
Zwei Jahre ist es her, dass wir das Erstlingswerk des Berliner Teams von LEMMO im Test unter die Lupe genommen haben. Das Hybrid-Bike mit dem bezeichnenden Namen ONE hat uns damals ziemlich überrascht – im positivsten Sinne: Das innovative Konzept, der hohe Fahrspaß, die smarten Features und nicht zuletzt die faire Preisgestaltung haben uns auf Anhieb überzeugt.
Und was folgt nach der Eins? Logisch: das TWO. Tja, falsch gedacht! Der zweite Wurf der Berliner – von einem Start-up sprechen wir nach zwei erfolgreichen Jahren im Business eigentlich kaum noch – hört auf den Namen ZERO. Nullinger? Zero Power? Heißt das jetzt etwa: noch weniger Bike für noch weniger Geld?
Unser Test-Bike rollt mitsamt dem SmartPac Air zu einem Preis von 2.490 € in die Redaktion. Wer auf den extra Schub verzichten möchte oder erst einmal rein analog durch die Straßen cruisen will, spart 500 € und steigt für 1.990 € ein. Das Schöne daran: Das smarte „E-Bike-Gehirn“ lässt sich auch später jederzeit nachrüsten.
Wenn man auf die Abmessungen und die Waage blickt, trifft der Name den Nagel auf den Kopf. Als analoges Carbon-Klapprad bringt das LEMMO ZERO schlanke 12,42 kg auf die Waage. Dennoch fast 1,5 kg mehr als vom Hersteller angegeben. Wer die volle Dosis Rückenwind will, clipst das Smartpac Air dran, das nochmal rund 2,3 kg beisteuert. Zur Erinnerung: Schon beim ONE hat LEMMO mit dem trennbaren Hybrid-Ansatz voll ins Schwarze getroffen – jetzt schrumpft die E-Bike-Technologie auf Handgepäckmaß.
Beim LEMMO ZERO ist nämlich alles mindestens eine Nummer kompakter als beim großen Bruder. Im miniaturisierten Smartpac Air steckt ein Akku mit 159 Wh Kapazität. Der liefert nicht nur Energie für die City-Runde, sondern versorgt via USB mit bis zu 75 W Output auch Notebook, Tablet & Co. mit frischer Power – die wahrscheinlich stylishste und bestimmt auch schwerste – Powerbank für die Kaffeepause im Co-Working-Space. Egal ob voll digitalisiert oder analog: Das LEMMO ZERO bringt in jeder Variante die hauseigene Dual-Mode-Nabe mit. Mit nur einem Handgriff wechselt man in Sekundenschnelle zwischen dem widerstandsfreien Freilauf einer normalen Nabe und dem E-Naben-Motor mit 30 Nm Drehmoment und 200 W Maximalleistung.
Beim Thema Passform setzt LEMMO auf maximale Plug-and-Play-Mentalität: Das ZERO kommt als One-Size-Fits-All-Konzept und soll Rider:innen von 150 bis 195 cm Körpergröße gleichermaßen komfortabel durch die City begleiten – ideal also auch zum Teilen mit Partner:in oder WG-Kumpels.
Genug der grauen Theorie! Jetzt heißt es: Aufklappen, Smartpac Air einrasten lassen und ab dafür. Die City wartet schon auf uns!
Schrumpfkur mit Köpfchen: Das LEMMO ZERO im Detail
Gute Freunde kann niemand trennen, nur falten. Das LEMMO ZERO will ein bisschen sein wie der beste Freund des Menschen: loyal, unkompliziert und immer am Start, egal, wohin die Reise führt. Damit das klappt, hat der Berliner Hersteller sein erstes Klapprad radikal auf Diät gesetzt – geringes Gewicht und ultrakompakte Abmessungen inklusive.
Die nackten Zahlen klingen bereits nach Ansage: 12,42 kg bringt das Carbon-Faltrad wie gesagt ohne E-Bike-Package auf die Waage. Noch beeindruckender als das Gewicht sind allerdings die Packmaße im zusammengefalteten Zustand. Mit gerade mal 590 x 515 x 250 mm passt das ZERO sogar in einen handelsüblichen 100-Liter-Reisekoffer. Das bedeutet: Urlaubstrip oder Business-Flug? Das Rad wandert einfach als normales Gepäckstück in den Flieger! Das Smartpac Air reist dabei im Handgepäck mit.
LEMMO ZERO
2.490 €
Ausstattung
Motor Nabenmotor 30 Nm
Akku Smartpac Air 159 Wh
Bremsen Mech. Scheibenbremse 140/120 mm
Schaltung Kettenschaltung 1x5
Laufradsatz Aluminium 16"
Reifen 1,35"
Technische Daten
Größe One Size
Gewicht 12,42 kg
Max. Zuladung (Fahrer) 100-110 kg
Anhänger-Freigabe Nein
Besonderheiten
Smartpac Air
Das Smartpac Air fungiert als elektronisches Herzstück an der Lenkstange und verwandelt den analogen Bike-Flitzer per Klick in ein vollwertiges Urban-E-Bike. Doch das Mini E-Paket kann noch mehr: Neben Saft für den Nabenmotor bringt es Over-the-Air-Updates, GPS-Tracking und smarte Connectivity-Features mit.
Das LEMMO ZERO rollt auf klapprad-typischen 16-Zoll-Laufrädern mit 1,35″ breiten Urban-Reifen. Das Schöne an dem Standardmaß: Wer später auf andere Schlappen wechseln möchte, findet am Markt reichlich Auswahl. Für Vortrieb sorgt eine kompakte 5-Gang-Kettenschaltung (49-Zähne-Kettenblatt auf 11–19T-Kassette) – das reicht ergonomisch für alles zwischen gemütlichem 7-km/h-Schlendern und flottem 30-km/h-Sprint durch die Schluchten der Großstadt.
Wenn’s mal brenzlig wird, verzögern mechanische Scheibenbremsen mit 140-mm-Scheibe vorn und 120-mm-Rotor hinten. Ein echtes Schmankerl verbirgt sich unauffällig im Rahmen: Ein ins Innenlager integrierter Power-Sensor misst eure Eigenleistung und schickt die Fahrdaten via Bluetooth aufs Smartphone, das dank der mitgelieferten Universalhalterung am Lenker im Handumdrehen zum smarten Cockpit-Display wird.

