Als moderne Stadtmenschen habt ihr einen vielseitigen und vollgepackten Alltag: Arbeit, Sport, Einkäufe erledigen und Treffen im Freundeskreis sind nur eine kleine Auswahl eurer täglichen Termine. Um sie alle auf zwei Rädern erledigen zu können, braucht es ein Bike, das den unterschiedlichen Anforderungen des Alltags gerecht wird. Zur Arbeit muss es euch trocken bringen – sowohl mit Schutzblechen, die vor Spritzwasser schützen, als auch mit E-Motor, der euch vor dem Schwitzen bewahrt. Für eure Einkäufe braucht es eine ordentliche Zuladung sowie clevere Transportlösungen und für den Weg zum Sport muss es Yogamatte und Co. transportieren können.

Das Coboc Brixton kommt mit zwei Gepäckträgern und soll damit den nötigen Nutzwert bieten. Der Radhersteller Coboc, der in diesem Jahr das 10-jährige Firmenjubiläum feiert, nennt das Urban Utility. Dabei soll das Brixton nicht sofort als E-Bike erkennbar sein: Vielmehr spielt es in der Liga der von Coboc sogenannten Slim-E-Bikes. Trotz des Akkus im Unterrohr bleibt die Silhouette des Rades schlank und zudem wird auf ein feststehendes Display verzichtet. Unterstützungsstufe und Licht werden über einen einzelnen Knopf gesteuert, der unter dem Oberrohr integriert ist. Alternativ kann die Bedienung über die Coboc-App erfolgen, über die auch eine Navigationsfunktion zur Verfügung steht.
Das Branding ist Coboc-typisch sehr dezent gehalten und die Rahmenformen wirken äußerst klassisch, ohne langweilig zu sein: Stattdessen spiegeln sie einen modernen, urbanen Lifestyle wider. Mit der Kettenabdeckung, den Gepäckträgern an Front und Heck sowie dem Licht auf dem vorderen Schutzblech lädt das Bike allerdings auf den ersten Blick eher zum Cruisen ein, als den Eindruck zu erwecken, ein progressiver Komplize für den heißen Ritt durch die verbrennungsmotorisierten Blechlawinen zu sein. Bei näherer Betrachtung wirkt das Coboc dann etwas unfertig. Die Kurbelwelle steht auf der Nichtantriebsseite weit aus dem Tretlager heraus und die Schweißnähte sind zwar massiv, aber stellenweise etwas unsauber. Das Brixton gibt es in den Varianten DMT, einem klassischen Diamantrahmen, und TPZ, der wiederum als Trapezrahmen mit abgesenktem Oberrohr kommt. Das Bike kostet 3.999 € und ist in den Größen S, M und L verfügbar. Wir haben das Coboc Brixton DMT für euch getestet. Das Testrad wog in Größe M fahrfertig mit Pedalen 18,36 kg.
Auf eigene Faust: Der Antrieb des Coboc Brixton
Coboc hat sich auf die Fahne geschrieben, E-Bikes zu bauen, die nicht sofort als solche zu erkennen sind. Um das zu gewährleisten, setzen die Heidelberger nicht auf Motoren und Akkus von großen Herstellern, sondern entwickeln diese Komponenten selbst. Dadurch kann das Unternehmen beim Design der Komponenten eigene Wege gehen und den Antrieb an die schlanken Formen der Coboc-Räder anpassen. Einzig der Coboc CBC01-Nabenmotor im Hinterrad outet das Rad bei näherer Betrachtung als E-Bike. Der Motor liefert maximal 250 W Dauer- und bis zu 500 W Spitzenleistung. Das maximale Drehmoment liegt mit 30 Nm etwas unter der oft verbauten Konkurrenz von MAHLE Ebikemotion, deren X35+ Motor 40 Nm stark ist. Zum Vergleich: Der beliebte Bosch Performance CX-Motor erzeugt ein Drehmoment von bis zu 85 Nm. Das geringere Drehmoment im Coboc macht sich vor allem mit Beladung an Anstiegen bemerkbar, wohingegen die Leistung im Flachen ausreichend ist, um entspannt durch die Stadt zu cruisen. Die Zu- und Abschaltung des Motors fühlt sich sehr unauffällig und natürlich an.




