
22,6 kg in Größe M (mit Heckträger) | 3.499 € | Hersteller-Website
AMFLOW und Avinox haben 2026 bereits mehrere Neuheiten vorgestellt: Erst präsentierte die Marke den neuen Avinox M2-Motor sowie die neuen E-Mountainbikes AMFLOW PX und AMFLOW PR. Doch dabei soll es nicht bleiben. Mit dem TL Carbon betritt AMFLOW erstmals das Segment der SUV-E-Bikes.
Das Konzept hinter einem SUV E-Bike ist schnell erklärt: Es soll möglichst viele Einsatzzwecke mit einem einzigen Bike abdecken – vom täglichen Pendelweg über Trekking-Touren bis hin zu gelegentlichen Ausflügen auf einfachen Trails. Entsprechend kommt das AMFLOW TL Carbon bereits ab Werk mit einer umfangreichen Ausstattung. Der Vollcarbon-Rahmen verfügt über ein vollgefedertes Fahrwerk. Zudem gehören Schutzbleche, eine Lichtanlage und ein Heckgepäckträger mit MIK-HD-Standard inklusive Kindersitzfreigabe dazu. Für den Antrieb sorgt der Avinox M2-Motor mit bis zu 125 Nm Drehmoment und einer Maximalleistung von 1.100 W. Verfügbar sein soll das neue SUV E-Bike noch im Laufe dieses Jahres.
Aber so richtig spannend wird es bei folgender Ansage: Mit einem Preis von 3.499 € bringt DJI mit dem AMFLOW TL Carbon ein vollwertiges E-SUV auf den Markt – und setzt damit ein deutliches Statement. Vergleichbare vollgefederte E-SUVs kosten in der Regel mindestens 1.000 € mehr. Doch kann das Bike diesen Preisvorteil auch auf der Straße einlösen? Für den ersten Test sind wir durch die Frankfurter Skyline gedüst und klären diese und viele andere Fragen.
Welche Detaillösungen hat das AMFLOW TL Carbon?
Nur zwei Rahmengrößen für ein SUV E-Bike? AMFLOW beschränkt das TL Carbon auf die Größen S/M und L/XL. Damit soll die kleinere Variante Körpergrößen von 155 bis 175 cm abdecken, während die größere Ausführung für Fahrer bis 190 cm vorgesehen ist.
Optisch bleibt das AMFLOW TL Carbon seiner klaren Designlinie treu. Der schlanke Rahmen, das filigrane Unterrohr und die insgesamt aufgeräumte Silhouette lassen das SUV E-Bike leichter wirken, als es tatsächlich ist.
Während viele Hersteller für diese cleane Optik auf einen fest integrierten Akku setzen, gelingt AMFLOW der Spagat zwischen Design und Alltagstauglichkeit. Der 800-Wh-Akku bleibt entnehmbar und ist per Schloss gesichert. Nach dem Entfernen der Akku-Abdeckungen lässt er sich einfach aus dem Unterrohr entnehmen – praktisch für alle, die den Batterie zum Laden mit in die Wohnung oder ins Büro nehmen möchten. Für noch mehr Reichweite bietet AMFLOW außerdem einen 480 Wh großen Range Extender an.
Apropos Energie – während der Frontscheinwerfer über den Haupt-Akku versorgt und direkt über das Display gesteuert wird, setzt das Rücklicht auf einen separaten Akku. Warum AMFLOW hier auf zwei unterschiedliche Stromquellen setzt, bleibt allerdings offen.
Zu den ungewöhnlichsten Eigenschaften des neuen AMFLOW TL Carbon zählen die variablen Laufradkonfigurationen. Ab Werk rollt das SUV E-Bike auf 27,5″-Laufrädern vorne und hinten. Laut AMFLOW lässt sich das Bike jedoch flexibel an unterschiedliche Einsatzzwecke anpassen. Neben einem vollständigen 29″-Setup soll auch ein sogenanntes Reverse-Mullet-Setup mit 27,5″-Vorderrad und 29″-Hinterrad möglich sein.
Zusätzlich verfügt das TL Carbon über einen verstellbaren Lenkwinkel. Im 29″-Setup kann dieser von 67° auf flachere 66° angepasst werden, um insbesondere auf schnellen Abfahrten mehr Laufruhe und Sicherheit zu bieten.


Auch bei der Transportkapazität zeigt sich das AMFLOW TL Carbon vielseitig. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 200 kg und umfasst das Bike selbst, Fahrer bzw. Fahrerin sowie die Beladung an Front- und Heckgepäckträger. Optional bietet AMFLOW einen Frontgepäckträger an, der mit bis zu 20 kg belastet werden darf. Der Heckträger schleppt maximal 27 kg.