Zwei Farben, kaum Optionen – Die Ausstattung des LEMMO ZERO
Wer sich für das Carbon-Klapprad der Berliner begeistert, muss vor der Bestellung keine langen Abende im Online-Konfigurator verbringen. Die Auswahl ist erfrischend unkompliziert: Ihr entscheidet euch schlichtweg zwischen der rein analogen Basisversion und der E-Variante inklusive des smarten Smartpac Air. Wer erst einmal ohne Motor starten will, hält sich alle Optionen offen – denn das ZERO ist ab Werk immer komplett für den E-Betrieb vorbereitet. Das Smartpac Air könnt ihr auch später jederzeit für 500 € nachordern.

Pendler:innen, die bei schmuddeligem Aprilwetter oder Regenschauern trocken im Office ankommen wollen, legen im Warenkorb noch das passende Set Carbon-Schutzbleche für 99 € dazu. Fehlt nur noch der Look: Hier habt ihr die Wahl zwischen dem edlen Silver unseres Test-Bikes und dem etwas dunkleren Space Gray. Das war’s auch schon mit der Qual der Wahl – so viel Transparenz wünscht man sich glatt beim nächsten Smartphone-Kauf!
Das LEMMO ZERO im Test – Klappt nicht auf Anhieb!
Bevor das LEMMO ZERO auf Westentaschenformat schrumpft, klinkt man zuerst das Smartpac Air aus der Halterung. Ein kurzer Handgriff, mehr braucht es dafür nicht. Wichtig für die Transportlogistik im Alltag: Der Stromgeber kann beim Zusammenfalten nicht am Rahmen bleiben und muss separat transportiert werden – am besten direkt im Rucksack.
Beim eigentlichen Faltvorgang erwies sich das Bike trotz nummerierter Orientierungs-Sticker an den entscheidenden Stellen als wenig intuitiv. Ohne ein mehrmaliges, genaues Studium der Anleitung ging beim ersten Anlauf erst einmal wenig. Wer sich mit Klapprädern auskennt, kommt sicherlich etwas schneller dahinter, doch Neulinge brauchen hier definitiv eine kurze Eingewöhnungsphase. Haben sich die Griffe erst einmal ins Muskelgedächtnis eingebrannt, geht die Prozedur aber flüssig von der Hand.


