Dieser Artikel ist Teil des Vergleichstests von Lightweight-Dachzelten. Unsere Dachzelt-Kaufberatung und einen Überblick über 15 ½ weitere Modelle findet ihr in unserem großen DOWNTOWN Dachzelt-Vergleichstest.
Inhalt
- TentBox GO im Test: Wie aufwendig sind Vorbereitung und Dachzelt-Montage?
- Wie funktionieren Auf- und Abbau vor Ort?
- Wie bewährt sich das TentBox GO im Einsatz?
- Für wen und welches Auto passt das TentBox Dachzelt GO?
- Fazit zum TentBox Dachzelt GO
Schon mal auf einem Feldbett geschlafen? Dieses eigentümliche Feeling, statt auf einer festen Matratze auf einer leicht elastischen Fläche zu liegen, findet ihr auch beim TentBox GO. Die Marke aus UK ist nach eigenen Angaben die meistverkaufte Dachzeltmarke der Welt. Seit dem Launch 2015 dominiert TentBox vor allem den britischen Markt und wächst rasant – besonders seit dem Brexit. Nach dem US-Markteintritt 2022 wollen die Briten nun seit 2025 auch die europäische Community mit Events und einer starken Social-Media-Präsenz begeistern. Mit einem Preis von 1.199 € setzen sie die Konkurrenz bei den schnell öffnenden Triangel-Zelten gehörig unter Druck. Nun erweitern sie ihr Portfolio neben Hartschalen- und Faltzelten um ein Softshell-Modell mit einer ganz besonderen Konstruktion.
Der Hersteller-Claim ist selbstbewusst: „The world’s lightest rooftent“. Laut TentBox soll das Zelt ohne Matratze nur 33 kg wiegen – wir haben allerdings 36 kg ermittelt (ohne Leiter und Zubehör). Woher das dennoch extrem geringe Gewicht kommt? Grund dafür ist das lasttragende Aluminium-„Skelett“, das Herzstück des TentBox-GO. Es bildet einen umlaufenden Aluminium-Rundrohrrahmen, der die gesamte statische Last übernimmt. Statt auf einer durchgehenden, schweren Bodenplatte liegt man auf einem strapazierfähigen Stoff, der fest im Rahmen eingespannt ist. Das spart deutlich Gewicht, da Luft bekanntlich wenig wiegt und die Konstruktion nur dort Material einsetzt, wo tatsächlich Kräfte wirken. Auch Lagerplatz spart diese Steckkonstruktion: In der Wintersaison kann das TentBox GO-Dachzelt notfalls sogar unter dem Bett verstaut werden, wenn man keine Garage oder großen Kellerraum besitzt.
Aber wie macht sich die Leichtbaukonstruktion im Realitätscheck? Welche Abstriche muss man für das Rekordgewicht auf dem Autodach machen? Wir haben das leichte „Dachbox-Zelt“ im Dreier-Shootout mit dem OLC Adventure Ultra Light 130 und dem Groenberg WEEKEND Comfort zum Campen mitgenommen. Mit unserer Erfahrung aus 16 vorangegangenen Dachzelt-Tests und langjähriger privater Nutzung haben wir das Konzept auf Herz und Nieren geprüft.

TentBox GO
1.199€
Technische Daten
Typ Softshellzelt mit Alugestänge
Personen 1-2
Gewicht 36 kg
(Leiter und Zubehör-Matratze)
Abmessungen (geöffnet)
225 x 122 x max. 114 cm (L x B x H)
Abmessungen (geschlossen)
229 x 122 x 27 cm (L x B x H)
Innenraumhöhe 110 cm
Bettboden
Effektive Liegefläche 210 x 105 (L x B) cm
Material 600D Polyester
Vickywood Vento
.
Serienausstattung
Alu-Teleskopleiter
2 Organizer-Taschen
Empfohlenes optionales Zubehör
GO Thermo Kit – isolierendes Innenzelt
239 €
BESONDERHEITEN
- Konstruktion aus Alu-Gestänge
- gespannte Stoff-Liegefläche statt fester Zeltboden
Da hätte ich ja keine Lust drauf!
TentBox GO im Test: Wie aufwendig sind Vorbereitung und Dachzelt-Montage?