Das Avinox M2-Motorsystem im neuen AMFLOW SUV-Bike
Die wichtigsten technischen Infos zum neuen Avinox M2-Motorsystem:
- max. Leistung: 1.100 W
- max. Drehmoment: 125 Nm
- entnehmbarer Akku: 800 Wh (4 kg, 200 Wh/kg)
- Gewicht Drive Unit: 2,65 kg (Herstellerangabe)
Für viele Rider dürfte jedoch nicht die maximale Leistung des Motors, sondern vielmehr die Konnektivität und der Diebstahlschutz im Alltag entscheidend sein. Genau hier setzt das Avinox-System an. Über die Avinox Ride App lässt sich das AMFLOW TL Carbon in Apples „Find My”-Netzwerk integrieren. So kann der Standort des Bikes jederzeit über die „Wo ist?”-App verfolgt werden, was insbesondere beim Thema Diebstahlschutz einen praktischen Mehrwert bietet.
Was kann die Ausstattung des AMFLOW TL Carbon?
Auch bei der Ausstattung verfolgt AMFLOW konsequent den SUV-Bike-Ansatz. Für Komfort und Kontrolle auf jedem Untergrund sorgt vorne eine FOX AWL Sport-Federgabel mit 120 mm Federweg, während am Heck ein FOX FLOAT Rhythm-Dämpfer zum Einsatz kommt – beide mit einstellbarer Zugstufendämpfung (Rebound).
Die Wahl der Komponenten verrät dabei auch die grundsätzliche Ausrichtung des Bikes: Statt zu den hochwertigeren Performance- oder Factory-Serien von FOX greift AMFLOW bewusst zu den preisgünstigeren Rhythm- und AWL-Modellen. Das ist weniger auf maximale Trail-Performance und sportliche Ambitionen ausgelegt, sondern vielmehr auf einen robusten Aufbau, der Komfort und Alltagstauglichkeit in den Vordergrund stellt.
Bei den Laufrädern setzt AMFLOW serienmäßig auf einen 27,5″-Laufradsatz mit MAXXIS Crossmark II-Reifen in 2,35″ Breite. Die Reifen sind eher auf einen geringen Rollwiderstand als auf maximale Trail-Performance hin optimiert und unterstreichen damit den Touren- und Alltags-Charakter des Bikes. Gleichzeitig ist die EXO-Karkasse für ein SUV-Bike nicht perfekt. Gerade, wenn man voll beladen fahren möchte, sollte man über eine etwas stärkere Karkasse nachdenken, damit der Pannenschutz auch auf allen Schotterarten gewährt wird.
Passend zum hohen zulässigen Gesamtgewicht von 200 kg fällt auch die Bremsanlage solide aus. Zum Einsatz kommen Vierkolbenbremsen von Tektro mit 180-mm-Bremsscheiben vorne und hinten. Die speziell für das AMFLOW TL abgestimmte Bremsanlage soll auch bei voller Beladung ausreichend Reserven bieten.
Besonders spannend ist die elektronische Schaltung. Statt auf die üblichen Lösungen von Shimano oder SRAM setzt AMFLOW auf das elektronische TRP E.A.S.I.-Schaltwerk in Kombination mit dem neuen Avinox SmoothShift-System. Dieses erlaubt Gangwechsel auch dann, wenn während des Schaltvorgangs nicht weiter pedaliert wird. Gleichzeitig reduziert das System automatisch das Motordrehmoment und soll so besonders sanfte Schaltvorgänge ermöglichen. Zum Marktstart sollen zudem vollautomatisches und halbautomatisches Schalten verfügbar sein.
Mit Dropper Post, vollständiger Lichtanlage inklusive StVZO-konformem Rücklicht, Schutzblechen und Heckgepäckträger ist das AMFLOW TL Carbon bestens für den Alltag gerüstet. Statt eines abgespeckten E-MTBs mit Anbauteilen liefert AMFLOW ein durchdachtes E-SUV, das bereits ab Werk nahezu vollständig ausgestattet ist.
Wie fährt sich das AMFLOW TL Carbon?
Wir waren mit der Standardversion des AMFLOW TL Carbon unterwegs, die serienmäßig mit Schutzblechen und Heckträger ausgestattet ist. Schon beim Aufsteigen fällt die angenehm aufrechte Sitzposition auf, die viel Komfort vermittelt. Selbst bei über 30 °C in Frankfurt sorgt der Fahrtwind für willkommene Abkühlung, sobald der Avinox M2-Motor seine Unterstützung entfaltet.