Ist das Bike schließlich kompakt komprimiert, lässt es sich dank des geringen Eigengewichts komfortabel am Sattel tragen und meistert auch das Verstauen im Kofferraum mit Bravour. Alternativ zieht man die Sattelstütze leicht heraus und schiebt das Paket auf den kleinen Zusatzrollen am Hinterbau entspannt vor sich her. Im Test zeigte sich hier allerdings eine Schwachstelle: Die Gummibezüge lösten sich mehrmals versehentlich von den Plastikrollen – hier darf LEMMO bei den Fertigungstoleranzen gerne noch nachbessern. Auch beim Thema Beleuchtung konnte uns das ZERO nicht vollends überzeugen. Zwar reichen die beiden Lichter, die zudem optisch schön integriert sind, für den nächtlichen Ride durch die City völlig aus. Allerdings sind beide Lampen als Akku-Leuchten ausgeführt, die nicht vom Smartpac Air mit Energie versorgt werden. Schade – so muss man auch bei den Lichtern stets den Akku-Stand checken, um am Ende nicht im Dunkeln zu stehen. Die Berliner hätten hier vielleicht auch über einen Dynamo nachdenken können, dann wäre man selbst im analogen Betrieb unabhängig von der Steckdose.



Einmal aufgeklappt und das Smartpac Air wieder eingesteckt, geht es ab in den Großstadt-Dschungel. Dank der praktischen Höhenmarkierungen an der verstellbaren Sattelstütze lässt sich die passende Sitzposition blitzschnell wiederfinden. Der kompakte Nabenmotor im Vorderrad verrichtet seine Arbeit unaufgeregt und solide. Brachialen Schub darf man von dem kleinen Kraftpaket naturgemäß nicht erwarten, doch kleinere Anstiege lassen sich damit spürbar entspannter meistern.

Bei der Hardware muss man allerdings kleine Abstriche im Bedienkomfort machen. Die Kettenschaltung wirkte im Test etwas hakelig und recht schwergängig in der Handhabung – hier wünscht man sich eine geschmeidigere Haptik beim Gangwechsel. Auch die mechanischen Scheibenbremsen verlangen nach einer zupackenden Hand und spürbar mehr Handkraft als hydraulische Systeme. Sie haben uns dennoch immer sicher zum Stehen gebracht.


Dafür entschädigt das LEMMO ZERO beim Fahrgefühl: Es rollt erstaunlich stabil über den Asphalt, selbst wenn man mal etwas mehr Fahrt aufnimmt. Durch die kleinen 16-Zoll-Räder agiert das Faltrad prinzipbedingt zwar sehr wendig und reagiert zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig und leicht kippelig auf Lenkimpulse, das Fahrverhalten fällt aber deutlich berechenbarer und weniger nervös aus als bei vielen anderen Klapprädern auf dem Markt.
Für wen ist das LEMMO ZERO das richtige Bike?
Das LEMMO ZERO ist in erster Linie der perfekte Partner-in-Crime für alle, die urbane Mobilität neu denken und flexibel kombinieren wollen. Es bedient als typisches „Last-Mile-Vehicle“ genau jene Pendler:innen, die je nach Wetter und Verkehrslage vom eigenen Auto in den ÖPNV umsteigen – oder das Bike unkompliziert in den Kofferraum werfen. Sogar im Flieger reist der kompakte Carbon-Flitzer klaglos im Reisekoffer mit und sorgt am Zielort für eine Extraportion Aktionsradius.
Wer regelmäßig epische Tagesausflüge plant oder bergige Langstrecken frisst, wird aufgrund der Akku-Kapazität und der überschaubaren Gang-Bandbreite wohl eher zu einem ausgewachsenen E-Bike greifen. Für den täglichen Großstadt-Dschungel und spontane Trips liefert LEMMO mit dem ZERO jedoch ein erfrischend durchdachtes, pfiffiges Gesamtpaket ab, das smarte E-Mobilität konsequent zu Ende denkt.
Fazit zum LEMMO ZERO Carbon-Faltrad
Die Berliner von LEMMO beweisen mit dem ZERO, wie konsequente Micro-Mobility im Alltag aussieht. Wie schon das ONE begeistert auch der Klapp-Ableger mit cleveren Details und hoher Alltagsnähe. Kleine Kinderkrankheiten wie der gewöhnungsbedürftige Faltmechanismus oder die losen Gummis an den Schieberollen kosten zwar Punkte, trüben das Gesamtbild aber kaum. Für flexible Pendlerinnen und Weltenbummler ist das LEMMO ZERO ein extrem spannendes Puzzleteil für autolose Freiheit und Freizeit – zuhause wie auf Reisen.
Mehr Infos unter findet ihr unter lemmofuture.com
Words: Patrick Gruber Photos: Jan Fock
