
4.199 € | Hersteller-Website
Ein Kalkhoff-Bike mit Rennlenker? Das gab es schon mal in den 1970ern. Heute steht wieder eines dieser Rösser im Stall der Cloppenburger: das Kalkhoff Endeavour L Touring. Allerdings diesmal kein Rennrad, sondern ein Vertreter einer noch recht jungen Bike-Gattung: E-Gravel. Das Kalkhoff Endeavour L Touring basiert auf der bekannten Endeavour-Serie, setzt aber auf den Bosch Performance Line SX-Motor inklusive kleinem, entnehmbarem 400-Wh-Akku und schlägt optisch wie konzeptionell neue Wege im Kalkhoff-Lineup ein. Dazu kommt eine automatische Schaltung von TRP. Wir haben das mit 21,52 kg recht schwere E-Gravel-Bike nicht nur auf die Waage gestellt, sondern auch auf mehreren Touren intensiv getestet – und klären, ob sich ein genauerer Blick auf das 4.199 € teure Bike lohnt.
Welche Detaillösungen bringt das Kalkhoff Endeavour L Touring mit?
Bling-Bling? Findet man am Kalkhoff Endeavour L Touring nicht. Das Bike bleibt bewusst understated – immerhin ist bei den Farben etwas Individualisierung möglich. Unsere Testfarbe „Umber Brown” glänzt in der Sonne in einem schicken, bronzenen Farbton. Alternativ gibt es das Bike in einem leicht grünlichen Grau, das ab der Mitte des Rahmens in Weiß übergeht. Punkten will das Bike aber letztlich nicht mit der Farbe, die ist eh sehr vom Geschmack eines jeden Einzelnen abhängig. Vielmehr stehen Pragmatismus und Alltagstauglichkeit laut Kalkhoff beim E-Gravel-Bike Endeavour L Touring im Fokus.
Das beginnt schon beim Rahmen, der vollständig aus Aluminium gefertigt ist. Klar, Carbon würde das Gewicht ein wenig nach unten bringen, wäre aber für den angestrebten Einsatzbereich auch ein wenig zu empfindlich. Gerade, wenn ihr das Kalkhoff E-Gravel-Bike vielleicht mal in den Zug mitnehmen wollt, müsst ihr euch um einen Alu-Rahmen sicher weniger Sorgen machen. Die Verarbeitung ist tadellos, auch wenn die Schweißnähte deutlich zu erkennen sind. Das Unterrohr wirkt trotz des 400-Wh-Akkus, der per Schlüssel gesichert und nach oben entnehmbar ist, nicht überdimensioniert. Nice! Aber zurück zu Alltagstauglichkeit und Pragmatismus: Das Kalkhoff Endeavour L Touring ist mit leichten Kunststoff-Schutzblechen, einem MIK-kompatiblen Gepäckträger und einer Lichtanlage ausgestattet, die zusätzlich über ein Bremslicht verfügt. Ihr müsst also nur den Akku eures Bikes laden und könnt anschließend losfahren – zum Einkaufen, zum Sport oder zur Arbeit.
Der Gepäckträger eignet sich gut, um Seitentaschen zu befestigen, und die Lichtanlage wird direkt vom Haupt-Akku gespeist. Top!


Für die Abenteuerlustigen unter euch gibt es an der Gabel zusätzliche Aufnahmen, um Bikepacking-Taschen zu befestigen. Im Rahmendreieck lassen sich zudem am Sattelrohr und unter dem Oberrohr ein Flaschenhalter und ein Schlosshalter montieren – so muss man auch daran nicht mehr denken. Ein gutes Schloss ist beim ersten Kalkhoff E-Gravel-Bike auch essenziell, denn anders als das Kalkhoff Entice 7, das wir bereits bei unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE im Test hatten, verfügt das Kalkhoff über kein Bosch ConnectModule zur Ortung. Schade.

Nicht unbedingt schade, aber alles andere als State-of-the-Art ist die Umsetzung des Speedsensors: Statt auf eine heutzutage übliche, integrierte Lösung – etwa in der Bremsscheibenaufnahme – setzt Kalkhoff auf einen Speichenmagneten und einen exponierten Kunststoff-Sensor an der Kettenstrebe. Das erinnert eher an einen nachgerüsteten Fahrradcomputer als an ein modernes E-Bike-System.

Erhältlich ist das Kalkhoff Endeavour L Touring in den Größen S bis XL und soll damit Körpergrößen von 150 bis 196 cm abdecken. Mit 21,52 kg auf unserer Waage ist es allerdings kein Leichtgewicht. Bei 130 kg zulässigem Gesamtgewicht bleiben rechnerisch rund 108,5 kg für Fahrer:in und Gepäck – inklusive allem, was auf dem MIK-Gepäckträger landet. Bei großen Personen wird es da schnell knapp mit der Zuladung.


