
Kalkhoff – diese Marke steht in der Fahrradbranche seit mehr als einem Jahrhundert für „Made in Germany“ und ist vor allem im City- und Trekking-Bereich sehr erfolgreich. Und beim niedersächsischen Unternehmen ist dieser Slogan keine leere Phrase, die man nur deshalb nutzen darf, weil die Endmontage der Produkte noch auf deutschem Boden stattfindet. Nein, Kalkhoff fertigt seine – meist hochpreisigen Räder – nach wie vor am Firmensitz in Cloppenburg, wo Kalkhoff einst im Jahr 1919 gegründet wurde.

Unser aktuelles Testrad, das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt, zählt im Kalkhoff-Kosmos zur Kategorie Allroad E-Bikes. Der Antrieb in Form des Bosch Performance Line CX ist derselbe wie bei der teureren Kalkhoff Entice-7-Serie (s. a. den großen Vergleichstest von 10 aktuellen SUV E-Bikes unseres Schwestermagazins E-MOUNTAINBIKE), die es allerdings nicht mit einem wartungsarmen Riemenantrieb gibt wie unser Testbike. Er bringt aktuell noch maximal 85 Nm Drehmoment, ist aber bereits für das bevorstehende Software-Update mit dann bis zu 90 Nm vorbereitet. Dieses Update könnt ihr mithilfe der Bosch Flow App problemlos selbst durchführen. Wie – das lest ihr bei unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE.
Wir haben das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt in der Tiefeinsteiger-Version Wave und dem 800 Wh großen Bosch PowerTube-Akku getestet. Kalkhoff bietet das Bike auch noch mit klassischem Diamantrahmen und als Trapez-Version mit abfallendem Oberrohr an. In der getesteten Größe M (48 cm) wiegt das Allroad E-Bike 32,72 kg und ist damit sicher kein Leichtgewicht. Als Preis ruft der niedersächsische Traditionshersteller 5.699 € auf. Wem der kleinere Bosch-Akku mit 600 Wh genügt, spart sich 300 € beim Kauf. ABS gibt es leider nicht mal gegen Aufpreis – und das trotz der dafür perfekten Bosch-Basis. Wir haben das Kalkhoff in seinem natürlichen Habitat durchgetestet und verraten euch, wie es performt.
Das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt Wave SUV E-Bike im Detail: Riemen und Nabenschaltung = Sorglos-Bike?
Darksprings matt – so nennt Kalkhoff die Farbe unseres Testrads. Das ins Petroleum driftende Dunkelgrün passt sehr gut zur insgesamt stimmigen Optik des Bikes mit seinen markant dicken Alu-Rohren und den massiven Schutzblechen. Die andere Farboption, Moonstonegrey matt, macht ebenfalls einen hochwertigen Eindruck, kommt allerdings immer zusammen mit Reifen mit einer orangefarbenen Seitenwand – sehr außergewöhnlich.
Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt Wave
5.699 €
Ausstattung
Motor Bosch Performance Line CX Gen5 85 Nm
Akku Bosch PowerTube 800 800 Wh
Display Bosch Kiox 300
Sattelstütze Dropper Post, gefedert 50 mm
Bremsen Tektro 203/180 mm
Schaltung Enviolo Trekking 380 %
Vorbau Aluminium 100 mm
Lenker Aluminium 720 mm
Laufradsatz Aluminium 29"
Reifen Schwalbe Smart Sam 57 mm
Technische Daten
Größe M. L
Gewicht 32,72 kg
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 170 kg
Max. Zuladung (Fahrer) 137 kg
Anhänger-Freigabe Ja
Ständeraufnahme Ja
Besonderheiten
Integriertes Schloss
Gefederte Sattelstütze
Winkelverstellbarer Vorbau
Im Stadtbild mittlerweile keine Seltenheit mehr sind die sogenannten Tiefeinsteiger, die das Auf- und Absteigen besonders komfortabel machen. Kalkhoff bezeichnet diese Rahmenform als Wave und schafft den Spagat zwischen hohem Komfort und halbwegs sportivem Aussehen. Wer es sportlicher mag, greift zum Diamant- oder Trapezrahmen. Da wirkt der Motorbereich dann auch nicht so klobig wie beim Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt Wave, was hier klar dem Tiefeinsteiger-Konzept geschuldet ist. Denn Stabilität kommt nicht von ungefähr, und wenn das Oberrohr fehlt, braucht es untenrum einfach mehr Material. Der komfortable Schlossmechanismus schützt gleichermaßen den Akku vor Diebstahl und gestaltet die Entnahme nach oben sehr einfach und komfortabel. Die Option auf einen Range Extender für mehr Reichweite im Alltag bietet Kalkhoff beim Entice 5+ hingegen nicht – schade.