Bevor der erste Trip starten kann, steht beim TentBox GO zunächst echte Arbeit an: Das Zelt muss erst einmal „gebaut“ werden. Die Rahmenkonstruktion hinterlässt dabei einen sehr hochwertigen Eindruck: Zum Einsatz kommen pulverbeschichtete Aluminiumrohre und Edelstahlschrauben. Auch der Zeltstoff wirkt durchweg wertig. Doch bis alles sitzt, vergeht Zeit. Die Vormontage ist langwierig und nicht unkompliziert: Statt der angegebenen 60 Minuten haben wir rund 90 Minuten gebraucht – und das trotz Unterstützung eines Handwerksmeisters, der die Montageschritte genau verstand. Online berichten einige Nutzer:innen in Videos sogar von drei Stunden Aufbauzeit. Das Videotutorial auf der Firmenwebsite und die Gebrauchsanleitung sind zwar hilfreich, doch an einigen Stellen fehlen entscheidende Angaben. Auf Nachfrage kündigt der Hersteller jedoch Verbesserungen an.
Kurz gefasst: Wer beim Aufbau von IKEA-Möbeln verzweifelt, sollte sich für die Vormontage des GO definitiv jemanden mit überdurchschnittlichem technischen Verständnis zuhilfe nehmen.
Ist die „Puzzlearbeit“ am Boden erst einmal erledigt, spielt das Zelt seinen größten Trumpf aus: sein geringes Gewicht. Dank der nur 36 kg lässt sich das GO fast ohne Anstrengung zu zweit auf das Autodach heben. Es jedoch – wie in einem Reel auf der Hersteller-Website suggeriert – ganz allein zu versuchen, würden wir nicht empfehlen, wenn einem der Lack am Auto lieb ist.



Sobald das TentBox GO auf den Trägern platziert ist, folgt leider der Teil, der ein echter Pain ist: das Festschrauben. Hier unterscheiden die Briten sich bei Weitem nicht von der großen Mehrheit aller Dachzelte und auch nicht vom Konkurrenten im Vergleichstest, dem Ultra Light 130 von OLC Adventure. Wir fragen uns regelmäßig, warum die Branche nicht dem Beispiel von Herstellern wie Thule folgt. Das schwedische Unternehmen verwendet bei seinem Dachzelt Approach M (hier gehts zum Test) keine mühselige Arbeit erfordernde, selbstsichernde Muttern, sondern clevere Flügelscheiben, die die Schrauben in unter 10 Sekunden fixieren. Beim TentBox GO kurbelt man pro Schraube gut drei Minuten mit der Ratsche – bei acht Muttern kostet das wertvolle Zeit und Nerven, die man viel lieber bereits im Zelt verbringen würde. Das trifft aber genauso auf den Konkurrenten von OLC Adventure im Vergleichstest zu.
Wie funktionieren Auf- und Abbau vor Ort?
„In nur 60 Sekunden öffnen oder schließen“: Dieser Hersteller-Claim trifft bei geübter Anwendung tatsächlich zu. Um das Reisecover vor dem Öffnen abzunehmen, muss man – wie auch bei Klappzelten – einmal komplett ums Auto laufen. Durch den leichten Polyesterstoff ist dieser Schritt aber mühelos. Aufbauzeit und -aufwand des GO im Lightweight-Vergleichstest siedeln sich in der Mitte an. Es geht immer noch schnell im Vergleich zum Groenberg WEEKEND. Dagegen ist das OLC Adventure Ultra Light angenehmer aufzubauen, da es dank Gasdruckfedern ganz von selbst aufklappt.



Die Abbauzeit ist stark abhängig von den Windverhältnissen und ob man allein oder zu zweit ist. Das hängt an der extrem leichten Reiseabdeckung – was beim Aufbau angenehm ist, bringt beim Abbau Schwierigkeiten mit sich: Die Abdeckung rutscht schon bei wenig Wind immer wieder über die Kanten, an denen sie befestigt werden muss. Bei stärkerem Wind ist es quasi unmöglich, sie allein anzubringen – es sei denn, man ist sehr findig und besorgt sich irgendwelche Hilfsmittel zum Beschweren.
