Dieser Artikel ist Teil des Vergleichstests von Lightweight-Dachzelten. Unsere Dachzelt-Kaufberatung und einen Überblick über 15 ½ weitere Modelle findet ihr in unserem großen DOWNTOWN Dachzelt-Vergleichstest.
Inhalt
- Groenberg WEEKEND COMFORT im Test: Wie aufwendig sind Vorbereitung und Dachzelt-Montage?
- Auf- und Abbau vor Ort
- Wie bewährt sich das Groenberg WEEKEND COMFORT im Einsatz?
- Für wen und welches Auto passt das Groenberg Dachzelt WEEKEND COMFORT?
- Fazit zum Groenberg WEEKEND COMFORT
Wann ist ein Zelt ein Dachzelt? Wenn es schon während der Urlaubsfahrt fest verschraubt auf dem Autodach sitzt? Der Großteil der Camping-Community würde das wohl bejahen. Doch wer gibt die Definition vor? Reicht es nicht aus, wenn ein Zelt zum Zeitpunkt des Campens einfach das ist, was der Kategoriename vorgibt: ein Zelt auf einem (Auto-)Dach? Letztere Auslegung wendet jedenfalls der deutsche Hersteller Groenberg an und denkt mit dem WEEKEND das Dachzelten komplett neu: Statt einer massiven Box oder Plattform setzt das Konzept auf ein Zelt, das erst am Zielort aufgebaut und über ein spezielles Gurtsystem direkt mit den Querträgern verzurrt wird. Während der Fahrt hingegen verschwindet das gesamte System aerodynamisch neutral im Kofferraum und macht so Sorgen um Parkhaus- und Tiefgaragen-Einfahrten obsolet. Auf der stabilen Basis eines aufzupumpenden Dropstitch-Bodens (bekannt von SUPs) wird der Zeltkubus mit klassischen Steckstangen fixiert. Damit sieht das WEEKEND fast wie ein gewöhnliches Bodenzelt aus.
Groenberg will mit dem „weltweit leichtesten Dachzelt“ – so der Claim der Marke, und wir haben keinen Gegenbeweis gefunden – eine neue Referenz setzen und zeigen: Dachzelt-Urlaub geht auch leicht und ohne die Hilfe fremder Muskelkraft. Denn mit 12 kg Eigengewicht ist das WEEKEND COMFORT das wohl einzige Dachzelt auf dem Markt, das wirklich von einer Person alleine (de-)montiert werden kann. Zielgruppe sind vor allem Singles, die Wert auf Unabhängigkeit legen und weder beim Verstauen des Dachzelts zuhause noch bei der Dachmontage auf fremde Hilfe angewiesen sein wollen. Das Unternehmen aus Schleswig-Holstein möchte mit seinem je nach Variante knapp 1.000 bis 1.200 € teuren „Taschen-Dachzelt“ – diese Kategoriebezeichnung führen wir hiermit „offiziell“ ein – zudem ein Problem aus dem Weg schaffen: Platzmangel, also genau das, was einige Städter:innen bislang noch vom Dachzelten abhält. Denn nicht jede:r verfügt über ein eigenes Haus oder eine Garage, in der das Dachzelt in der Off-Season verstaut werden kann. Das WEEKEND hingegen nimmt nur so viel Platz ein wie eine große Reisetasche.
Im Test hatten wir die COMFORT-Version des WEEKEND, die für einen Aufpreis von 200 € zusätzlich ein Sky-View-Dachfenster, Vordächer über den Eingängen und ein spezielles Blackout-Material beim Zeltstoff mitbringt.
Angesichts des völlig neuartigen Ansatzes ist die Erwartung an das Groenberg WEEKEND im Test hoch. Kann das „Taschen-Dachzelt“ mit den beiden anderen ultraleichten Dachzelten im Shootout, dem OLC Adventure Ultra Light 130 und dem TentBox GO konkurrieren oder erweist sich das neue Konzept als Luftnummer?

Groenberg
WEEKEND COMFORT
1.199,95 €
Technische Daten
Typ Taschen-Dachzelt mit Dropstitch-Boden
Personen max. 2
Gewicht 12 kg (ohne Leiter)
Abmessungen (geöffnet)
220 x 147 x 120 cm (L x B x H)
Abmessungen Tasche
ca. 75 x 40 x 25 cm (L x B x H)
Zeltboden
Liegefläche 217 x 130 cm (L x B)
Material
Thermoplastisches Polyurethan (TPU)
Vickywood Vento
.
