle Finestre (Top 5). Die Strecke geht in den Colle dell´Assietta (Top 4) über und führt weiter zur Piste Rifugio Cia Pais (Tour 20, 9 km, Höhe 2.400 m).
Unsere Top 5 Offroad-Strecken in den Westalpen
- Colle delle Finestre – Top 5
Tour 16 / 38 km / max. Höhe 2.176 m / Schwierigkeitsgrad: leicht
Viele tolle Serpentinen und Panoramablicke - Colle dell´Assietta – Top 4
Tour 19 / 33 km / max. Höhe 2.535 m / Schwierigkeitsgrad: leicht
Kammstraße mit großartigen Ausblicken - Monte Jafferau – Top 3
Tour 21 / 17 km / max. Höhe 2.800 m / Schwierigkeitsgrad mittel / Maut
Tunnel, Forts und breites Panorama - Col de Sommeiller – Top 2
Tour 23 / 25 km / max. Höhe 3.000 m / Schwierigkeitsgrad: schwer, Maut Gletscherpanorama, Bergsee - Ligurische Grenzkammstraße (LGKS) – Via del Sale – Top 1
Tour 61 / Gesamtstrecke 63 km / max. Höhe 2.233 m / Schwierigkeitsgrad; schwer / Maut
Großes Panorama und echtes Offroad-Feeling
Top 3: Monte Jafferau
Der Monte Jafferau zählt zu den spektakulärsten Hochgebirgsstrecken der Westalpen. Über ehemalige Militärstraßen führt die Tour bis auf 2.800 Meter Höhe und vorbei an mehreren historischen Forts. Enge Schotterpisten, steile Anstiege und tolle Ausblicke auf die umliegenden Alpengipfel machen die Tour zum echten Offroad-Erlebnis.
Top 2: Col de Sommeiller
Mit rund 3.000 Metern ist der Col de Sommeiller der höchste legal mit einem Kraftfahrzeug erreichbare Punkt Europas. Die Strecke startet in Bardonecchia und führt über oft steile Anstiege, groben Schotter und teils engen Kehren, bei denen man das Fahrzeug auch mal zurücksetzen muss, bis kurz unter den Gipfel. Je höher wir kamen, desto schroffer wurde das Terrain.
Die Passstraße zum Col de Sommeiller wurde 1962/63 gebaut, um das damalige Sommerskigebiet am Gletscher touristisch zu erschließen. Mit dem Rückgang des Gletschers und der Zerstörung des Hotels durch eine schwere Lawine war das Projekt jedoch Geschichte. Aus der einst asphaltierten Straße wurde nach und nach eine Naturpiste – und schließlich ein echtes Eldorado für Offroader.
Top 1: Ligurische Grenzkammstraße (auch Via del Sale)
Wecker stellen im Urlaub? Zum Glück kam keiner meiner Freunde auf die Idee, mich dafür verantwortlich zu machen. Für die Online-Buchung war ich als Streckenplaner und Hauptnavigator zu spät dran. Also hieß es: früh aufstehen, um möglichst um acht Uhr als Erster an der Mautstelle zu sein. Die Ligurische Grenzkammstraße ist auf maximal 80 Geländewagen pro Tag begrenzt und nur eine kleine Restmenge an Tickets ist an der Mautstelle erhältlich. Als wir den Schlagbaum passiert hatten, fiel mir ein Stein vom Herzen. Jetzt musste nur noch der Nebel abziehen!
Und plötzlich lag sie vor uns: diese schmale Piste am Grenzkamm, wegen der die ganze Geschichte überhaupt begonnen hatte. Eng, ausgesetzt, wenig Ausweichmöglichkeiten – und immer wieder scharfkantige Steine direkt neben den Reifen. Volle Konzentration.
Für uns war es trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – die schönste Strecke der gesamten Tour.

Words & Photos: Manne Schmitt


























