Der Riemenantrieb samt Riemenspanner fällt sofort ins Auge und macht das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt schon auf den ersten Blick besonders. Keine Kette? Keine Schaltung? Genau! Denn das sind die verschleißanfälligsten Komponenten an einem E-Bike, die regelmäßig gepflegt, gewartet und ausgetauscht werden müssen. Der verbaute Gates Carbondrive CDX-Riemen will hingegen nur hin und wieder mit einem Tuch feucht abgewischt werden. Dann sollte er mindestens drei- bis viermal so lange halten wie ein Kettenantrieb – 20.000–30.000 km sind durchaus normal. Das spart am Ende nicht nur Arbeit, sondern auch bares Geld. Und es schont die Nerven. Denn nach Murphy’s Law geht der Antrieb ganz sicher immer im ungünstigsten Moment kaputt.


Die Schaltarbeit übernimmt im Falle des Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt eine Nabenschaltung. Die Enviolo Trekking arbeitet stufenlos und deckt eine eher schmale Übersetzungsbandbreite von 380 % ab, was vielleicht der einzige echte Nachteil der Schaltung ist. Moderne Kettenschaltungen bieten oft Bandbreiten jenseits der 500 % an und damit sowohl leichtere als auch schwerere Gänge als die Enviolo-Schaltung.

Allen Rahmenvarianten gemeinsam ist die SR Suntour Mobie34-Federgabel, die mit ihren 120 mm Federweg und in der Kombination mit der gefederten Sattelstütze gut zum Einsatzbereich als komfortables City-Bike passt. Die Sattelstütze lässt sich obendrein versenken, was das Auf- und Absteigen erleichtert und in steilen Abfahrten für mehr Sicherheit sorgt, weil Überschlagsgefühle erst gar nicht aufkommen. Zusätzlichen Komfort und maximale Anpassbarkeit verspricht der winkelverstellbare Vorbau.

Eine echte Ansage ist das zulässige Gesamtgewicht (zGG) von satten 170 kg. Dazu passt die hohe Traglast des MIK HD-Gepäckträgers, der auch die Montage eines Kindersitzes erlaubt. Bei dem hohen zGG und dank der Freigabe für einen Anhänger fährt sogar noch ein zweites Kind mit. Oder habt ihr einen reisefreudigen Hund? Dann checkt doch mal unseren großen Hundeanhänger-Vergleichstest aus!

Klar, dass ein Bike mit so einer hohen Zuladung auch ordentliche Bremsen braucht. Kalkhoff verbaut eine Vierkolbenbremse von Tektro mit einer großen 203-mm-Bremsscheibe vorn, was reichlich Bremskraft und Zuverlässigkeit verspricht. Und wer mit dem voll beladenen Bike nicht gerade im Downhill-Worldcup starten will, dem wird auch die 180er-Scheibe hinten reichen.
Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt Wave SUV E-Bike – Gut vernetzt und gut geschützt?
Ein Bike für alle Fälle ist auch ein Bike für alle Gelegenheiten – etwa für Diebe. Im Gegensatz zu einem sportlichen E-MTB, das man eher selten irgendwo unbeaufsichtigt stehen lässt, muss ein Allroad E-Bike auch für die tägliche Fahrt zur Arbeit und zum Einkaufen herhalten. Oder es steht stundenlang vor dem Freibad oder dem Restaurant. Wie dem auch sei – Diebstahlschutz ist essenziell bei einem so universell einsetzbaren Rad. Kalkhoff stattet das Entice 5+ immerhin ab Werk mit einem integrierten Rahmenschloss aus, das einen recht stabilen Eindruck macht. Freilich ist das für professionelle Fahrraddiebe kein Hindernis, aber der Gelegenheitslangfinger sucht sich vielleicht doch lieber ein völlig ungesichertes Bike. Wer Wert auf mehr Schutz und zusätzliche digitale Dienste legt, kann das ConnectModule von Bosch (etwa 100 €; der Test vom Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE) selbst nachrüsten oder vom Händler einbauen lassen. Damit ist dann auch ein elektronischer Diebstahlschutz möglich, was allerdings Abo-Gebühren nach sich zieht. Die gute Nachricht: bei der Kalkhoff App gibt es 24 Monate for free.