Insgesamt ist das Cover ein neuralgischer Punkt am GO: Das Material macht keinen sehr robusten Eindruck. Die Reißverschlüsse sind eher dünn und knicken schon während der ersten Testanwendung beim Schließen unter einiger Spannung ein. Ärgerlich, wenn man sein Cover deswegen einschicken muss. Hier darf nachgebessert werden.
Wie bewährt sich das TentBox GO im Einsatz?
Handling, Einstieg und Co.
Wie bei vielen Hartschalenzelten ist der Zugang auch beim TentBox GO nicht regengeschützt, da ein Vordach fehlt. Dafür ist der Einstieg über die Leiter zu zwei Seiten möglich. Ein kleiner Wermutstropfen, den wir auch bei den beiden Kontrahenten im Test schlucken müssen: Die Leiter hat keine abgeschrägte Stufen, was bei Barfußnutzung schmerzhaft sein kann. Zudem steht sie vergleichsweise nah am Auto – hier ist Vorsicht geboten, um keine Kratzer im Lack zu riskieren. Einmal oben angekommen, zeigt sich jedoch ein genialer Vorteil der Konstruktion: Nicht nur die Leiter kann während des Transports und sogar beim Schlafen im Zelt verbleiben (letzteres ist wichtig für alle, die sich nachts im Dachzelt sicherer fühlen wollen). Da auch dickes Bettzeug problemlos während der Fahrt im Zelt bleiben kann, ist der Stauraum rekordverdächtig. Durch die an eine Seite ansteigende Alurohr-Konstruktion passt ins GO so viel wie in keines der von uns bisher getesteten 18 Dachzelte. Stark! Nur einen Nachteil bringt es mit sich: Die damit verbundene Aufbauhöhe von 27 cm macht die Einfahrt in Parkhäuser und Tiefgaragen sehr schwierig.
Stauraum und Organisation
Das Innere des TentBox GO vermittelt ein angenehmes Raumgefühl, was vor allem an der beachtlichen Höhe im vorderen Teil liegt. Auch das Lichtkonzept geht voll auf und macht den Aufenthalt tagsüber angenehm: Wer Helligkeit mag, freut sich über zwei große Seitenfenster mit leichtgängigen, separat zu öffnenden Moskitonetzen und über das Oberlicht mit fest verbautem Moskitonetz. Die Fixierung des aufgerollten Fensterstoffs funktioniert im Gegensatz zum Groenberg Dachzelt problemlos. Gleichzeitig ist eine vollständige Verdunkelung für die Siesta möglich, sobald alle Fenster zugezippt werden.
Die Innenorganisation ist hingegen eher mau: Es gibt lediglich zwei Taschen, die man oben ins Gestänge hängen kann. Diese sind zwar für ein Tablet gedacht, müssen beim Schließen jedoch abgenommen werden, da sie sonst das Zusammenschieben des Gestänges blockieren. Zudem fehlen praktische Seitentaschen in Bodennähe für Handy oder Kopfhörer.



Wie schläft es sich im TentBox GO?
Beim Thema Schlafkomfort geht TentBox eigene Wege: Die Liegefläche ist für die Nutzung ohne Matratze vorgesehen. Sie besteht aus einem starken Gewebestoff, der fest in den Rahmen eingespannt ist. Das Ergebnis ist ein elastisches Liegegefühl, ähnlich wie auf einem klassischen Feldbett. Wer dieses Feldbett-Gefühl nicht mag, kann für 199 € eine aufblasbare Matratze nachrüsten. Ein Vorteil dieser Konstruktion: Man genießt eine natürliche Belüftung von unten, was Kondenswasser fast unmöglich macht – ein Problem bei klassischen Zelten. Zwei Belüftungsschlitze an Kopf und Fuß sorgen zusätzlich für frische Luft.
