Mit der App DB Rad+ der Deutschen Bahn soll die Fahrradinfrastruktur verbessert werden. Die anonymisierten Fahrdaten der Bike-Community helfen Kommunen bei der Verkehrsplanung. Städte wie Paris, Kopenhagen oder Amsterdam? Vielleicht noch ein Wunschbild, aber jeder Vorwärtsweg zählt. Wir haben die App im Einsatz – und ihre lukrativen Benefits entdeckt.

Wer kennt es nicht: Wir fahren auf Radwegen, entlang Feldern, fernab von großen Straßen. Die Gedanken hier draußen auf dem Rad kommen und gehen, klarer als noch in den stickigen Räumen zuvor. Alles scheint viel leichter, Probleme lösen sich in Luft auf. Die Luft? Tut richtig gut, selbst eingepackt im Winter.

Wir nähern uns der Stadt, den stärker befahrenen Straßen. Von unserem Fahrradweg aus erhaschen wir gestresste Blicke von Autofahrer*innen in der stehenden Kolonne, die wir kontinuierlich überholen. Unsere Strecke unter den Bäumen führt uns flott voran. Es rollt.

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Bis der rote Fahrradweg urplötzlich aufhört. Ohne Vorankündigung. Zack, befinden wir uns auf einer Straße. Schnell umschauen, einfädeln oder warten und gefährliche Lücken suchen. Fußgängerweg? Geht nicht, sein Name ist Programm. Irgendwie schlängeln wir uns gedrängt auf der Straße weiter, gelangen auch immer wieder auf kurze Radwege, meist als Schmelztiegel mit aufgemalten Rad-Markierungen auf der Straße. Es rollt wieder. Wooaarr – Vollbremsung! Ein Autofahrer von rechts hat die Vorfahrtsstraße nicht als solche erkannt. Gerade noch gut gegangen.

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Dann der breitere Radweg neben der langen Verkehrsstraße: Gelegenheit für einen kurzen Plausch mit den Pendelnden. Ist hier ja locker möglich, wo sonst die Handynacken nach unten hängen. Doch bei der dritten roten Ampel fragen wir uns: Warum stehen wir so lange auf der Bike-Lane, während die Autos auf der Straße neben uns weiterfahren? Vielleicht liegt es an der Ampelschaltung? Egal, wir haben zum Klimaschutz und unserer Gesundheit beigetragen und sind insgesamt eh besser vorangekommen. Aber ehrlich gesagt: Es könnte noch viel besser sein.

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Flüssiger pendeln mit freiem Kaffee & Rabatten

Genau dafür wurde die App DB Rad+ der Deutschen Bahn (DB) ins Leben gerufen. Denn um solche stockenden oder brisanten Hindernisse zu erkennen, werden jede Menge Fahrdaten benötigt. Radfahrende können deshalb mit der App bundesweit ihre anonymisierten Mobilitätsdaten spenden. Entwickelt hat sie die Deutsche Bahn zusammen mit der Agentur Scholz & Volkmer, die Nachhaltigkeit nicht nur kommuniziert, sondern auch auslebt. Und wo sonst gelingt das besser als auf zwei Rädern – ob auf dem Weg zur Arbeit oder zu privaten Unternehmungen.

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Neben einem flüssigen, sicheren Radverkehr geht es bei der App um die Fragen: Wie kommen Pendelnde weiter Strecken zur Bahn, wie lässt sich das mit Radwegen verknüpfen und diese Form der nachhaltigen Mobilität optimieren? Wo sind mehr Fahrradparkplätze nötig? Alles wichtige Daten, um zu einer verbesserten Infrastruktur beizutragen. Gestartet ist das Projekt in Hamburg – mit riesigem Feedback, sodass die App noch während ihres Pilotbetriebs in weiteren Städten live ging. Seit September 2025 – mit bisher über 41 Millionen aufgezeichneten Radkilometern (über die Winterzeit) – ist sie nun bundesweit verfügbar.

Dabei sind die App-Nutzer*innen nicht nur Datensammler: Jeder pedalierte Kilometer wird als Kilometerguthaben auf ein persönliches Konto addiert. Das Guthaben lässt sich dann gegen verschiedene Prämien der teilnehmenden Partnerunternehmen eintauschen: Ab den ersten Kilometern z. B. für Kaffee, Bioäpfel und andere Goodies. Und bei etwas mehr Strecke für DB-Reisegutscheine, Guthaben für Bikesharing, Stadtrundfahrten bis hin zu Rabatten – etwa bei VAUDE, deuter, Jack Wolfskin, KED oder Ryzon. Je nach Angebot direkt vor Ort im Geschäft oder über die Bezahlfunktion in der App. Klar, warum nicht mal mit unseren strammen Waden bezahlen?

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Und die Bahn? Auch sie schreibt – teilweise gemeinsam mit Kommunen – Benefits aus, mit verschiedenen Ziellinien im Visier: Bei Erreichen einer bestimmten Kilometergrenze werden Maßnahmen durchgeführt, von denen alle in ihrem eigenen Aktionskreis profitieren. Beispielsweise werden Rad-Repair-Säulen installiert oder Fahrradparkplätze erstellt. Beteiligte Partner-Unternehmen haben ebenfalls etwas davon: Sie erhalten eine kostenlose Werbeplattform und mehr Sichtbarkeit. Das ganz große Ziel jedoch: der reduzierte Autoverkehr und eine ruhigere, grünere, gesündere Stadt.

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Von der App zur Couch

Die App gibt es für iOS- und Android-Betriebssysteme und ist kostenlos. Eine Registrierung ist nicht nötig. Das System erkennt die Fortbewegung auf dem Rad, sobald ihr das GPS eingeschaltet und die App aktiviert habt. Bei all unseren Einsätzen funktionierte sie tadellos und wir sammeln noch fleißig Kilometer. Die Lokale und Unternehmen, die an der Aktion teilnehmen, findet man in der App und auf der Rad+ Website.

Wir sind zuhause angekommen und fühlen uns einfach gut. Müssen nicht mal mehr dem Druck einer sportlichen Bewegung nachgeben. Die stickige Fitnessstudioluft können wir uns schenken. Vielleicht zuhause noch ein paar Kraftübungen, dann lässt es sich locker ins Stretching über auf der Couch übergehen oder zu einem Treffen mit Freunden und Freundinnen. Morgen bewegen wir uns ja wieder. Und unterstützen die Daten zur App, dann läuft‘s vielleicht bald noch besser.

Weitere Informationen unter radplus.bahnhof.de

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Words: Simone Giesler Photos: Diverse