Serienausstattung
Air-Plattform
Alu-Teleskopleiter
Handpumpe
Reparaturset
Empfohlenes optionales Zubehör
WEEKEND SPEEDBAG wasserdichte Transporttasche 89,95 €
WEEKEND BRIDGE Matte mit Aluminiumträgern 99,95 €
Plattform
Aufblasbare Dropstitch-Matte (wie SUP), separat nutzbar
Erzeugt Stabilität durch Luftdruck statt durch Alurohre wie bei TentBox

Groenberg WEEKEND COMFORT im Test: Wie aufwendig sind Vorbereitung und Dachzelt-Montage?
Das Handling dieses Dachzelts vor dem ersten Einsatz ist easy-peasy und perfekt für spontane Trips: Man holt einfach die Tasche mit dem Zelt aus dem Abstellraum, dem Keller oder der Garage und packt sie ins Auto – weitere Schritte sind nicht nötig, bevor man am Zielort ankommt. Wer dagegen einen durchgehenden Dachträger besitzt und das Zelt dort während der Fahrt transportieren will, kann die wasserdichte WEEKEND SPEEDBAG dazukaufen und diese wie andere Reisetaschen ganz einfach mit Spanngurten festzurren.
Auf- und Abbau vor Ort
Statt auf schwere Mechanik setzt das Groenberg WEEKEND beim Aufbau konsequent auf Luftdruck und Handarbeit direkt am Boden. Der Prozess weckt sofort Erinnerungen an das Stand-up-Paddling: Dropstitch-Matten von Hand aufzupumpen, dauert seine Zeit. Wer den Arbeitsschritt als sportliches Workout-Element begreift, nutzt die mitgelieferte Luftpumpe – alle anderen greifen besser zu einer automatischen Kompressionspumpe. Das ist deutlich bequemer und verkürzt die gesamte Aufbauzeit auf insgesamt etwa 6 bis 7 Minuten. Bei manchen Herstellern, wie dem Testsieger qeedo Freedom Air, gehört eine solche elektrische Pumpe bereits ab Werk zum Lieferumfang. Übrigens: Die aufblasbare Plattform kann zuhause vom restlichen Zelt getrennt und separat als Gästebett oder Airtrack-Turnmatte genutzt werden. Nicht übel!
Tipp: Achtung beim Aufpumpen: Wie beim SUP muss man auf ein korrektes Handling von Pumpe, Ventil und Schlauch achten, sonst entweicht die mühsam eingepumpte Luft beim Entfernen des Schlauchs mit voller Wucht.
Die weiteren Schritte erinnern stark an den Zeltaufbau beim Bodencamping: Die Stangen müssen zusammengesteckt und mit dem Zeltkubus verbunden werden. Hat man nach dem ersten Versuch den Dreh raus, geht’s beim nächsten Mal deutlich schneller. Wer übrigens lieber unten statt auf dem Autodach schlafen würde, könnte das WEEKEND jetzt bereits so als normales Bodenzelt verwenden. Bei Regen sorgt die Dropstitch-Matte für ein 100%ig trockenes Bett.


Warum nicht einfach ein Bodenzelt nehmen?
Multifunktionalität hin oder her – in unserem Praxistest auf der grünen Wiese steht die Dachzelt-Performance im Fokus. Also ab aufs Auto – und das soll laut Hersteller auf dem Solo-Trip ganz alleine gehen. Wir können es bestätigen: Das Zelt aufs Autodach zu befördern, geht absolut mühelos – mit der richtigen Technik, die man dem Video-Tutorial entnehmen kann. Die Befestigung am Dachträger erfolgt mit Spanngurten und (etwas störrischen) Schnallen, auch die Leiter wird nur mit einer Schnalle und einem Gurt fixiert. Das wirkt zwar weniger stabil als die fest verschraubten klassischen Dachzelte, dafür spart man sich aber das endlose Geschraube, das sonst zumeist mit der Montage verbunden ist.
Wichtig zu wissen: Isomatten oder Matratzen müssen beim Aufbau zusätzlich noch aufgepumpt werden, denn das Zelt kommt ohne die – essenziell notwendige – Matratze.
Wenn Regen angesagt ist, kann man vom aufgebauten Zelt aus noch das beiligende Raincover befestigen, damit es nicht durch die Dachfenster regnet. Groenberg gibt beim Zeltstoff eine Wassersäule von 5.000 mm an.
Der Abbau ist schließlich in wenigen Minuten erledigt: Leiter aushängen, Zelt runter, alle Schritte retour und ab in die Tasche.