Bequem liegt man auf der elastischen Liegefläche allerdings nur, wenn man das GO allein nutzt und auf das mittlere Zusatzgestänge verzichtet. Dieses ist für die Nutzung zu zweit vorgesehen, vermutlich, um gegenseitiges „Bouncen“ oder Zusammenrollen in der Mitte zu verhindern. Das Gestänge kann entweder bei der Vormontage oder von geübten Händen in ca. drei Minuten vor Ort montiert werden. Die dadurch entstehende Erhebung in der Mitte stört aber unangenehm, wenn man beim Schlafen daran kommt, und macht eine seitliche Schlafposition quasi unmöglich. Dazu nimmt die Mittelstange wertvolle Liegefläche weg. Bei einer effektiven Liegebreite von 105 cm bleiben pro Person nur etwa 52 cm übrig. Selbst wenn man deshalb als Paar beschließt, das Gestänge zu entfernen und die Zubehör-Matratze zu nutzen, ist das nicht unbedingt eine perfekte Lösung: Es besteht dann immer noch die Möglichkeit, dass man in der Mitte aufeinander rollt.
Zusammengefasst: Das Zelt ist eher für die alleinige Nutzung geeignet – dann ist es aber auch richtig bequem und bietet viel Platz.


Für wen und welches Auto passt das TentBox Dachzelt GO?
Wie seine Mitstreiter im Lightweight-Dachzelt-Shootout ist das GO dank seines geringen Gewichts und der kompakten Maße ein echter Allrounder, der auf nahezu jedes Auto passt. Insgesamt ist es besonders interessant für …
- … Minimalist:innen mit wenig Lagerplatz: Das Zelt kann theoretisch nach der Campingsaison wieder auseinandergebaut und platzsparend im Keller oder unter dem Bett gelagert werden
- … Effizienz-Freund:innen und E-Autos: Durch die flache Keilform im geschlossenen Zustand in Verbindung mit dem minimalen Gewicht von 36 kg soll der Einfluss auf den Verbrauch so gering wie bei kaum einem anderen Zelt auf dem Markt sein.
- … häufigere Standortwechsel: Weil das TentBox GO am Reiseziel extrem schnell einsatzbereit ist, passt es gut zu Trips mit vielen Stopps.
- … Singles statt Paare. Letztere können im GO aufgrund der störenden Mittelstange nicht bequem liegen. Eine zusätzliche Matratze könnte die Nutzung zu zweit jedoch ermöglichen.
Fazit zum TentBox Dachzelt GO
Das GO ist ein ultraleichtes Dachzelt, das zu zweit aufs Dach gehoben werden kann, vor Ort superschnell einsatzbereit ist und für eine Person eine bequeme, feldbettartige Liegestatt bietet. Dass es entgegen den Herstellerangaben nur solo wirklich bequem genutzt werden kann, ist jedoch ärgerlich. Zudem nervt die aufwendige Vormontage genauso wie der Kampf mit dem Reisecover beim Abbau im Wind. Unterm Strich ist dieses Dachzelt eher enttäuschend – trotz der Verkaufsrekorde, die die Briten für ihr Sortiment einfahren.
Tops
- mit 36 kg eines der leichtesten Dachzelte auf dem Markt
- schneller Aufbau vor Ort
- viel Platz im geschlossenen Zelt
- bequemer Schlafkomfort bei Nutzung alleine
Flops
- Vormontage erfordert viel Zeit und erhöhtes technisches Verständnis
- Anbringen der Reiseabdeckung bei Wind sehr schwierig
Tipp: Ausreichend Zeit für die Vormontage einplanen!
Mehr Infos gibts unter eu.tentbox.com
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Words: Felicia Nastal Photos: Tim Eckermann
Wer schreibt hier?
Felicia Nastal
Communication Specialist
Felicia Nastal verbindet bei 41 Publishing akademisches Textverständnis mit Begeisterung für technische Lifestyleprodukte. Als staatsexaminierte Germanistin mit über zehn Jahren Erfahrung im Lehramt verantwortet sie für das DOWNTOWN Magazin fundierte Einzel- und Vergleichstests. Dabei macht sie komplexe Features verständlich und zeigt den praktischen Mehrwert auf – insbesondere in den Bereichen Espressokultur, technisches Camping und Lifestyle-Produkte. Neben ihrer redaktionellen Arbeit übernimmt sie bei 41 Publishing zentrale Aufgaben in der SEO- und GEO-Optimierung sowie in der Herstellerkommunikation.