Der Drehmomentsensor im Tretlager misst dabei die Leistung, die durch Muskelkraft aufs Pedal gebracht wird, und richtet die Unterstützung des Motors daran aus. Das heißt: Je stärker man tritt, desto mehr wird man unterstützt – zumindest bis zur gesetzlich festgelegten 25-km/h-Grenze. Der Krafteinsatz des Motors ist allerdings teils etwas verzögert. Vor allem beim Anfahren in einem großen Gang muss man für eine knappe Viertelumdrehung viel Kraft aufbringen, bevor einem der Motor unterstützend zur Seite springt. Im Unterrohr versteckt sich der Coboc Core Pack-Akku mit einer Kapazität von 380 Wh. Die Kapazität des Akkus reicht, um gute 90 Minuten mit voller Motorleistung zu fahren. In den allermeisten Fällen dürfte das für die täglichen Fahrten in der Stadt genügen. Geladen wird der Akku über die Ladebuchse unter dem Oberrohr – eine gute Stelle, ist sie doch vor Blicken versteckt und gleichwohl gut erreichbar. Ein Aufladen des Akkus außerhalb des Bikes ist aber nicht möglich. Die Steuerung des Brixton erfolgt über einen Knopf, der sich vor der Ladebuchse ebenfalls unter dem Oberrohr befindet. Um das Rad ein- bzw. auszuschalten, müsst ihr einmal kurz auf den Knopf drücken. Mit einem „Doppelklick“ wechselt ihr zwischen den beiden Fahrmodi und mit einem langen Druck kommt ihr ins Lichtmenü, wo ihr dann die Vorder- und Rückleuchte mit einem kurzen Druck des Knopfs an- oder ausschalten könnt. Bei den Fahrmodi habt ihr die Auswahl zwischen Regular und Power, die sich in Unterstützungsstufe und Ansprechverhalten unterscheiden. Beide Modi könnt ihr über die Coboc-App an eure Bedürfnisse anpassen und Unterstützungsstufe und Ansprechverhalten auf einer Skala von 1 bis 10 auswählen.
Die Details des Coboc Brixton DMT
Das Coboc Brixton ist in den beiden Rahmenformen DMT und TPZ jeweils in drei Größen erhältlich, deren Staffelung sich je nach Rahmenform unterscheidet. Wir sind das Brixton DMT in Größe M gefahren und unser Testfahrer mit einer Körpergröße von 1,84 m kam damit sehr gut zurecht. Die Größenempfehlungen von Coboc für beide Rahmenformen findet ihr in der Tabelle.
| Rahmengröße | S | M | L |
|---|---|---|---|
| Körpergröße für Brixton DMT | 165–178 cm | 175–188 cm | ab 185 cm |
| Körpergröße für Brixton TPZ | 155–168 cm | 165–178 cm | 175–188 cm |
Sowohl der Rahmen als auch die Gabel des Coboc Brixton sind aus Aluminium gefertigt. Da durch den Akku im Unterrohr keine Bohrungen angebracht werden können, befinden sich die Montagemöglichkeiten für die Flaschenhalter oder das Schloss am Sitzrohr und am hinteren unteren Teil des Oberrohrs. Auch die Gabel verfügt beidseitig über drei Bohrungen, wobei an der untersten jeweils die Halterung des Schutzblechs befestigt ist. An den oberen Bohrungen können Flaschen- oder sonstige Halter befestigt werden. Das sind sehr viele Anschraubpunkte für ein Bike, dessen Einsatzgebiet hauptsächlich in der Stadt liegen dürfte, und das zusätzlich über zwei Gepäckträger verfügt. Beide Gepäckträger sind mit dem Snapit 2.0-System kompatibel und können dadurch eine Vielzahl an unterschiedlichen Körben und Taschen aufnehmen. So kann für jede Ladung einfach die passende Transportlösung gefunden werden – sehr gut!
Der vordere Gepäckträger darf 10 kg, der hintere 20 kg laden. Aber Achtung: Wenn das Bike voll beladen ist, steht es ziemlich instabil auf dem Seitenständer und kann leichter umkippen. Das gilt vor allem, wenn ihr den vorderen Gepäckträger richtig vollpackt. Das zulässige Gesamtgewicht von 140 kg geht für ein Bike dieser Kategorie absolut in Ordnung. Nach Abzug des Bike-Gewichts von 18,36 kg bleiben demnach also für euch, euren Rucksack und eure Einkäufe gute 120 kg Spielraum übrig.
Tech-Talk: Ausstattung und technische Daten des Coboc Brixton
An dem von uns getesteten Bike waren bei Schaltung und Bremsen noch Shimano-Komponenten verbaut. Aufgrund von schlechter Verfügbarkeit werden sie für das Serienmodell allerdings ausgetauscht, um die Lieferzeit im Rahmen zu halten. Laut Coboc soll sich die Serienausstattung aber sowohl qualitativ als auch beim Nutzwert auf gleichem Niveau befinden wie die an unserem Testrad verbaute Shimano-Ausstattung. Die unten gezeigte Ausstattung ist die Serienausstattung des Bikes.
