Dieser Testbericht ist Teil unseres Vergleichstests „7 Siebträgermaschinen im Test – Was ist die beste Siebträgermaschine für zuhause?“, für den wir Modelle von 300 € bis 6.000 € unter die Lupe genommen haben – von kompakter Einsteigerfreundin bis hin zum High-End-Barista-Traum. Mit dabei: Latte-Art-Versuche, verbrannte Finger und jede Menge Koffein im Blut. Hier geht’s zur Kaufberatung und zum Überblick über alle Siebträgermaschinen im Test.
Klassiker goes Mini: 1967 brachte die Schweizer Manufaktur Olympia Express mit der Cremina eine kleine Handhebelmaschine in private Küchen. Die elektrische Siebträgermaschine erreichte Kultstatus, nicht zuletzt aufgrund ihrer sagenhaften Langlebigkeit. Mit der Mina wird die Tradition im Mini-Format komplett analog fortgesetzt: Wasser wird extern auf dem Herd oder Gaskocher erhitzt und dann mit der Hebelmechanik der Cremina durch das Kaffeemehl im Siebträger gedrückt. Mit 22 x 17 x 31 cm und 2,1 kg ist auch diese Olympia-Handhebelmaschine äußerst kompakt und passt in jede Küche – doch sie ist „nicht nur limitiert auf die eigenen vier Wände“, sondern auch für unterwegs gedacht, denn fürs Outdoor-Setup wurde sie primär entwickelt.
Der Hersteller verspricht Perfektion bei Material und Verarbeitung, eine damit verbundene Langlebigkeit und den besten Espresso-Begleiter für unterwegs. Als einzige komplett analoge Espressomaschine und mit ihrer besonderen Technologie hebt sich diese Olympia-Handhebelmaschine im Siebträgermaschinen-Test von High-Tech-Modellen wie Ligre und Sanremo ab. Ihr Fokus liegt auf Ritual und Purismus statt Komfort und Speed. Anders als die anderen Maschinen beschränkt sich die Mina zudem auf ihre reine Espressofunktion – für den Cappuccino muss die Milch aus einem externen Schäumer kommen.
999 € sind hinzublättern, für die man ein Reiseköfferchen mit den auseinandergebauten Teilen erhält, einen Mini-Tamper, einen Siebträger mit offenem Sieb in der Sondergröße 49 mm und eine Abtropfschale. Der Preis ist eine Ansage – entsprechend hohe Erwartungen haben wir an Qualität und Performance. Kann die Olympia-Handhebelmaschine diese erfüllen oder taugt sie nur als Blickfang in designaffinen Haushalten und neben aufgemotzten 4×4-Offroadwagen?

Gewicht 2,1 kg | Hersteller-Website
Olympia Express Mina
999 €
Technische Daten
Bauart analoge Handhebelmaschine
Maße 22 x 17 x 31 cm (L/T x B x H)
Tankgröße – –
Kessel Heißwasser/Dampf – –
Kessel Kaffeewasser – –
Gewicht 2,1 kg
Lieferumfang
Offener Siebträger
Sieb (49 mm Sondergröße)
Tamper
Tropfschale
Transporttasche
Olympia-Handhebelmaschine im Test – Wie lebt es sich mit der Siebträgermaschine Mina?
Zahlen und Specs sind das eine, aber wie schlägt sich die Olympia-Handhebelmaschine im Alltag? Von Haptik über Workflow bis hin zum ersten Espresso nehmen wir euch mit in den Praxistest.
Feeling: Design, Material & Haptik
Die Marke Olympia Express verspricht Perfektion in Material und Verarbeitung – Siebträgermaschinen, gebaut für die Ewigkeit. In Sachen Design hat die Mina jedenfalls das Zeug zur Ikone: Minimalismus pur. Die Maschine wirkt fast wie ein medizinisch-technisches Gerät aus den 60ern: steril, reduziert, kompromisslos. Für Fans des Industrial-Looks ist das Kult, für andere wirkt die Handhebelmaschine vielleicht kühl und distanziert – in der Küche ist sie allemal ein richtiger Hingucker und garantierter Gesprächsanlass.

