Ohne Kette, Schaltung und Schalthebel, dafür aber mit neuem Bosch Naben- statt Mittelmotor. Canyon dreht beim neuen Roadlite:ON CF das Konzept E-Urban-Bike einfach um. Dazu kommen das gesunkene Gewicht und ein geringerer Preis. Weniger Technik, weniger Geld – doch was macht das mit dem Fahrspaß? Ihr erfahrt es hier im Canyon Roadlite:ON CF Test.

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Canyon Roadlite:ON CF | Bosch Hub Line/360 Wh |
14,26 kg in Größe L | 2.999,00 € | Hersteller-Website

Als Canyon 2023 das erste Roadlite vorstellte, ging es den Koblenzern offensichtlich nicht nur darum, das E-Bike als Nutzfahrzeug, sondern auch als Designobjekt zu positionieren: cleane Integration, fast unsichtbare Leitungen, ein Motor, der komplett in der Silhouette verschwindet, als wolle er gar nicht gesehen werden. Der Preis für dieses Statussymbol: 4.999 € – mehr Schmuckstück als Alltagshelfer. Zwei Jahre später zieht Canyon einen anderen Schluss aus derselben Idee: Wenn Reduktion das Ziel ist, warum dann noch Schaltung und Kette mitschleppen? Beim neuen Roadlite:ON CF fliegen Mittelmotor, Kette und Schaltgruppe komplett raus, ein neuer Bosch Nabenmotor und ein Gates-Riemen übernehmen. Aus dem Design-Statement wird ein Reduktions-Experiment: leichter, einfacher, wartungsärmer und für deutlich weniger Geld: 2.999 € kostet das neue Modell.

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Das Canyon Roadlite:ON CF im Detail – Rennrad light?

Ein Fahrrad ohne Kette zu bauen, ist relativ einfach. Ein Fahrrad ohne Kette zu bauen, das trotzdem wie ein durchdachtes Gesamtkonzept wirkt und nicht wie ein halbfertiges Rennrad – das ist die eigentliche Übung, an der sich Canyon beim neuen Roadlite:ON CF versucht hat. Die Formensprache der Frontpartie leiht sich Canyon dabei vom eigenen Aeroad, während der auffällige Knick im Oberrohr aus dem CX-Bike Inflite stammt: Wer das Bike im Treppenhaus über die Schulter nehmen muss, wird das zu schätzen wissen. Dass hier nirgendwo eine Kette oder ein Schaltwerk die klare Linie stört, verstärkt den aufgeräumten Eindruck zusätzlich.

Erhältlich ist das Roadlite:ON CF in zwei Farben: dem cleanen White Pearl unseres Test-Bikes und einer unauffälligen Stealth-Variante in Schwarz für alle, die es dezenter mögen. Verfügbar ist das Roadlite:ON CF aktuell in zwei Rahmengrößen: M für 165–180 cm und L für 180–200 cm Körpergröße.

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Schick integriert
Der Ladeport für den Bosch PowerTube-Akku sitzt sauber integriert im Unterrohr und stört die cleane Linie des Rahmens nicht.
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Erbstück vom Inflite
Der markante Knick im Oberrohr ist dem CX-Bike Inflite entlehnt und macht das Schultern im Treppenhaus spürbar angenehmer.

Das Herzstück ist der brandneue Bosch Hub Line-Nabenmotor – Boschs allererster eigener Nabenantrieb. Mit 2,3 kg Gewicht, 45 Nm maximalem Drehmoment und 400 W Spitzenleistung ist er auf kompakte, urbane Bikes zugeschnitten, nicht auf Bergziegen-Power. Warum der Anblick täuscht, dazu später mehr. Insgesamt stehen vier Fahrmodi zur Verfügung: Eco, Tour, Auto und Turbo. Über die Bosch-App lassen sie sich individuell anpassen, gesteuert wird über ein schlankes LED-Bedienfeld am Lenker. Die Energie liefert der neue, sehr kompakte PowerTube-Akku mit 360 Wh, der laut Hersteller für bis zu 90 km Reichweite gut sein soll. Bluetooth-Konnektivität ist ebenfalls mit an Bord des Smart-Systems.