Coboc Brixton DMT
3.999 €
Ausstattung
Motor Coboc CBC01 30 Nm
Akku Coboc Core Pack 380 Wh
Bremsen RIDEREVER ARC-U 180/160 mm
Schaltung SRAM NX 1x11
Reifen Schwalbe Marathon Almotion 27,5 x 2,15”
Technische Daten
Größe S M L
Gewicht 18,36 kg
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 140 kg
Max. Zuladung (Fahrer) 121,64 kg
Besonderheiten
Gepäckträger vorne und hinten
Litemove SE-110D-Licht
B & M ILU SR-Rücklicht
Auf dem Papier ist das Coboc Brixton mit einer 180-mm-Bremsscheibe vorne und einer 160-mm-Bremsscheibe hinten gut ausgestattet, um auch in brenzligen Situationen schnell und gut dosierbar zum Stand zu kommen. Über die Qualität und Performance der in Serie verbauten RIDEREVER-Bremsen können wir leider keine Aussage treffen.
Bei der Schaltung kommt am Serienrad eine SRAM NX-Schaltung aus dem Mountainbike-Bereich zum Einsatz, die mit ihrer Abstufung alle Geschwindigkeitsbereiche des Coboc Brixton abdecken dürfte: vom Anstieg mit beladenen Gepäckträgern bis hin zur schnellen Bergabfahrt. Die Schwalbe Marathon Almotion-Reifen sind breit genug, damit ihr in der Stadt auch vor Straßenbahnschienen keine Angst haben müsst, sie rollen leichtgängig auf Asphalt und sorgen für eine angenehme Vibrationsdämpfung des Bikes. Das B & M ILU SR-Rücklicht ist ins hintere Schutzblech integriert und sorgt für hervorragende Sichtbarkeit, während vorne die Litemove SE-110D-Leuchte auf dem Schutzblech thront und den Weg erhellt. Beide Lichter sind StVZO-konform.
So fährt sich das Coboc Brixton DMT
Wir können es kurz machen: Das Handling des Coboc Brixton DMT lässt keine Wünsche offen! Seine Kombination aus Laufruhe und Agilität wirkt intuitiv und berechenbar. Trotz der direkten Umsetzung von Lenkbefehlen ist das Handling dabei nie nervös. Das Rad hat einen guten Geradeauslauf – auch über der gesetzlichen 25-km/h-Schwelle –, lässt sich bei höheren Geschwindigkeiten präzise um weite Radien carven und bei langsamer Fahrt flink um Hindernisse zirkeln. Das Brixton hat zwar keine Federung, dämpft aber hauptsächlich dank der voluminösen Schwalbe-Reifen Vibrationen und kleinere Schläge ausreichend gut für den städtischen Bedarf. Für größere Schläge von Bordsteinkanten oder Schlaglöchern reicht die Dämpfung aber nicht aus. Sie werden direkt an die Fahrenden weitergegeben und wirken auf längeren Touren ermüdend.
Der Gesamtkomfort ist also für den Einsatzbereich des Bikes bei städtischen Alltagsfahrten völlig ausreichend, für lange Fahrten über aufgebrochenen Asphalt und Schotter aber zu gering. Die Reifen haben hingegen mit leichtem Profil genügend Reserven, um auch mit Schotterabschnitten fertig zu werden, und rollen trotzdem angenehm leichtgängig auf Asphalt. Im Alltagseinsatz hat sich für uns jedoch ein großes Manko am Coboc ergeben: Das Bedienelement ist so positioniert, dass ihr die Hand vom Lenker nehmen müsst, um zwischen den Fahrmodi zu wechseln oder um das Licht an- und auszuschalten. Das kommt zwar nicht oft vor, ist aber gerade im engen Stadtverkehr ungünstig, da man in diesem Moment nicht bremsbereit ist.Am besten stellt ihr also schon vor dem Ride alles passend ein oder wechselt den Modus schnell an der Ampel, damit ihr euch anschließend voll auf das Fahrerlebnis konzentrieren könnt.
Unser Fazit zum Coboc Brixton
Mit dem Coboc Brixton bringen die Heidelberger ein vielseitiges E-Bike auf den Markt, das auf den ersten Blick kaum als solches zu erkennen ist. Seine vielseitige Gepäckaufnahme und das ausgewogene Handling machen es zum praktischen Begleiter auf fast allen städtischen Wegen. Wer Wert auf einen aufgeräumten Style legt und primär im Flachen unterwegs ist, wird hier fündig. Wer hingegen Komfort auf langen Touren und Shuttle-Feeling an den steilsten Anstiegen sucht, findet woanders bessere Bikes.
Tops
- ausgewogenes und intuitives Handling
- vielseitiger Gepäcktransport durch Snapit 2.0-Gepäckträger
- gute Lichtanlage mit sehr hellem Rücklicht
- schlanke Silhouette
Flops
- zu geringes Drehmoment für steile Anstiege
- eingeschränkter Komfort auf langen Touren
- Schweißnähte und herausstehende Kurbelwelle wirken rustikal
- unsicherer Stand auf dem Seitenständer bei voller Beladung
Weitere Informationen findet ihr unter coboc.biz

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