Einen kleinen Dämpfer in der Vorfreude auf die Maschine bringt das Unboxing: Statt Premium-Show gibt es Reisekoffer mit unpräzise vermessenen Schaumstoff-Ausstanzungen für die Einzelteile, die so darin feststecken, dass man sie mit Gewalt herausziehen muss. Premium-Feeling? Fehlanzeige. Bei der Verarbeitung der Espressomaschine selbst fällt dagegen lediglich ein fehlendes Glanzdreh-Finish beim Edelstahl-Tamper negativ auf. Statt sichtbarer Drehspuren wäre hier aufgrund des selbstbewusst beworbenen High-End-Anspruchs mehr Liebe zur Ästhetik möglich gewesen.
Sehr hochwertige Herzstücke wie Brühkopf, Hebel und Siebträger aus Aluminium, Edelstahl und Messing zeigen aber fraglos die Ernsthaftigkeit des Schweizer Unternehmens. Die Haptik punktet zudem mit edler, eloxierter Oberfläche am Brühkopf, leichtgängigen, angerauten Schrauben zur Befestigung der Füße am Corpus und einem Kunststoffgriff, der beim Espressobezug angenehm in der Hand liegt, während man sich dem perfekten Mahlgrad anzunähern versucht.


Olympia-Handhebelmaschine Mina: Aufheizzeit & Workflow
Ausgepackt und los? Nein – bei Erstbenutzung oder nach dem Transport stehen zunächst ein paar wenige Handgriffe an. Nachdem man innerhalb weniger Augenblicke Füße und Hebel an der Maschine verschraubt hat, beginnt dann ein Ritual, das an fernöstliche Teezeremonien erinnert: Ohne eigenen Boiler muss die Brühgruppe manuell vorgeheizt werden, bevor der erste Bezug gelingt. Dafür wird separat erhitztes Wasser in mehreren Durchgängen in die Brühgruppe gegossen und per Hebel durch den Siebträger gedrückt (Achtung, die Öffnung ist klein – Zielen will gelernt sein!).
Bis die Betriebstemperatur erreicht ist, vergehen mehrere Minuten. Je nach Setting läuft das schneller oder langsamer: Zuhause steht mit dem Wasserkocher konstant heißes Wasser bereit, die Aufheizphase dauert rund fünf Minuten. Am See mit Gaskocher oder unter windig-kühlen Bedingungen zieht sich die Prozedur deutlich länger hinaus und wird schnell zum Nerventest. Tipp fürs Temperaturmanagement: Die Tasse parallel mit heißem Wasser vorwärmen, denn der Handhebel-Espresso erreicht keine sehr hohen Temperaturen.

Kaffeezeremonie, Schritt 2: Ist die Brühgruppe heiß genug, geht es an den Espresso. Und schon wartet die nächste Herausforderung: Ohne Tuch verbrennt man sich beim Ein- und Ausspannen des Siebträgers schnell die Finger am heißen Brühkopf, den man festhalten muss, um Gegendruck zu erzeugen – das geringe Gewicht der Mina lässt eine einhändige Bedienung kaum zu. Mit konstantem Druck wird das Wasser schließlich durch das Kaffeemehl gepresst – ein mechanisches Pressure-Profiling ganz ohne Elektronik, was Purist:innen schätzen werden. Um an die laut Olympia Express maximal zu erreichende Espressotemperatur von etwa 43 °C zu kommen, muss der Prozess mehrfach wiederholt werden: Der erste Shot ist trotz Vorheizen eher lauwarm. Wer Freude an diesem Ablauf hat, wird das Ritual genießen.
