Dieser Artikel ergänzt unseren großen Pizzaofen-Vergleichstest. Den Überblick über alle getesteten Modelle findet ihr hier: Pizzaofen-Vergleichstest – Burnhard TONY, Gozney Tread und Ooni Koda 2.

Gewicht: 21,5 kg | Preis: 499 € | Herstellerseite
Größer, heißer, komfortabler?
Der Name lässt wenig Raum für Missverständnisse: Der Fat TONY ist der große Bruder des TONY. Doch Burnhard hat den bekannten Gas-Pizzaofen nicht einfach in alle Richtungen aufgepumpt. Neben dem größeren Garraum steckt vor allem bei der Temperaturkontrolle deutlich mehr Technik im Gehäuse. Genau die erweist sich im Alltag als einer der wichtigsten Unterschiede.
Während man beim kleinen TONY noch lernen musste, den Ofen zu „lesen” und die Temperatur des Steins im Zweifel mit der Infrarotpistole zu überprüfen, nimmt einen der Fat TONY stärker an die Hand. Neben einem Sensor für die Temperatur im Garraum verfügt er über einen zweiten Temperatursensor direkt unterhalb der Mitte des Pizzasteins. Die Innenraumtemperatur zeigt das Digitaldisplay als konkreten Wert an. Beim Stein arbeitet es dagegen mit einem Balkendiagramm, das mit steigender Temperatur in den jeweiligen Zielbereich “Classic” oder “Napolitana” wandert. Einen konkreten Temperaturwert für den Stein zeigt der Fat TONY nicht an. Für unsere Vergleichsmessungen haben wir deshalb weiterhin zur Infrarotpistole gegriffen.
Per Knopfdruck lässt sich zwischen den Zielbereichen für klassische oder neapolitanische Pizza umschalten. Das ist weit mehr als technische Spielerei: Für eine Pizza Napoletana muss der Stein rund 450 °C erreichen, während klassische Pizza mit deutlich weniger Hitze auskommt. Gerade am Anfang entfällt damit das Rätselraten, ob der Ofen zwar höllisch heiß, der Stein darunter aber noch nicht bereit für seinen großen Auftritt ist.
Aufheizverhalten und Flammenbild
Wie beim kleinen TONY setzt Burnhard auch beim Fat TONY auf eine L-förmige Flamme, die von der linken Seite und von hinten in den Garraum zieht. Das Prinzip bleibt also gleich: Die Flamme umströmt die Pizza von zwei Seiten, während der Rand gut im Blick bleibt. Der größere Garraum ändert daran nichts. Der Fat TONY übernimmt damit eines der Merkmale, die uns bereits beim kleinen Bruder beim gleichmäßigen Backen überzeugt haben.
Wer Pizza Napoletana backen will, braucht Geduld, zumindest ein bisschen. Mit dem mitgelieferten Hitzeschild ist der Fat TONY nach rund 10 Minuten bereits heiß genug für klassische Pizza. Für die neapolitanische Königsklasse braucht er länger: Nach 19 Minuten und 40 Sekunden hatte das Balkendiagramm auf dem Display den Zielbereich für Pizza Napoletana erreicht. Wie heiß der Stein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich war, haben wir mit der Infrarotpistole überprüft. Die Details zeigt die Tabelle.
| Aufheizzeit | Innenraum laut Display | Stein, mit IR-Thermometer gemessen |
|---|---|---|
| 0 min | 23 °C | 20 °C |
| 5 min | 393 °C | 294 °C |
| 10 min | 556 °C | 425 °C |
| 15 min | 616 °C | 507 °C |
| 20 min | 647 °C | 525 °C |
Interessant wird der Vergleich mit dem kleinen TONY. Der erreichte in unserem Vergleichstest die entscheidenden 450 °C bereits vor Ablauf der 15. Minute und bleibt damit der Sprinter der Familie. Der Fat TONY tauscht einen Teil dieser Hemdsärmeligkeit gegen mehr Platz und vor allem mehr Kontrolle. Wer einfach möglichst schnell Pizza backen will, hat mit dem kleinen Bruder also weiterhin gute Argumente auf seiner Seite. Wer dagegen genau wissen möchte, wann nicht nur der Garraum, sondern auch der Stein bereit ist, bekommt beim Fat TONY die deutlich besseren Informationen.