Besonders beeindruckend ist die Kombination aus geringem Gewicht und der enormen Leistung des Motors. Im Turbo-Modus entwickelt der M2 so viel Schub, dass die Kraftentfaltung gerade beim Anfahren oder auf losem Untergrund etwas überraschend ausfallen kann – ähnlich wie wir es vom Revo C von Velo de Ville kennen. Wer möchte, kann die Unterstützungscharakteristik jedoch über die Avinox Ride App individuell anpassen und jeden Fahrmodus auf die eigenen Vorlieben abstimmen.
Unbeladen fährt sich das E-SUV angenehm ausgewogen und vermittelt auch zwischen den Hochhäusern Frankfurts viel Sicherheit. „Vom Bordstein zur Skyline” – dieses Motto scheint AMFLOW wörtlich genommen zu haben. Das Fahrwerk ist bewusst auf der komfortablen Seite angesiedelt und bügelt Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster und andere typische Hindernisse des Stadtverkehrs souverän weg. Die „Skyline” kommt dabei nicht von ungefähr: Das Avinox-Büro befindet sich am Platz der Deutschen Einheit, direkt neben der Messe Frankfurt. Passender könnte die Anspielung kaum sein.
Auch in engen Gassen oder beim Rangieren kommt das AMFLOW TL Carbon gut zurecht. Trotz der SUV-Ausstattung wirkt das Bike nicht sperrig, sondern lässt sich überraschend leicht manövrieren. Dazu trägt auch die 170-mm-Dropper Post bei, die zuverlässig arbeitet und das häufige Auf- und Absteigen im Stadtverkehr deutlich angenehmer macht.
Die TRP-Bremsen hinterließen während unseres ersten Tests einen gemischten Eindruck. Unser Test-Bike hatte erst rund 80 km auf dem Tacho, weshalb die 180-mm-Bremsscheiben und Beläge noch nicht vollständig eingebremst waren. Entsprechend fiel die Bremsleistung etwas verhaltener aus. Für den Alltag dürfte die Bremsanlage den meisten Fahrerinnen und Fahrern ausreichen. Angesichts des zulässigen Gesamtgewichts von 200 kg hätten wir uns – insbesondere bei voller Beladung – jedoch größere Bremsscheiben und damit etwas mehr Bremsreserven gewünscht.
Fazit zum AMFLOW TL Carbon
Für 3.499 € bietet das Bike ein Gesamtpaket, das derzeit seinesgleichen sucht: Vollcarbon-Rahmen, vollgefedertes Fahrwerk, der kraftvolle Avinox M2-Motor, ein entnehmbarer 800-Wh-Akku sowie eine umfangreiche Serienausstattung machen das AMFLOW TL zu einer echten Kampfansage. Im ersten Test überzeugt das Bike mit gutem Komfort, agilem Handling und einem starken Motor, dessen Charakter sich über die Avinox Ride App individuell anpassen lässt. Auch Details wie die Kindersitz- und Anhängerfreigabe sowie das hohe zulässige Gesamtgewicht unterstreichen den gelungenen SUV-Ansatz. Kleinere Schwächen zeigte im ersten Test lediglich die Bremsanlage, die an unserem nahezu neuen Test-Bike noch nicht vollständig überzeugen konnte. Sollte AMFLOW die hohe Qualität auch in der Serie halten, dürfte das TL Carbon den E-SUV-Markt ordentlich unter Druck setzen.
Tops
- herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Vollcarbon-Rahmen mit entnehmbarem 800-Wh-Akku
- kraftvoller Avinox M2-Motor mit umfangreichen App-Funktionen
- hoher Fahrkomfort und agiles Handling
- umfangreiche Serienausstattung inklusive Schutzblechen, Lichtanlage und Heckgepäckträger
- 200 kg zGG sowie Kindersitz- und Anhängerfreigabe
- optionaler 480-Wh-Range-Extender
Flops
- Bremsanlage im Ersttest mit ausbaufähiger Performance
- nur zwei Rahmengrößen verfügbar
- EXO-Karkasse für ein voll beladenes E-SUV etwas knapp dimensioniert
- Rücklicht wird nicht über den Haupt-Akku versorgt
Mehr Infos unter findet ihr unter AMFLOW.com
Words: Robin Ulbrich Photos: AMFLOW, Benedikt Schmidt