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Canyon Roadlite:ON CF

2.999 €

Ausstattung

Motor Bosch Hub Line 45 Nm
Akku Bosch PowerTube 360 Wh
Display Bosch LED Controller
Sattelstütze Canyon SP0041-02
Bremsen Promax DC946 180 mm
Schaltung Gates Sidetrack Belt (Single) 1x1 (60T x 22T)
Vorbau Canyon CP0004 80 mm
Lenker Canyon CP0004 680 mm
Laufradsatz Alexrims GD30 28"
Reifen Continental Grand Prix Urban 35 mm

Technische Daten

Größe M L
Gewicht 14,26 kg
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 140 kg
Ständeraufnahme Ja

Besonderheiten

Singlespeed Riehmenantrieb
Bosch Hub Line Nabenmotor
SPC+ Handyhalterung im Cockpit

Am Cockpit sitzt der hauseigene Carbon-Lenker von Canyon mit 680 mm Breite und integrierter SP-Connect+ Smartphone-Aufnahme. Für Sicherheit sollen ein Sate-C23-Frontscheinwerfer sowie ein Sate-Rücklicht mit integriertem Bremslicht sorgen, beides unauffällig ins Design eingebunden. Gebremst wird über Promax-DC946F/R-Scheibenbremsen.

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Alles im Griff
Die kompakte Bosch-Remote am Lenker steuert Unterstützungsstufen und Schiebehilfe, ohne das aufgeräumte Cockpit zu stören.
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Schmal, aber flott
Die Continental Grand Prix Urban in 35 mm sorgen für geringen Rollwiderstand, lassen für mehr Komfort aber noch Luft nach oben.
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Boschs erster Nabenmotor
Kompakt, leicht und mit Gates-Riemen kombiniert: Der neue Bosch Hub Line-Motor treibt das Roadlite:ON CF fast unsichtbar, aber deutlich spürbar an.

Bei den Anschraubpunkten hat Canyon mitgedacht, ohne die Optik zu opfern: Optional lassen sich Flaschenhalter, ein Rahmenschloss, Schutzbleche und ein Gepäckträger nachrüsten – wer will, baut das Bike so zum Pendlerrad um, ganz ohne dass man ihm das ab Werk ansieht. Gefahren wird auf Alex-Rims GX26P-Laufrädern mit schmalen Continental Grand-Prix-Urban-Reifen in 35 mm, dazu kommen ein Selle Royal SRX-Sattel und ein Atran Edge-Seitenständer.

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Das Canyon Roadlite:ON CF auf der Straße

Der Bosch Hub Line-Motor ist neu am Markt, und wer angesichts der kompakten 2,3 kg und der moderaten 45 Nm mit einem zahmen Antritt gerechnet hat, wird eines Besseren belehrt: Im Turbo-Modus zieht der Motor sehr direkt an und schiebt mit voller Schubkraft los, überraschend kraftvoll für ein Aggregat dieser Größe. Genauso überzeugend ist, wie schnell man dabei auf Tempo kommt – und wie zuverlässig man es dort auch hält, trotz der schmalen 35-mm-Reifen, die dafür eigentlich wenig Vortrieb-Reserven vermuten lassen. Dazu passt das geringe Gewicht: Auf unserer eigenen Waage steht das Roadlite:ON CF bei 14,26 kg – minimal über Canyons Werksangabe von 13,95 kg, aber immer noch ein Leichtgewicht im E-Bike-Feld.

Die Grenze setzt hier nicht der Motor, sondern die Übersetzung, die der Singlespeed-Antrieb hergibt. Auf schnellen Passagen oder an steilen Rampen stößt man an das Limit, dann tritt man gegen die eigene Kadenz statt mit ihr. Im Alltag übernimmt der Motor aber ohnehin den Großteil der Arbeit, sodass man sich um die nicht immer optimale Trittfrequenz wenig Gedanken machen muss – man tritt einfach, der Rest passiert von selbst.

Die Sitzposition und die schlanken Proportionen erinnern stark an ein Rennrad – kein Zufall, schließlich sitzt beim Roadlite:ON CF dieselbe Performance-DNA im Rahmen wie bei Canyons Straßen-Bikes. Die Lenkung reagiert entsprechend direkt, vielleicht sogar etwas zu direkt und teilweise schon nervös. Canyon hat hier klar nicht auf Stabilität, sondern auf Wendigkeit optimiert: Enge Gassen und Ampelstarts meistert das Bike spielerisch, bei mehr Tempo oder auf geradem Kurs verlangt es dafür etwas mehr Aufmerksamkeit, als man es von einem gemütlichen Cityrad erwarten würde.

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Komfort ist beim Roadlite:ON CF eher Nebensache – und das ist bei einem starren Carbon-Cityrad mit schmalen Reifen auch nicht anders zu erwarten. Wer regelmäßig über Kopfsteinpflaster oder ausgefahrene Radwege muss, sollte über breitere Reifen mit mehr Profil nachdenken, etwa den Schwalbe Overland oder den Pro-One Allroad in 40 mm. Auch eine flexende Sattelstütze wie Canyons eigene VCLS würde spürbar mehr Komfort generieren. Für den normalen Stadtalltag auf halbwegs glattem Asphalt reicht das Setup ab Werk aber völlig aus – man sollte von einem kompromisslos leichten Singlespeed-Bike einfach keine Komfort-Wunder erwarten.