Für einfache Bedienung und gute Ablesbarkeit sorgt das mittig auf dem Cockpit thronende Bosch Kiox 300-Display, das in Verbindung mit der Smartphone-App von Bosch auch eine reichweitenbasierte Navigation ermöglicht. Zusätzlich verbaut Kalkhoff die Bosch LED Remote am Lenker – aus unserer Sicht überflüssig. Zum einen ist sie klobiger als die kompakte Mini Remote, zum anderen passieren schon mal Fehlbedienungen aufgrund der vielen Knöpfe. Und der Mehrwert der LED-Anzeige spielt angesichts des vorhandenen Kiox 300 keine Rolle.


Das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt Wave SUV E-Bike im Alltagstest – Komfort kommt vor. Sicherheit auch?
Dank des Wave-Rahmens gelingt der Aufstieg auf das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt auch weniger sportlichen oder bewegungseingeschränkten Menschen sehr komfortabel. Die versenkbare Sattelstütze trägt ihr Übriges dazu bei – und erhöht die Fahrsicherheit an Ampeln, Bordsteinen oder im steilen Gelände. Obendrein ist sie gefedert, einen Dämpfer im Heck des Rades haben wir zu keiner Zeit vermisst. Die Sitzposition fällt sehr aufrecht und damit ebenfalls komfortabel aus und führt zusammen mit der hohen Front zu einem sicheren Fahrgefühl. Das SUV E-Bike zirkelt dabei zwar nicht gerade messerscharf um die Ecken, vermittelt aber jederzeit genug Stabilität und Sicherheit – selbst bei langsam durchfahrenen Engstellen. Insgesamt fühlt sich das fast 33 kg schwere Bike bei weitem nicht so behäbig an, wie es der Blick auf die Waage vermuten ließe. Ganz im Gegenteil: Es lässt sich intuitiv fahren und erfordert – bis auf die Schaltung – keinerlei Eingewöhnungszeit.
Das gilt zumindest für Sitzposition und Fahrverhalten. Beim Thema Antrieb und Schaltung scheiden sich die Geister allerdings ein wenig. Während der Bosch Performance Line CX-Motor in jeder Lebenslage genug Power liefert und diese gut moduliert auf den Boden bringt, kann die stufenlose Enviolo-Nabenschaltung da nicht mithalten. Zum einen ist die Drehgriffschaltung vermutlich für die meisten erstmal mit einer gewissen Eingewöhnungszeit verbunden, zum anderen ist der Drehbereich des Grip Shifters so groß, dass man die gesamte Bandbreite nicht mit einem Dreh schafft. Geht es also aus einer Abfahrt direkt in einen Anstieg, heißt es: Drehen. Umgreifen. Weiterdrehen. Nicht sehr ergonomisch. Gerade Fahrer, die noch keine Erfahrung mit stufenlosen Schaltungen haben, werden anfangs vermutlich oft am Drehgriff hantieren, um die passende Übersetzung zu finden. An all diese Punkte kann man sich aber recht schnell gewöhnen, und dann spielt die Enviolo Trekking zusammen mit dem Riemen ihre Stärken aus: Schalten im Stand und unter Last. Ersteres ist besonders an Ampeln sehr komfortabel, zweiteres erleichtert das Schalten in steilen Anstiegen ungemein. Hinzu kommt eine pfiffig gelöste „Ganganzeige” in Form eines Radlers, der sich je nach gewählter Übersetzung unterschiedlich starke Steigungen hoch arbeitet. Diese positiven Aspekte können jedoch nicht über das größte Manko der verbauten Nabenschaltung hinwegtäuschen: Die vergleichsweise geringe Bandbreite der Enviolo Trekking führt dazu, dass man trotz des starken Bosch-Antriebs an steilen Rampen schnell aus der Puste kommt oder sogar schieben muss. Und beim Anfahren am Berg kommt auch noch das hohe Gewicht des Bikes dazu. Das ist dann schon eine echte Herausforderung.


Im eher flachen urbanen Umfeld überzeugt das Kalkhoff Entice 5+ aber auf ganzer Linie. Die 120-mm-Federgabel und die gefederte Sattelstütze nehmen Bordsteinen, Kopfsteinpflaster und Wurzeln den Schrecken. Im Vergleich zu einem vollgefederten SUV E-Bike haben wir kaum Komfort-Einbußen verzeichnet. Selbst auf Kopfsteinpflaster rüttelt es kaum, solange man es gemütlich angehen lässt. Bei hohen Geschwindigkeiten kommen die Federelemente den schnell aufeinanderfolgenden Stößen sonst kaum hinterher. Für den angestrebten Einsatzbereich eines Tiefeinsteiger Allroad E-Bikes ist das aber alles völlig im Rahmen. Das gilt auch für die standfeste Bremsanlage.