Zuhause ist besagtes Ritual dank konstanter Heißwasserversorgung weniger aufwändig, im Outdoor-Einsatz mit Kocher oder Lagerfeuer dagegen schnell mühsam. Da würden wir dann eher zum Herdkännchen greifen. Zwischenfazit: Die Mina heizt schneller auf als große Dualboiler, bleibt aber deutlich langsamer und umständlicher als moderne Dickfilmheizer- oder Thermoblock-Maschinen wie eine Zuriga oder LIGRE. Der Hersteller verspricht Langlebigkeit und Purismus – im Alltag bedeutet das vor allem: Geduld, Hingabe und Zeit.
Bedienbarkeit und Einstellungsmöglichkeiten
Die Olympia Mina ist kompromisslos reduziert, alles hängt an einem Hebel – zumindest fast. Also alles easy? Der Einstieg wirkt zunächst leicht, doch schnell zeigt sich: Geduld und Übung sind gefragt, um das richtige Setup zu finden – wie bei jeder Siebträgermaschine bestimmen zunächst Mahlgrad, Bohnenmenge und Tamp den Widerstand des Pucks. Wie stark man tampt und wie fein man das Kaffeemehl mahlt, muss man also genauso ausprobieren – wir verraten euch: sehr, sehr fein!
Aber Achtung: Weil nur ein offener Siebträger im Lieferumfang liegt, kann es bei falschem Mahlgrad schnell zur Sauerei kommen. Also am besten bei den ersten Versuchen nicht gerade das weiße Lieblingsshirt aus dem Fair-Fashion-Shop tragen … Kleiner Downer für Experimentierfreudige: Im Lieferumfang ist nur ein Sieb enthalten, das maximal 14 g Kaffeemehl fasst. Hier zeigt sich die Mina wenig flexibel und bietet keinen Spielraum für verschiedene Kaffeemengen.


Bei der Olympia-Handhebelmaschine kommt dann noch eine weitere Challenge hinzu: Das Druckprofil ergibt sich neben den oben genannten Faktoren auch aus der mechanischen Hebelbewegung, die man weniger konstant reproduzieren kann, als es eine klassische Siebträgermaschine tut. Es gilt also zu experimentieren, mit wie viel Kraft und mit welcher Geschwindigkeit man den Hebel runterdrückt. Das ist anspruchsvoller als einfach auf den Startknopf zu drücken. Für manche ist das genau der Reiz, weil sie die volle Kontrolle über das Ergebnis haben. Andere könnte die gesamte Prozedur jedoch abschrecken – erst recht, wenn sie feststellen, dass sich der Siebträger nach dem Bezug nur schwer lösen lässt. Bei einer Maschine, deren Gehäuse schnell heiß wird, ist das nämlich ein leichtes Handlingproblem mit Verbrennungsgefahr. Wenn man sich aber an die Anleitung hält und die Maschine nicht am Gehäuse, sondern an einem Bein festhält, können Verbrennungen aber vermieden werden. Eine kleine Challenge besteht übrigens auch im Einfüllen des siedenden Wassers in den Brühkopf, denn die Öffnung ist sehr klein. Am besten erhitzt man das Wasser in einem Schwanenhalskocher, mit dem man das Einschenken doch etwas präziser steuern kann als Butler James bei „Dinner for One”.
In puncto Reinigung macht die Olympia-Handhebelmaschine am wenigsten Mühe im Siebträgermaschinen-Test: Sie hat die kleinste Fläche, einen pflegeleichten eloxierten Brühkopf, auf dem keine Fingerabdrücke hinterlassen werden, und die Abtropfschale muss nur kurz abgewischt werden, weil sie so flach ist, dass sie eh nicht mit Wasser volllaufen kann. Es gibt weder einen Tank, den man säubern muss, noch eine Dampfdüse. Und sogar einen hygienischen Vorteil bringt die minimalistische Technik ohne Tank und Boiler: Kein Tank bedeutet kein Wasser, das drinsteht und sich ungewollt erwärmen kann und die Bakterienbildung fördert.
Wie läuft’s mit dem Kaffee?