Was für Ausstattungs-Highlights bringt das Kalkhoff Endeavour L Touring mit?
Die Ausstattung des E-Gravel-Bikes Kalkhoff Endeavour L Touring umfasst stabile Alu-Parts bei Lenker, Vorbau und Laufrädern. Die Zweikolbenbremse kommt von TRP und wird mit einer 180-mm-Scheibe vorne und einer 160-mm-Scheibe hinten kombiniert. Ebenfalls von TRP stammt die Schaltung – genauer gesagt die TRP Electric E.A.S.I. A11. Sie verfügt über 11 Gänge und jetzt kommt der Clou: Sie übernimmt das Schalten automatisch. Alternativ lässt sie sich halbautomatisch oder manuell fahren – je nach Vorliebe.
Aktiviert wird der gewünschte Modus über einen kleinen Button am rechten Ende der Dropbar. Auf dem Display erscheint dann M, M+ oder A – je nachdem, ob manuell, halbautomatisch oder vollautomatisch geschaltet wird. Hält man den Button länger gedrückt, lässt sich zudem der aktuell eingelegte Gang anwählen.
Kalkhoff Endeavour L Touring
4.199 €
Ausstattung
Motor Bosch Performance Line SX 60 Nm
Akku Bosch CompactTube 400 Wh
Display Bosch Purion 400
Fork Aluminium mit Lowrideraufnahme mm
Dämpfer mm
Sattelstütze Aluminium mm
Bremsen TRP 180/160 mm
Schaltung TRP E.A.S.I. 1x11
Vorbau Aluminium mm
Lenker Aluminium 420 mm
Laufradsatz Aluminium 29"
Reifen Schwalbe G-One Overland Perfomance ****
Technische Daten
Größe S, M, L, XL
Gewicht 21,52 kg
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 130 kg
Ständeraufnahme Ja
Besonderheiten
eigene Kalkhoff App
Automatische Schaltung
Was kann der Motor im Kalkhoff Endeavour L Touring?
Der 400-Wh-Akku befeuert den Bosch Performance Line SX-Motor, die Light-Assist-Variante des schwäbischen Herstellers. Er liefert 60 Nm Drehmoment und bis zu 600 W maximale Leistung – Werte, die gut zu einem E-Gravel-Bike mit dem angestrebten Einsatzzweck passen. Die Mini Remote, mit der ihr die Unterstützungsstufen wählt, sitzt direkt neben dem Vorbau – etwas exponiert, aber praktisch. In Kombination mit dem Purion 400-Display, das auf der rechten Seite des Vorbaus sitzt und die wichtigsten Fahrdaten anzeigt, ergibt sich ein aufgeräumtes und funktionales Cockpit. Was der Bosch SX-Antrieb kann und welche Reichweiten bzw. Reichhöhen sich damit erzielen lassen, hat unser Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE bereits ausführlich getestet. Nur soviel: Unter den leichten Motoren mit um die 2 kg Gewicht ist der Bosch Performance Line SX einer der stärksten überhaupt und sollte damit auch im ersten Kalkhoff E-Gravel-Bike für souveräne Fahrleistungen sorgen – eine hohe Trittfrequenz vorausgesetzt. Der Ladeport sitzt gut erreichbar und von einer Klappe geschützt am Sitzrohr oberhalb des Motors.
Wie fährt sich das Kalkhoff Endeavour L Touring auf Schotter und im Alltag?
Komfort und Kontrolle sind die Aushängeschilder des Kalkhoff Endeavour L Touring – Race-Performance stand hingegen nicht auf der Prio-Liste. Die Sitzposition fällt dementsprechend angenehm aufrecht aus, man tritt entspannt von oben in die Pedale, ohne viel Druck auf den Händen. Das funktioniert sowohl auf der Wochenendrunde durch die Weinberge als auch auf längeren Pendelstrecken. Der Dropbar-Lenker liegt gut in der Hand und unterstreicht das entspannte Fahrgefühl – außer man geht bewusst in den Unterlenker und zieht am Berg am nächsten Rennradfahrer vorbei.
Im Handling trifft das Kalkhoff genau den richtigen Ton: nicht nervös-direkt, aber auch nicht träge. Eher wie ein gut abgestimmter Kombi statt eines Sportwagens – berechenbar, stabil und genau das, was man sich für Alltag und Tour wünscht. In schnellen, langgezogenen Abfahrten bleibt das Bike ruhig und kontrollierbar, selbst wenn Gullideckel oder schlechte Asphaltstücke die Linie stören.
Wechselt man von der Straße auf den Feldweg, spielt das Endeavour L Touring seine Vielseitigkeit erst so richtig aus. Die Schwalbe G-One Overland-Reifen sind keine Spezialisten, sondern solide Allrounder. Sie funktionieren auf vielen Untergründen zuverlässig, ohne dass man ständig über den Einsatzbereich nachdenken muss.
Bei alldem hält sich der Bosch Performance Line SX-Motor angenehm im Hintergrund. Auf flachen Passagen fährt man schnell über die 25-km/h-Grenze hinaus, der Übergang wirkt natürlich und flüssig. Seine Stärke zeigt der Motor vor allem am Anstieg – etwa auf dem Heimweg vom Office den letzten Hügel hinauf. Im Tour-Modus unterstützt er gleichmäßig, im Turbo-Modus hilft er dabei, ohne Schweißflecken anzukommen. Hält man die Trittfrequenz hoch, steht der SX einem Full-Power-Antrieb wie dem Bosch Performance Line CX (ohne Performance-Upgrade) kaum nach.
Prägender noch als der Motor ist jedoch die automatische Schaltung. Sie nimmt euch viel Arbeit ab und hält die Kadenz konstant. Die Automatik reagiert minimal verzögert bei schnellen Tempowechseln, bleibt aber zuverlässig und passt damit zum entspannten Charakter des Bikes. Wenn es nicht gerade sportlich zugehen soll, können wir euch die Automatik nur ans Herz legen.
Ebenso gut gefallen hat uns die Lichtanlage, die im Dunkeln für gute Sicht und zuverlässige Ausleuchtung sorgt. Ein echtes Fernlicht fehlt zwar, und bei schnellen Abfahrten lohnt es sich, den Winkel anzupassen – im Alltag funktioniert das Setup aber unkompliziert. Auch mit voll beladenem Gepäckträger bleibt das Kalkhoff stabil und gut kontrollierbar. Der Seitenständer ist zudem hochwertig und hält zuverlässig, was man von ihm erwartet: das Rad.
Ein Sofa auf zwei Rädern ist das Kalkhoff nicht. Dafür fehlt dem Endeavour L Touring einfach die Federung. Trotzdem bewegt es sich für ein E-Gravel-Bike klar auf der komfortableren Seite: Unebenheiten werden spürbar gefiltert, ohne dass das Fahrgefühl schwammig wird. Die 50 mm breiten Reifen spielen hier ihre Stärken aus – erst recht, wenn sie mit moderatem Luftdruck gefahren werden. Das erhöht Fahrkomfort und Grip gleichermaßen.
Für wen ist das Kalkhoff Endeavour L Touring das richtige Bike?
Das Kalkhoff Endeavour L Touring richtet sich an alle, die ein vielseitiges Bike für den Alltag suchen, ohne auf einen Hauch Abenteuer verzichten zu wollen. Pendler:innen, die nicht nur auf Asphalt unterwegs sind, sondern auch Schotterwege, Feldwege oder den Umweg am Fluss mitnehmen, finden hier einen zuverlässigen Begleiter.
Dank der komfortablen Sitzposition, der stabilen Fahreigenschaften und der durchdachten Ausstattung eignet sich das Bike besonders für alle, die regelmäßig längere Strecken fahren – egal ob zur Arbeit oder auf Tour. Die automatische TRP-Schaltung und der unauffällige Bosch SX-Motor nehmen dabei viel Stress aus dem Alltag und machen das Fahren angenehm unkompliziert.
Weniger geeignet ist das Kalkhoff für alle, die maximale Sportlichkeit oder echtes Offroad-Potenzial suchen. Wer aggressiv fahren, Trails jagen oder ein möglichst leichtes Performance-Bike will, wird hier nicht fündig.