Diese muss ihr Können vor allem dann zeigen, wenn das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt voll beladen ist. Denn dann fahren bis zu 170 kg durch die Gegend – ein derart hohes zulässiges Gesamtgewicht begegnet uns sonst nur bei ausgewachsenen Lastenfahrrädern. Und das Bike kommt mit Gepäck super zurecht. Auch in beladenem Zustand bleibt das Kalkhoff SUV E-Bike unbeirrt in der Spur und glänzt mit einem sicheren Handling. Nach wenigen Minuten hat man schon vergessen, dass man mit Gepäck unterwegs ist. Im Grunde ist das Fahren mit dem Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt also mit einem Wort zu beschreiben: easy – wäre da nicht die Schaltung. So sehr wir die Vorteile einer Nabenschaltung schätzen, in diesem Fall sind wir mit der Umsetzung nicht ganz zufrieden. Mit mehr Übersetzungsbandbreite und – wenn wir einen Wunsch frei haben – mit einer Automatikfunktion wäre das Bike nahe an der Perfektion. Denn es leistet sich sonst keine echte Schwäche. Das gilt auch für die verbaute Lichtanlage: Vorne sorgt eine Supernova MINI 3 mit 125 lx für eine sehr gute Ausleuchtung. Und mindestens genauso spannend: Der Hersteller gewährt satte 5 Jahre Garantie auf seine Leuchten. Das Rücklicht stammt aus der TRELOCK COB-Line-Serie und bringt auch eine Bremslichtfunktion mit. Eine kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch: Die Position am hinteren Ende des Gepäckträgers ist zwar auf einer gut sichtbaren Höhe. Es besteht aber die Gefahr, dass Gepäck die Leuchte verdeckt. Hier solltet ihr beim Beladen unbedingt drauf achten.
Tuning-Tip:
Wer lange Abfahrten in den Alpen plant: hinten größere Bremsscheibe montieren!
Für wen ist das Kalkhoff Entice 5+ Advance Belt Wave Allroad E-Bike?
Ihr sucht ein alltagstaugliches Sorglos-Bike mit hohem Komfort? Ihr wollt Gepäck, Kinder und den Hund mitnehmen? Aber ihr wollt euch keine Gedanken um Wartung und Verschleiß des Antriebs machen? Dann sollte es das Kalkhoff Antice 5+ Advance Belt auf eure Shortlist schaffen. Zumindest, wenn ihr nicht in allzu steilem Gelände unterwegs seid und auf die Option eines Range Extenders verzichten könnt. Denn dann bekommt ihr mit dem Allroad E-Bike einen vollwertigen Autoersatz von einem deutschen Traditionshersteller für den Everyday-Einsatz, der sich im urbanen Umfeld als echter Tausendsassa entpuppt hat.

Fazit
Kalkhoff verspricht ein vielseitiges Allroad E-Bike – und stellt mit dem Entice 5+ Advance Belt exakt das auf die Räder. Das Konzept eines Alltagsrades hat der deutsche Hersteller hier konsequent umgesetzt. Dabei stört der Verzicht auf eine Heckfederung gar nicht – im Gegenteil, das Rad wird dadurch etwas leichter und sicher auch günstiger. Die gefederte Sattelstütze liefert nahezu denselben Komfort wie ein Dämpfer am Heck. Der Riemenantrieb macht das Rad zum echten Sorglos-Bike, eine größere Übersetzungsbandbreite und die Option auf einen Range Extender würden wir uns dennoch wünschen. Denn das würde das Kalkhoff Entice 5+ mit seinem intuitiven und sicheren Fahrverhalten zu einem nahezu perfekten SUV E-Bike machen, das viele Autofahrten vollwertig ersetzen könnte.
Tops
- kraftvoller Motor
- verschleiß- und wartungsarmer Riemenantrieb
- stabiler Gepäckträger mit 27 kg Zuladung
- sehr hohes zGG von 170 kg
Flops
- keine Konfiguration mit ABS erhältlich
- keine Range Extender Option
- bei vollem Gepäckträger ungünstig platziertes Rücklicht
Mehr Information findet ihr unter kalkhoff-bikes.com
Words: Patrick Gruber Photos: Jan Fock