Bei aller sportlichen Ausrichtung hat Canyon die Alltagstauglichkeit nicht vergessen. Die SP-Connect-Halterung im Carbon-Cockpit macht das Smartphone zur Navigationszentrale, ganz ohne zusätzliches Zubehör am Lenker. Der Riemenantrieb vermeidet Kettenöl an der Hose, und über die Bosch Flow-App lässt sich der Motor unkompliziert selbst unterwegs steuern und anpassen.

Auch abseits der Fahreigenschaften macht sich das geringe Gewicht bezahlt: Das Roadlite:ON CF lässt sich angenehm unkompliziert Treppen hoch- und wieder runtertragen.

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Für wen ist das Canyon Roadlite:ON CF?

Wer sein Bike hauptsächlich für den Weg zur Arbeit, ins Café oder durch die Innenstadt nutzt und dabei am liebsten gar nicht über Gangwechsel, Kettenpflege oder Wartung nachdenken will, findet im Roadlite:ON CF genau das richtige Werkzeug. Aufsteigen, lostreten, ankommen. Auch alle, die Wert auf ein wirklich geringes Gewicht legen, etwa weil das Rad regelmäßig Treppen hoch oder in die Bahn muss, sind hier gut aufgehoben.

Wer allerdings in einer hügeligen Stadt wohnt oder auf dem Arbeitsweg regelmäßig steilere Rampen nehmen muss, wird angesichts der Singlespeed-Übersetzung schnell seine Grenzen spüren. Hier hilft auch der Bosch-Nabenmotor nur bedingt, denn irgendwann limitiert schlicht die Untersetzung, nicht die Motorleistung. Gleiches gilt für alle, die gerne zügig durch die Stadt ziehen und dabei auch mal die 25-km/h-Marke im Blick haben: Ohne zweite, höhere Übersetzung tretet ihr dort schnell gegen die eigene Kadenz statt mit ihr.

Auch beim Komfort sollte man ehrlich zu sich sein: Wer regelmäßig auf Kopfsteinpflaster, schlecht ausgebauten Radwegen oder generell rauerem Untergrund unterwegs ist und dabei spürbaren Federungskomfort erwartet, wird mit dem Roadlite:ON CF in seiner Serienausstattung nicht glücklich. Die schmalen 35-mm-Reifen und der komplett starre Carbon-Rahmen geben das schlicht nicht her. Wer bereit ist, in breitere Reifen oder eine flexende Sattelstütze zu investieren, kann diesen Kompromiss abfedern.

Fazit zum Canyon Roadlite:ON CF

Das Roadlite:ON CF ist keine Kompromisslösung, sondern eine bewusste Wette auf Reduktion: weniger Technik, weniger Wartung, dafür auch weniger Vielseitigkeit. Der Bosch Hub Line-Motor überzeugt mit mehr Schub, als auf dem Papier zu vermuten wäre – doch die fixe Übersetzung limitiert an Steigungen doch recht früh. Und Komfort bleibt ab Werk Nebensache. Wer flaches Terrain, kurze Wege und wenig Lust auf Wartung mitbringt, bekommt ein Rad, das einfach funktioniert. Außerhalb dieses Profils wird die Reduktion schnell zur Einschränkung.

Tops

  • angenehm leichtes Gewicht
  • cleane Integration
  • wartungsarmer Riemenantrieb, kein Schaltstress
  • überraschend starke Unterstützung des Bosch-Nabenmotors

Flops

  • Single Speed fordert an steilen Rampen oder schnellen Abfahrten ihren Tribut
  • Handling neigt dazu, nervös zu werden
  • wenig Komfort durch schmale Reifen und starren Rahmen

Mehr informationen unter canyon.com

Words & Photos: Jan Fock

Wer schreibt hier?

Jan Fock
Junior Editor

Jan Fock vereint bei 41 Publishing sportlichen Ehrgeiz mit einem tiefen Verständnis für die Radsportkultur. Der studierte Gesellschaftswissenschaftler bringt ein feines Gespür für Trends und Dynamiken in die Redaktion des GRAN FONDO Magazin ein. Sein Fokus liegt auf dem Testen von High-End-Rennrädern und Gravel-Bikes, wobei seine Leidenschaft besonders dem Bikepacking und sportlichen Feierabendrunden gilt. Jan kombiniert sein Organisationstalent mit akribischen Analysen und bietet in seinen fundierten Kaufberatungen präzise Orientierung für alle ambitionierten Radsportler und Radsportlerinnen.

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