Wichtig: Unsere Messung erfolgte mit dem mitgelieferten Hitzeschild. Ohne dieses verlängert sich die Aufheizzeit nach unseren Erfahrungen um etwa zehn Minuten. Praktisch ist die seitliche Schiene am Ofen, in die das noch heiße Schild nach dem Abnehmen eingehängt werden kann. Ganz perfekt ist die Lösung allerdings nicht: Bei großer Hitze verzieht sich das Schild leicht, weshalb man die Einhängetechnik mit der Zeit ein wenig anpassen muss. Kein Drama, eher eine jener kleinen Eigenheiten, die man nach ein paar Pizzaabenden automatisch beherrscht.
Der Burnhard Fat TONY im Test
Beim Backen selbst spielt der Fat TONY seinen offensichtlichsten Vorteil aus: Er ist fett. Im besten Sinne. Der größere Garraum und die großzügigere Öffnung schaffen mehr Bewegungsfreiheit für Schieber und Wender. Wo man beim kleinen TONY aufgrund seiner kompakteren Dimensionen etwas genauer zielen und rangieren muss, lässt der Fat TONY mehr Platz für Korrekturen. Davon profitieren Neulinge ebenso wie erfahrene Pizza-Fans. Und ganz nebenbei erlaubt der zusätzliche Platz schlicht größere Pizzen.
Gerade beim Drehen macht sich der zusätzliche Platz bemerkbar. Eine Pizza, die beim Einschießen nicht millimetergenau dort landet, wo sie eigentlich hin soll, wird hier nicht gleich zur logistischen Krise. Man kommt besser an sie heran, kann sie komfortabler wenden und behält durch die größere Öffnung einen besseren Blick auf Teig und Rand. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist bei Backzeiten von teilweise deutlich unter zwei Minuten aber durchaus relevant. Pizza wartet schließlich nicht geduldig, während man seine Feinmotorik neu kalibriert.
Der große Garraum hat allerdings auch eine Kehrseite. Jede eingeschobene Pizza entzieht dem Stein Energie. Zwischen zwei Pizzen empfiehlt es sich deshalb, dem Fat TONY ein paar Minuten Zeit zu geben, am besten mit dem Hitzeschild, damit der Stein wieder seine Temperatur aufbauen kann. Dieser Effekt erschien uns ausgeprägter als bei den kleineren Pizzaöfen aus unserem Vergleichstest und erinnerte eher an den ähnlich dimensionierten Gozney Arc XL. Bei ihm zählte die mangelnde Temperaturstabilität bei schnell aufeinanderfolgenden Pizzen ebenfalls zu den Schwächen. Den Gegenpol bildet der Ooni Koda 2: Der hielt die Temperatur zwischen mehreren Pizzen besonders konstant. Wer also tatsächlich neapolitanische Fließbandproduktion betreiben möchte, ist beim Ooni besser aufgehoben.
Bedienung und Komfort im Alltag
Hier setzt sich der Fat TONY am deutlichsten von seinem kleinen Bruder ab. Verarbeitung, Regler und Haptik waren bereits beim TONY große Stärken. Auch der Fat TONY gibt sich keine Blöße. Die Bedienelemente fühlen sich hochwertig an, die Konstruktion wirkt solide und nichts vermittelt den Eindruck, dass Burnhard ausgerechnet beim größeren Modell an der Substanz gespart hätte.
Der eigentliche Komfortgewinn steckt jedoch im neuen Digitaldisplay. Der Fat TONY gibt euch klare Rückmeldung darüber, wann der Stein für klassische beziehungsweise neapolitanische Pizza bereit ist. Im Alltag ist das ein echter Fortschritt, denn nur weil es im Ofen höllisch heiß ist, muss der Stein noch lange nicht bereit sein.
Die größere Öffnung verbessert zudem die Sicht in den Garraum. Man erkennt schneller, wie sich Rand und Boden entwickeln, und muss weniger blind mit dem Pizzawender hantieren. Zusammen mit dem zusätzlichen Platz entsteht ein entspannteres Backerlebnis als beim kompakten TONY. Der kleine Bruder bleibt das charmante Arbeitstier; der Fat TONY nimmt einem schlicht mehr Arbeit ab.
An der eher niedrigen Arbeitshöhe ändert allerdings auch das größere Format wenig. Auf einem normalen Tisch steht der Fat TONY, je nach eigener Körpergröße, weiterhin eher zu tief. Wer regelmäßig backt, sollte ihm deshalb einen entsprechend hohen und stabilen Unterbau gönnen.