Zusammengefasst: Zwar spart man beim Groenberg WEEKEND durch die wegfallende Vormontage viel Zeit ein, doch das geht auf Kosten eines sekundenschnellen Aufbaus vor Ort, der für viele einen großen Teil des „Easy-Dachzelt-Spirits“ ausmacht. Hier überzeugt die Konkurrenz von OLC und TentBox im Vergleichstest mehr.
Wie bewährt sich das Groenberg WEEKEND COMFORT im Einsatz?
Will man während eines Kurztrips das Auto benutzen, zeigt das Groenberg WEEKEND eine seiner praktischen Seiten: In nicht einmal einer Minute ist es vom Dach geholt. Einfach die Schnallen lösen, die Leiter wegstellen und das federleichte Paket herunterheben – schon ist man fahrbereit. Durch die Dropstitch-Bodenplatte funktioniert das Zelt übrigens sowohl auf dem Autodach als auch autark auf dem Boden. Daher stellt sich im Praxistest die nicht ganz unberechtigte Frage: Warum muss man dieses Zelt überhaupt auf dem Dach nutzen? Die spezifischen Gründe, die für das Schlafen in der Höhe sprechen, haben wir in unserem großen DOWNTOWN-Vergleichstest inklusive Kaufberatung detailliert aufbereitet (dort einfach zum Punkt „Stairway to Heaven“ hüpfen!) – und die gelten auch fürs WEEKEND.
Platzangebot und Innenraum
Einmal auf dem Dach positioniert, bietet das WEEKEND COMFORT zwei leicht überdachte Eingänge mit zusätzlichen Moskitonetztüren. Insgesamt sechs Öffnungen – zwei pro Seite und zwei im Dach – lassen Frischluftfans bei diesem Zelt voll auf ihre Kosten kommen. Bei vier davon lässt sich das Moskitonetz komplett aufzippen, sodass die Luft ungehindert strömen kann. Trotz dieser „Dachlüftung“ gehört das Groenberg nicht zu den hellsten Zelten im Testfeld. Da an den kurzen Seiten neben den Lüftern keine weiteren Fenster vorhanden sind, fällt vergleichsweise wenig Licht ins Innere. Wer es hingegen für die Siesta stockdunkel mag, wird die spezielle Beschichtung schätzen, die keinen Lichtstrahl durchlässt.
Die Innenorganisation ist top: An allen vier Seiten finden sich je zwei Mesh-Taschen und eine zusätzliche kleine Netztasche am Dach fungiert als „Hängematte“ für das Handy oder Lampen. Tipp für die nächste Generation: Eine Erweiterung auf Tablet-Größe wäre das i-Tüpfelchen. Etliche Fixierpunkte für weiteres Camping-Gear runden das durchdachte Stauraum-Angebot ab.
Ein wertvolles Sicherheitsfeature für Alleinreisende: Die Leiter lässt sich mit ins Zelt holen, sodass man nachts vor ungebetenem Besuch geschützt ist. Ein Manko bleibt jedoch die Leiter selbst: Die Alu-Teleskopstufen sind nicht abgeschrägt, was barfuß echt schmerzhaft ist. Vielleicht ist es angenehmer mit Barfußschuhen? Einen Test mit 7 Barfußschuh-Modellen findet ihr hier.



Schlafkomfort und Stabilität
Die Liegefläche des leichten Dachzelts von Groenberg ist mit 217 cm großzügig lang, was viel Platz für Klamotten am Fußende lässt. Ist man zu zweit im Zelt, stehen jeder Person angenehme 65 cm zur Verfügung, und die Höhe von 120 cm sorgt für ordentlich Bewegungsfreiheit. Wichtig: Das Zelt wird ohne Matratze geliefert. Diese muss zwingend dazu gekauft werden, was wir als versteckten Kostenfaktor sehen, der Abzug gibt. Das Ultra Light Dachzelt von OLC Adventure, Mitbewerber im Shootout der leichten Dachzelte, ist hier weitaus großzügiger und schickt neben der Matratze sogar eine Mesh-Unterlage mit.
Ein bauartbedingter Nachteil ist die Stabilität: Da die Dropstitch-Platte keine starre Plattform ist, bewegt und krümmt sie sich merklich, wenn zwei schwerere Personen in der Mitte sitzen. Hier ist die Anschaffung der optionalen Matte BRIDGE sinnvoll, deren Querstreben für die nötige Steifigkeit sorgen. Ein oder auch zwei Leichtgewichte benötigen dieses Zubehör jedoch nicht. Doch egal, ob man allein oder zu zweit drin sitzt: Insgesamt wirkt das gesamte Konstrukt auf dem Dach wackeliger als die fest verschraubte Dachzelt-Konkurrenz.