Bei idealer, sehr feiner Einstellung quillt ein leckerer, dickflüssiger Espresso aus dem offenen Siebträger wie Honig aus einer Wabe. Der Kaffee wird, wie schon beschrieben, mit zunehmenden Bezügen wärmer, landet aber oft nur mit etwas über 40 °C in der Tasse – eigentlich die ideale Trinktemperatur, bei der sich alle Aromen entfalten. Dennoch entspricht das nicht jedermanns Vorstellung und ist deutlich kühler als der Espresso, an den man von elektrischen Maschinen gewöhnt ist. Der liegt in der Regel bei deutlich über 60 °C.
Die Frage nach der Schäum-Performance ist bei dieser analogen Olympia-Handhebelmaschine natürlich obsolet – hier müssen sich Cappuccinofans nach anderen Milchschaumquellen umsehen.

Für wen ist die Olympia-Handhebelmaschine Mina?
- für Puristen und Liebhaberinnen rein mechanischer Technik
- für Menschen, die fernöstlich anmutende Espresso-Rituale schätzen
- für die Outdoor-Community, die mit dem Prepper-Defender unterwegs ist und mehr Wert auf Style als auf Praktikabilität legt
- nicht geeignet für Siebträger-Neulinge, die eine schnelle, unkomplizierte Bedienung wollen
Hält die Siebträgermaschine im Test, was sie verspricht?
Der Hersteller verspricht mit der Mina echtes Espresso-Handwerk: kompromisslos analog, hochwertig gebaut für Kaffee-Nerds auf der Suche nach dem perfekten Espresso. Dieses Versprechen hält die Maschine – der Handhebel bietet unmittelbare Kontrolle, die Mechanik funktioniert zuverlässig und das Gefühl ist einzigartig. Doch darüber bleibt die Mina eine Erklärung schuldig, was genau ihren sehr hohen Preis rechtfertigt. Hochwertige Materialien und ausgeklügelte Technik gibt es bei klassischen Siebträgermaschinen zu ähnlichen Preisen – und mit deutlich komplexerer Technologie. Bei einer Olympia Siebträgermaschine zahlt man natürlich zurecht für die Schweizer Manufaktur-Fertigung – vielleicht aber auch ein wenig für den Namen. Somit erfüllt die Mina ihr Versprechen, aber das Versprochene ist ein eher schmales Angebot – zu einem hohen Kurs.
Fazit
Kompakt, mobil und reduziert aufs Espressomachen – die analoge Olympia-Handhebelmaschine ist die Exotin im Siebträgermaschinen-Test. Espresso gelingt mit ihr nur, wenn man Zeit und Geduld für den Workflow mitbringt. Als „besten Espresso-Begleiter für unterwegs” würden wir statt der Mina definitiv eine Bialetti bevorzugen. Am ehesten ist die Maschine was für zuhause. Doch auch da stimmt der Preis von 1.000 € nur, wenn man die Mina als puristisches Designerstück ins Rampenlicht stellt – und nicht deren Performance im Alltag.
Tops
- kompakt und mobil
- pflegeleicht
- cleanes Industrial-Design mit Ikonen-Potenzial
Flops
- nur ein Sieb, wenig Flexibilität
- Espresso-Temperatur im Vergleich niedrig
- Handlingproblem mit heißem Gehäuse
- hoher Preis nicht gerechtfertigt
Mehr Infos gibt’s bei Olympia Express.
Dieser Artikel ist Teil unseres Coffee Specials, in dem wir euch alle getesteten Produkte, spannende Erkenntnisse und wertvolle Einblicke rund um das Thema Kaffee präsentieren. Neugierig? Dann schaut rein!
Das Testfeld beim Siebträgermaschinen-Test
Hier geht’s zum großen Vergleichstest
Alle Siebträgermaschinen im Test: Bezzera DUO DE | De’Longhi Dedica Duo EC 890.M | La Marzocco Linea Micra | LIGRE youn | Olympia Express Mina | Sanremo YOU | ZURIGA E2-S
Words: Felicia Nastal Photos: Peter Walker