Burnhard Fat TONY im Test: Preis, Zubehör und Ausstattung
Der Fat TONY kostet 499 € und damit ziemlich genau doppelt so viel wie der kleine TONY für 249 €. Allerdings wächst nicht nur der Ofen. Zur Serienausstattung gehören neben dem üblichen Zubehör in Form von Pizzastein und Gasschlauch auch das Thermometer und das Digitaldisplay sowie das Hitzeschild samt Griff.
Beim Fat TONY sollte man den Preis deshalb nicht isoliert betrachten. Der kleine TONY überzeugt gerade deshalb, weil er mit vergleichsweise überschaubarem Investment sehr viel Pizzaofen bietet. Der Fat TONY verlangt satte 250 € mehr, bringt dafür aber bereits einige Komponenten mit, die beim kleinen Bruder entweder fehlen oder zusätzlich gekauft werden müssen. Ob der größere Garraum und der zusätzliche Komfort diesen Aufpreis rechtfertigen, hängt deshalb vor allem davon ab, wie häufig man Pizza backt und wie viele Personen dabei satt werden sollen.
Zum Loslegen fehlen damit neben Gas vor allem Pizzaschieber und Pizzawender. Burnhard bietet beides passend zum Fat TONY als zweiteiliges Set für 59,90 € an – etwas günstiger als beim Einzelkauf. Wer die Werkzeugkiste anschließend noch um ein etwas martialischeres Gerät erweitern möchte, bekommt für 34,90 € das Pizza-Wiegemesser mit 35,5 cm langer Klinge und massivem Akazienholzgriff. Das teilt nicht nur eine große Pizza mit einer Bewegung. Im Zweifel ließe sich damit vermutlich auch eine ganze Buche entrinden.
Für wen lohnt sich der Burnhard Fat TONY wirklich?
Der kleine TONY bleibt die naheliegende Wahl für alle, die wenig Platz haben, zunächst mit überschaubarem Budget in die Welt der Pizzaöfen einsteigen oder nur gelegentlich einen Pizzaabend veranstalten möchten. Er heizt enorm schnell auf, ist robust und konzentriert sich auf das Wesentliche. Gerade auf dem Balkon ist weniger Ofen manchmal schlicht mehr.
Der Fat TONY richtet sich dagegen an alle, die häufiger backen, mehr Platz zur Verfügung haben und den zusätzlichen Komfort tatsächlich nutzen. Familien, größere Runden und alle, die ambitionierter backen, profitieren vom geräumigeren Innenraum, von größeren Pizzen und der entspannteren Handhabung. Vor allem die Info zur der Steinbereitschaft nimmt viel Rätselraten aus dem Backprozess.
Damit ist der Fat TONY nicht automatisch der bessere TONY. Er ist vielmehr die komfortablere und erwachsenere Interpretation desselben Grundgedankens. Wer den Platz hat und regelmäßig Pizza backt, wird die zusätzlichen Reserven schnell schätzen lernen. Wer dagegen kompakt, schnell und möglichst günstig unterwegs sein möchte, braucht sich vom „Fat” im Namen nicht einschüchtern zu lassen: Der kleine TONY bleibt ein verdammt schlagkräftiges Argument.
Fazit
Der Fat TONY ist mehr als ein aufgepumpter TONY. Sein großzügiger Garraum, die bessere Übersicht und die präzisere Temperaturkontrolle machen das Backen komfortabler, ohne dass Burnhard bei der Verarbeitung Abstriche macht. Dafür beansprucht der Fat TONY mehr Stellfläche und bei Pizzen in schneller Folge etwas Zeit zum Nachheizen. Wer regelmäßig für Familie und Freunde backt, bekommt ein starkes Gesamtpaket. Wer dagegen kompakt, günstig und möglichst schnell loslegen will, ist mit dem kleinen TONY besser bedient. Größe ist eben doch nicht alles – auch wenn Fat TONY das vermutlich anders sieht.
Tops
- Temperaturkontrolle für Garraum und Pizzastein
- großzügiger Garraum mit entspanntem Handling
- erstklassige Verarbeitung und Haptik
Flops
- Temperaturverlust bei mehreren Pizzen in schneller Folge
- hoher Platzbedarf
- Hitzeschild verzieht sich bei großer Hitze leicht
Mehr Infos unter burnhard.com
Words: Jonny Grapentin Photos: Tim Eckermann