Licht und Schatten beim Material
Während die Dropstitch-Plattform und das Aluminiumgestänge einen hochwertigen Eindruck hinterlassen, müssen beim Zeltstoff deutliche Abstriche in Kauf genommen werden. Das Material des eigentlichen Zeltkubus ist extrem dünn und wirkt anfällig für Beschädigungen. Bei unserem Testmodell aus der Vorserie zeigten sich bereits kleine Löcher im Verdunkelungsstoff, und manche Nähte sind so groß dimensioniert, dass man die Sonne hindurchsehen kann (in weiser Voraussicht legt der Hersteller direkt schon ein Reparaturset mit Klebepatches bei). Zudem sorgt das Material dafür, dass das WEEKEND bei stärkerem Wind deutlich mehr flattert und insgesamt weniger stabil auf dem Auto steht als alle anderen Zelte, die wir bisher getestet haben. Auch nicht so dolle: Das Material der Liegefläche, das direkt über die Dropstitch-Platte gespannt ist, hat einen wenig atmungsaktiven Plastikcharakter.


Der Hersteller begründet die Wahl des Zeltstoffs mit der Verwendung von ultraleichten Materialien aus dem Trekkingbereich und kündigt für die Folgegeneration, die sich derzeit in Produktion befindet, eine andere Beschaffenheit an. Dennoch: Für einen Kaufpreis von 1.199 € haben wir in puncto Materialqualität und Langlebigkeit mehr erwartet. Hier sollte Groenberg dringend nacharbeiten, damit das innovative „Taschendachzelt“ mehr als nur eine oder zwei Saisons übersteht.
Für wen und welches Auto passt das Groenberg Dachzelt WEEKEND COMFORT?
Wie seine Mitstreiter im Lightweight-Dachzelt-Shootout ist das WEEKEND dank seines geringen Gewichts und der kompakten Maße ein echter Allrounder, der auf nahezu jedes Auto passt. Insgesamt ist es besonders interessant für …
- … alle, die für anderes Equipment, wie ein Kanu oder Bike, Platz auf dem Dach brauchen
- … kleine Autos oder solche mit geringer Dachlast. Aber: Die Länge der Dachreling muss ausreichend großen Abstand zwischen den Querträgern erlauben. Wir empfehlen mindestens 100 cm, damit ein Gefühl von Stabilität gegeben ist.
- … Menschen ohne Garage oder großen Kellerraum
- … Solo-Reisende, die schon ab Montage unabhängig sein wollen
- … spontane Menschen, die in ein paar Minuten abreisebereit sein wollen
Fazit zum Groenberg WEEKEND COMFORT
Das WEEKEND stellt die Systemfrage: Was ist ein Dachzelt? Es zeigt sich als eigenwilliger Grenzgänger, der das Dachzelten revolutioniert: Plötzlich kommt es für Gruppen in Frage, für die es zuvor nicht zugänglich war. Erstmals können nämlich auch Singles zu 100 % ohne fremde Hilfe und Campingfans ohne Lagerplatz ins Game einsteigen. Die Knackpunkte bleiben der – wenngleich allein durchführbare – aufwendige Aufbau vor Ort und ein Preis, der angesichts der Materialqualität und des nötigen Zubehörs happig wirkt. Noch ist das Konzept etwas wackelig, es markiert aber einen spannenden Aufbruch in die neue Kategorie der „Taschen-Dachzelte“.
Tops
- das derzeit leichteste „Dachzelt” auf dem Markt
- auf Reisen Platz für Kajak und Co. auf dem Dachträger
- Nutzung vollständig ohne fremde Hilfe
- keine Garage oder Kellerraum als Stauraum nötig
Flops
- aufwendiger Aufbau
- verbesserungswürdige Verarbeitung des Zeltstoffs
- notwendige Matratze nicht im Lieferumfang
- instabile Befestigung/wackelige Konstruktion
Tipp: Elektrische Pumpe anschaffen – dadurch spart man viel Zeit beim Aufbau
Mehr Infos gibts unter groenberg.com.
Das Testfeld beim Dachzelt Test 2024 und 2025
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Words: David Feddersen Photos: Tim Eckermann