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Fazit zum Kalkhoff Endeavour L Touring
Das Kalkhoff Endeavour L Touring zeigt, wie sinnvoll ein E-Gravel-Bike im Alltag sein kann. Komfortable Sitzposition, stabiles Handling und die automatische TRP-Schaltung machen es zum entspannten Begleiter zum Pendeln und auf Tour. Kritik gibt es für das hohe Gewicht, den wenig eleganten Speedsensor und das fehlende ConnectModule – Details, die nicht ganz ins moderne Gesamtbild passen. Dennoch erhaltet ihr mit dem Kalkhoff Endeavour L Touring ein Bike, dass das Thema E-Gravel neu interpretiert und den Praxisnutzen in den Mittelpunkt rückt: auf Schotter solide, im Alltag stark – ein vielseitiger Allrounder mit echtem Nutzwert und klarer Ausrichtung.
Tuning-Tipp: Klingel nachrüsten für mehr Sicherheit im Straßenverkehr
Tops
- komfortable, entspannte Sitzposition
- automatische Schaltung
- hohe Alltagstauglichkeit mit Licht, Schutzblechen und MIK-Gepäckträger
- stabiles, kontrolliertes Handling mit Gepäck
- entnehmbarer 400-Wh-Akku
- kraftvoller, leichter und unauffälliger Motor
Flops
- kein Leichtgewicht
- Speedsensor nicht schön integriert
- kein Bosch ConnectModule zur Ortung
- auf Schotter solide, aber kein Offroad-Spezialist
Mehr Infos unter findet ihr unter Kalkhoff.com
Words: Robin Ulbrich, Patrick Gruber Photos: Jan Fock
